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Mittwoch, 17. Mai 2017

Tragödie in Belgien: Baby verhungert wegen Superfood-Diät

Als ihr Sohn keine Muttermilch mehr verträgt, stellen die Eltern kurzerhand eine eigene Diagnose: Der sieben Monate alte Junge hat eine Gluten- und Laktoseintoleranz, glauben sie. Fortan füttern sie ihn nur noch mit Superfood-Produkten. Bis das Kind stirbt.

Nur noch 4,3 Kilo wiegt Lucas, als seine Eltern den Jungen aus dem belgischen Beveren ins Krankenhaus bringen – vier Kilo weniger, als für sein Alter normal sind. Als ein Mediziner das Kind zu Gesicht bekommt, ist es bereits tot. Schnell stellen die Ärzte fest: Der Junge war verhungert und dehydriert. Auch der Grund ist schnell gefunden: Die Eltern hatten ihrem Kind statt Babynahrung nur Milchersatz aus Hafer, Buchweizen, Quinoa und Reis gegeben. Über den Fall berichteten belgische Medien.

In den ersten Monaten seines Lebens war der Säugling noch gestillt worden oder bekam das Fläschchen. Wie seine Mutter nun vor Gericht rechtfertigte, habe ihr Sohn damals noch sechs Kilo gewogen. Doch Lucas vertrug die Nahrung nicht. Statt mit ihrem Kind zum Arzt zu gehen, diagnostizierten die Eltern kurzerhand selbst eine Gluten- und Laktoseintoleranz. Fortan gaben sie Lucas nur noch Milchersatzprodukte, sogenanntes Superfood, das sie auch in ihrem eigenen Naturkostladen verkaufen. 

Das hatte zur Folge, dass Lucas immer weiter abmagerte und immer häufiger nach Atem rang. Als sich das Kind in einer Nacht heftig übergeben muss, machen sich die Eltern schließlich doch Sorgen. Daraufhin fuhren sie zu einem eine Stunde entfernten Homöopathen. Dieser erkannte sofort den lebensbedrohlichen Zustand des Kindes und schickte die Familie in ein Krankenhaus. Doch bei der Ankunft war der Junge bereits tot.

Mutter gibt unter Tränen Fehler zu

Die Staatsanwaltschaft fordert nun für die Eltern eine Gefängnisstrafe von 18 Monaten. Die Vorstellung, die die Eltern von Medizin haben, habe das Kind getötet, argumentieren die Juristen. In einem Gutachten heißt es, dass der Junge "pathologisch unterernährt" gewesen sei.

Die Verteidigung hält indes dagegen: Lucas' drei Schwestern ginge es bei den Eltern gut. Vor Gericht sagte Lucas' Vater aus, dass sie immer versucht hätten, gut für ihren Sohn zu sorgen. Die Mutter gab allerdings unter Tränen vor Gericht zu, aus heutiger Sicht wäre sie doch früher zu einem Arzt gegangen. Aber Lucas habe immer mal wieder zu- und abgenommen. Das Urteil in dem Prozess wird für den 14. Juni erwartet.

Quelle: n-tv.de

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