Panorama

Auf AntragBahn entschädigt Hitze-Opfer

13.07.2010, 16:59 Uhr
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Bahn-Kritiker führen die Vorfälle auf den harten Sparkurs des Unternehmens zurück. (Foto: dpa)

Mit Gutscheinen will die Bahn Fahrgäste bedenken, die kürzlich wegen defekter ICE-Klimaanlagen Kreislaufprobleme bekommen hatten. Im Rahmen der Ermittlungen zu den Vorfällen sucht die Polizei unterdessen eine bestimmte Zeugin.

Die Bahn will die durch den Komplettausfall von ICE-Klimaanlagen betroffenen Fahrgäste mit Reisegutscheinen entschädigen. Wer gesundheitliche Beeinträchtigungen erlitten habe und ärztlich versorgt werden musste, solle einen Gutschein in Höhe von 150 Prozent des ursprünglichen Fahrpreises erhalten, teilte die Deutsche Bahn AG mit.

"Wir wollen uns nicht nur ausdrücklich bei unseren Kunden entschuldigen, sondern Wiedergutmachung leisten und das Vertrauen in die DB zurückgewinnen", erklärte Bahn-Vorstand Ulrich Homburg. Demnach wird auch all jenen Passagieren eine Entschädigung angeboten, die "massive Komforteinschränkungen" durch ausgefallene Klimaanlagen im ganzen Zug hinnehmen mussten. Sie erhalten 50 Prozent des ursprünglichen Fahrpreises. Einen entsprechenden Erstattungsantrag können die betroffenen Fahrgäste unter Vorlage ihrer Originalfahrkarte stellen.

Am Wochenende war in drei ICE die Klimaanlage komplett ausgefallen, weshalb zwei der Züge in Hannover und einer in Bielefeld geräumt werden mussten. Zahlreiche Schüler von zwei Schulen in Nordrhein-Westfalen kamen dehydriert ins Krankenhaus. Auch in weiteren Zügen fielen in einzelnen Waggons die Klimaanlagen aus.

Als Konsequenz fordern SPD und Grüne ein neues Entschädigungssystem. "Wir brauchen für Bahn- und Flugverkehr ein einheitliches, leicht verständliches und vor allem durchsetzbares Entschädigungssystem, das auch Bargeld vorsieht", sagte der SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber dem "Handelsblatt". Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Winfried Hermann (Grüne), forderte, das gesamte Entschädigungssystem auf den Prüfstand zu stellen. Es sei nicht länger zu tolerieren, dass bei den meisten Qualitätsmängeln der Bahn nur Kulanzregelungen greifen, sagte er. Entschädigungen müssten künftig über den Fall verspäteter Züge hinausgehen. Fahrgäste sollten dann wählen dürfen zwischen Gutscheinen oder Bargeld.

Zeugin gesucht

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Zwei ICE mussten wegen der Hitze komplett geräumt werden. Einige Reisende benötigten ärztliche Hilfe. (Foto: dpa)

Nach dem Hitzechaos durch den Ausfall der Klimaanlagen in zahlreichen ICEs ermittelt die Staatsanwaltschaft Bielefeld wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und der unterlassenen Hilfeleistung gegen Unbekannt. Das Eisenbahnbundesamt hat zudem Untersuchungen eingeleitet, wie es zum Ausfall der Klimaanlage in mehreren Zügen kommen konnte.

Die Bundespolizei sucht im Zusammenhang mit dem Vorfall in Bielefeld nach einer ganz bestimmten Zeugin. Eine Mutter hatte in Panik versucht, ein Fenster mit dem Nothammer einzuschlagen, weil ihr kleiner Sohn nach Atem rang. "Die in diesem Fall ermittelnde Bundespolizeiinspektion Münster sucht diese Frau als Zeugin, um den Ablauf in den überhitzten Zugwagen rekonstruieren zu können", teilten die Ermittler mit.

Quelle: AFP/dpa