Panorama

"Wir kriegen sie alle"Banken-Hilfe gegen Pädophile

09.01.2007, 11:07 Uhr

Der neue spektakuläre Schlag deutscher Fahnder gegen die Kinderporno-Szene im Internet ist mit Hilfe einer bislang einmaligen Zusammenarbeit der Ermittler mit 14 Banken gelungen.

Im Kampf gegen Kinderpornographie im Internet sind in Deutschland alle rund 22 Millionen Kreditkarten überprüft worden. Auf Ersuchen der Ermittler hätten erstmals alle 14 deutschen Kreditkartenservicefirmen ihre Datenbestände auf eine verdächtige Zahlung im Sommer 2006 durchsucht, sagte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD) am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Magdeburg. In der Folge seien bundesweit 322 Beschuldigte ermittelt worden.

Den pädophilen Männern wird vorgeworfen, sich durch eine Zahlung von 79,99 US-Dollar auf ein Konto im Ausland für 20 Tage Zugang zu einer illegalen Internetseite mit kinderpornografischem Material verschafft zu haben. Die Beschuldigten in Deutschland seien überwiegend geständig, sagte Hövelmann. Sie stammten aus allen Bundesländern, seien überwiegend allein stehend und gut situiert. Bei Durchsuchungen im Rahmen der Operation "Mikado" stellten Beamte bundesweit umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter Rechner sowie mehrere tausend Datenträger mit Kinderpornos sowie ausgedruckte Fotos. Für die Fotos bezahlt hätten die Pädophilen bei dem Internetportal mit Kreditkarten der Firmen Mastercard und Visa.

Justizministerin Angela Kolb (SPD) sagte, erstmals sei es gelungen, mit Hilfe der Kreditwirtschaft einem großen Kreis von Verdächtigen auf die Spur zu kommen. Dabei habe es sich nicht um eine Rasterfahndung gehandelt. Die Polizei habe bereits nach Tätern suchen lassen, die durch die Überweisung Spuren hinterlassen hätten. Hövelmann sagte, er sei überzeugt, dass der Ermittlungserfolg eine abschreckende Wirkung haben werde. "Die potenziellen Täter sollen wissen - wir kriegen sie alle." Für die Verteilung, den Erwerb und den Besitz von kinderpornografischen Inhalten sieht das Strafgesetzbuch Haftstrafen zwischen drei Monaten und fünf Jahren vor.

Den Hinweis auf die Machenschaften der Verdächtigen erhielten die Fahnder vom Fernsehsender Sat.1: Mitarbeiter der Magazinsendung "Akte" stießen bei Recherchen auf das Portal und schalteten daraufhin die Ermittlungsbehörden ein.

Nach Angaben des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt ist der Anbieter der illegalen Internet-Seite bislang nicht ermittelt worden. Die Spur verliere sich auf den Philippinen. Die deutschen Fahnder arbeiteten eng mit Ermittlern im Ausland zusammen. Laut Kolb sollen die Ermittlungen mit internationaler Hilfe auch im Ausland fortgesetzt werden.

Ein spektakulärer Erfolg im Kampf gegen die Kinderpornografie war den Fahndern in Sachsen-Anhalt bereits im Jahr 2003 gelungen. Bei einer Razzia, der Aktion "Marcy", ging ihnen nahe Magdeburg der Drahtzieher eines internationalen Pornoringes ins Netz. Die bei ihm entdeckten Daten führten die Ermittler auf die Spur von 26.500 Tatverdächtigen in 166 Ländern und zur Zerschlagung eines der größten internationalen Zusammenschlüsse von Kinderpornografie. Der Mann war 2005 vom Landgericht Magdeburg zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt und in eine Psychiatrie eingewiesen worden.