Ein Satz an die KinderBögerl erhängte sich

Der am Montag tot aufgefundene Witwer der im Mai 2010 ermordeten Maria Bögerl hat sich selbst das Leben genommen. Offenbar wurde Thomas Bögerl mit dem Tod seiner Frau nicht fertig. Möglicherweise hielt er auch die bösen Gerüchte nicht mehr aus.
Das Obduktionsergebnis im Fall Thomas Bögerl hat die Vermutungen bestätigt: Der Witwer der entführten und ermordeten Maria Bögerl hat sich selbst erhängt. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Heidenheim berichteten, konnten die Ulmer Rechtsmediziner andere Täter ausschließen. Es deute auch nichts darauf hin, dass Thomas Bögerl betrunken war. Die Hintergründe der Tat seien weiter unklar.
Der Todeszeitpunkt lag laut Obduktionsergebnis in den Morgenstunden des Montags. .
Bögerl hinterließ einen Abschiedsbrief, der an seine beiden Kinder gerichtet war. Offenbar enthält das Schreiben nur einen Satz. "Es ist eher eine Abschiedsnotiz,
die sich aber weder an die Polizei noch an die Öffentlichkeit richtete", sagte
ein Polizeisprecher. Motive für seinen Selbstmord habe er darin aber nicht genannt. Laut Polizei stand Bögerl nach dem Tod seiner Ehefrau unter erheblichem psychischem Stress und musste sich deshalb mehrfach in Kur begeben. Bögerl hinterlässt zwei Kinder.
Viel üble Nachrede
In Heidenheim hatte es in den vergangenen Monaten immer wieder Gerüchte über das Privatleben des Sparkassendirektors gegeben. So hieß es, er habe Zwillinge von einer Geliebten bekommen, was Bögerl selbst zurückgewiesen hatte. Auch die Polizei betonte, sie wisse nichts von solchen Verwicklungen. Ein weiteres Gerücht: Die Ehe der Bögerls sei zerrüttet gewesen, beide Partner hätten Verhältnisse gehabt. Die Polizei hatte stets erklärt, es gebe keine Hinweise auf eine Verwicklung des Ehemanns in den Entführungsfall. Dies betonte die Polizei nun erneut.
Jede mögliche Ermittlungsrichtung sei seit damals in die Hand genommen worden, erklärte Bernhard Kohn von der Polizeidirektion Aalen im ZDF. Auch die Familie sei Gegenstand der Ermittlungen gewesen. Nie habe sich im Verlauf der Ermittlungen ein Tatverdacht gegen Thomas Bögerl ergeben. Zum derzeitigen Stand gäbe es keine Erkenntnisse, die diese Ermittlungsarbeit der Sonderkommission in irgendeiner Weise ergänzt, in Frage stellt oder neue Ansätze bietet, so Kohn weiter.
Depression und Krankheit
Der Sparkassenchef war dem Vernehmen nach zuletzt oft krankgeschrieben. Er galt als depressiv. Bald wäre er aus seinem Amt ausgeschieden, teilte sein Arbeitgeber mit. In einer Erklärung hieß es: "Herr Bögerl hat sich stets mit vollem Einsatz um die Kreissparkasse Heidenheim und unsere Region verdient gemacht. (...) Er hatte aber in den vergangenen Monaten, wie er selbst mitteilte, nicht die Kraft, sein Amt auszuüben. Auf sein Ersuchen hin haben wir uns mit ihm über eine einvernehmliche Lösung verständigt, in der er in Kürze aus dem Amt geschieden wäre."
. Von ihrem Mann forderten die Entführer unmittelbar danach 300.000 Euro. Doch eine Lösegeldübergabe scheiterte, weil die Beschaffung der Summe wegen der knappen Zeitvorgabe des Täters Probleme bereitete und der Bankier deshalb zu spät zum Übergabeort gekommen war. Die Umstände der Lösegeldübergabe waren kritisiert worden.
Eine Woche später wandte sich die Familie mit einem verzweifelten Appell in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" an die Täter. Am 3. Juni fand ein Spaziergänger die Leiche der Frau. Danach bekam die Sonderkommission "Flagge" mehr als 8000 Hinweise aus der Bevölkerung und wertet sie - bisher vergeblich - aus.
Zuletzt hatte es eine mögliche Spur zu einem festgenommenen Rockerbandenchef in Österreich gegeben - diese führte jedoch zunächst nicht weiter. Der Inhaftierte soll in Österreich versucht haben, die Ehefrau eines Bankiers zu entführen.