Panorama
Der Hauptprotagonist des Werbefilms: Zlatko.
Der Hauptprotagonist des Werbefilms: Zlatko.

Alles nur ein Fake: Das Märchen von der verirrten Pistenraupe

Die Geschichte rund um eine Schneeraupe, die im falschen Seefeld landet, ist fast zu schön um wahr zu sein. Ist sie auch nicht. Sie entpuppt sich als "Werbegag" - der irgendwann aus dem Ruder gelaufen ist.

Eine Schneeraupe, die nach Seefeld in die Tiroler Alpen geliefert werden  sollte, landete "versehentlich" im hohen Norden Deutschlands - im gleichnamigen Ortsteil von Bad Oldesloe. Unzählige Medien hatten über den vermeintlichen Irrtum berichtet, auch n-tv.de. Am Sonntagabend zog die Deutsche Presseagentur jedoch alle Texte zu dem Fall zurück. Der Grund: Die Geschichte, die fast zu schön ist um wahr zu sein, entpuppte sich als PR-Coup. 

"Wir wollten eigentlich nur einen netten Film für Facebook produzieren, der die Leute zum Schmunzeln bringt", räumte der Chef des Tourismusverbandes im österreichischen Seefeld Elias Walser gegenüber n-tv.de ein. Doch weder er noch die von ihm beauftragte Agentur SR1 ahnten, dass sich die Sache so entwickeln würde.

Auf der Facebookseite der Olympiaregion Seefeld war am Sonntagabend zu lesen: "Was als Social Media Geschichte zum Schmunzeln geplant war, entwickelte sich zu einem unglaublichen Medienhit. Ein herzliches Dankeschön an alle Mitwirkenden die bis zum heutigen Tag der Geheimnislüftung durchgehalten und Stillschweigen bewahrt haben. Am Ende der Geschicht, bleibt ein Lächeln im Gesicht."

Agentur jubelt "Bild"-Zeitung Foto unter

In einem Youtube-Video dokumentiert der Tourismusverband seinen Fake. Bei dem Fahrer des Raupen-Transporters, der sich selbst als Zlatko vorstellt und angeblich den großen Umweg gefahren war, handelt es sich in Wirklichkeit um den Innsbrucker Kabarettisten Alexander Kröll. "Ursprünglich war geplant, dass ich am Freitag bei der Ankunft der Pistenraupe in Seefeld aus dem Lkw aussteige und sage 'Hallo, ich bin's, der Zlatko' und dann das Ganze auflöse", sagte Kröll der "Tiroler Tageszeitung". Doch daraus wurde nichts, wohl auch weil die Geschichte dem Tourismusverband und der beauftragten Agentur etwas über den Kopf wuchs.

Zuerst hatten österreichische Onlinemedien über die verirrte Schneeraupenfahrt aufs platte Land berichtet, samt Foto des Pistenbullys im schleswig-holsteinischen Seefeld. Nach Angaben der "Tiroler Tageszeitung" verkaufte der TVB der "Bild"-Zeitung sogar "exklusiv" ein Foto des vermeintlichen Lkw-Fahrers Zlatko. Im falschen Seefeld angekommen, habe sich dann einer der Produzenten als Leserreporter ausgegeben und dem Boulevardblatt das Foto von "Zlatko" gemailt. Dafür sei der falsche Reporter sogar von der "Bild"-Zeitung für die Fotorechte bezahlt worden. Zeitgleich postete Walser Fotos des "verlorengegangenen" Pistenbullys im Internet.

Die Geschichte verbreitete sich wie ein Lauffeuer, schaffte es sogar bis in die Abendnachrichten im ZDF. Die Aktion sei immer größer geworden und irgendwann aus dem Ruder gelaufen, so Walser. Er selbst bereue die Aktion ein wenig. "Wir werden aus dieser Sache lernen. Das machen wir nicht noch einmal", so Walser gegenüber n-tv.de.

Verschiedenen Medien zufolge soll Walser auf mehrmaliges Nachfragen, ob sich die Irrfahrt tatsächlich so zugetragen habe oder nur eine PR-Inszenierung sei, gelogen haben. Diesen Vorwurf weist Walser jedoch zurück. Er habe Nachfragen seitens verschiedener Redaktionen weder bestätigt noch dementiert. Das sieht die Deutsche Presseagentur allerdings anders. Ihren Angaben zufolge hatte Walser der Agentur am vergangenen Donnerstag alles detailliert bestätigt und heute zugegegen: Stimmt nicht.

Quelle: n-tv.de

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