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Winter in Oslo. Ähnlich wird es bald auch bei uns aussehen.
Winter in Oslo. Ähnlich wird es bald auch bei uns aussehen.(Foto: dpa)

Es wird immer kälter: Der Winter kommt ins ganze Land

Ein Sturmtief über den Britischen Inseln lenkt Polarluft von Grönland weit nach Süden. Bereits am Mittwoch fällt im Norden und Osten immer häufiger Schneeregen oder Schnee.

n-tv.de: Björn, was erwartet uns in dieser Woche beim Wetter?

Björn Alexander: Der erste landesweite Kaltlufteinbruch dieses Winters steht uns bevor. Und der bringt uns am Wochenende verbreitet Dauerfrost. Höchstens in den tieferen Lagen am Rhein und seinen Nebenflüssen sowie direkt an der Nordsee gibt es am Samstag und Sonntag tagsüber vielleicht noch leichte Plusgrade. Zudem werden die Nächte überall frostig kalt und die Flocken fallen immer öfter bis herunter ins Flachland. Und auch auf den Bergen gilt dann verbreitet: Ski und Rodel gut bis sehr gut.

Hier in Berlin war es aber in der letzten Woche schon richtig eisig.

n-tv Meteorologe Björn Alexander
n-tv Meteorologe Björn Alexander

Das gilt für die ganze Nordosthälfte. Dort hat der Winter richtig aufgedreht. In der Südwesthälfte gab's in Sachen Winter bislang aber nichts. Das zeigt uns übrigens auch ein Blick in die Statistik: Gemessen am Gesamtmonat waren die ersten zehn Tage im Norden und Osten etwa 1 bis über 4 Grad zu kalt. Im Westen und Süden zeigt die Abweichung hingegen deutlich nach oben. Hier war es bisher oft 2 bis knapp 5 Grad wärmer als der Durchschnitt. Im Detail heißt das: In Greifswald in Vorpommern beträgt die mittlere Temperatur unter minus 4 Grad. Am Oberrhein ist das Temperaturmittel plus 6 Grad.

Wie kommt denn jetzt die Kälte auch in den Süden und Westen?

Ein großräumiges Sturmtief über den Britischen Inseln bestimmt das Wetter in weiten Teilen Europas. Es lenkt in den kommenden Tagen Polarluft von Grönland weit nach Süden, vorerst allerdings noch über den Umweg Biskaya – die Wassertemperaturen liegen dort derzeit bei 12 bis 14 Grad. Also wird auch die Luft noch stark erwärmt und labialisiert. Das heißt: Die Schauer- und Gewitterneigung steigt dadurch an. Ab der Wochenmitte verlagert sich der tiefe Druck nach Mittel- und Nordeuropa und die Polarluft kommt über einen kürzeren Wasserweg über die Nordsee zu uns. Zum Wochenende zieht das Tiefdrucksystem weiter nach Skandinavien und versorgt uns von dort aus mit richtiger Winterluft. Es wird also von Tag zu Tag kälter.

Was heißt das im Detail?

Bereits am Mittwoch fällt im Norden und Osten immer häufiger Schneeregen oder Schnee. Und auch im übrigen Land sinkt die Schneefallgrenze schon mal bis auf 300 bis 700 Meter. Auf den Mittelgebirgen wird es somit zunehmend winterlich. Dazu steigen die Temperaturen meist nur noch auf 1 bis 7 Grad, auf den Bergen bleibt es immer häufiger beim Dauerfrost.

Was bringt der Donnerstag?

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Wechselhaftes Wetter und die Schneeschauer fallen auch im Südwesten und Westen bis herunter ins Flachland. Schwierig wird es für die Flocken wahrscheinlich nur vom Emsland bis an den Niederrhein und bis herunter nach Köln. Das hängt maßgeblich von der Zugbahn der Schauerstraßen ab. Und die lässt sich heute leider noch nicht vorhersagen. Fakt ist aber: es wird kälter bei Tageshöchstwerten, die meistens minus 2 bis plus 5 Grad erreichen.

Wie geht es am Freitag weiter?

Es geht auf jeden Fall weiter runter bei minus 4 bis plus 4 Grad und unbeständigem Wetter mit Schnee- und Graupelschauern. Und die können dann auch im Nordwesten und Westen stärker ausfallen, so dass sich auch dort öfter eine geschlossene Schneedecke bilden könnte. Wie aber schon am Donnerstag gilt: Genau vorhersagen lässt sich das heute noch nicht.

Was sieht es am Wochenende aus?

Für Winterfreunde grandios. Die Tageshöchstwerte verweilen verbreitet im Frostbereich zwischen minus 6 und 0 Grad. Direkt an der Nordsee und am Rhein stellenweise 0 bis 2 Grad. Dabei ändert sich am wechselhaften Witterungscharakter nichts: Zwischen freundlichen Phasen vor allem in der Mitte und im Süden wiederholt Schneeschauer. Und auch von der Nordsee her könnten stärkere Schneeladungen ins Landesinnere ziehen.

Wie kalt wird es nachts?

In den bis dahin noch schneefreien Gebieten werden es in der Größenordnung zwischen minus 3 und minus 10 Grad. Über den geschlossenen Schneedecken sind es durchaus mal zwischen minus 10 und minus 20 Grad. Also: außenliegende Wasserleitung gegebenenfalls abdrehen, empfindliche Pflanzen reinholen oder abdecken und beim Scheiben- und Kühlerfrostschutz eventuell noch nachbessern. Und auch das Thema Glätte dürfen wir natürlich nicht außer Acht lassen. Für viele von uns ist es der erste Wintereinbruch in diesem Winter.

Wo und wann drohen denn größere Probleme?

Für mich schwer zu sagen, ich bin ja kein Verkehrsexperte. Fakt ist aber: es kann von Freitag an - je nachdem wie die Schauer ziehen - überall eine geschlossene Schneedecke entstehen. Viel Arbeit also für die Winterdienste und hoffentlich keine allzu chaotischen Verhältnisse auf den Straßen.

Gilt das auch über das Wochenende hinaus?

Erst einmal ja. Denn es geht zunächst winterlich weiter. Ab der Mitte der kommenden Woche deuten die Modelle wieder mildere Temperaturen an. Jedoch ist das noch sehr, sehr unsicher. Jetzt lassen wir den Winter doch erst einmal kommen und danach schauen wir weiter.

Quelle: n-tv.de

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