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Was trieb den Amoktäter an?: Der nette Junge aus München

Immer nett, nie sauer, hilfsbereit: Es scheint ein anderer Mensch zu sein, über den Nachbarn berichten. Doch der 18-Jährige hat bei einem Amoklauf neun Menschen erschossen. Es gab wohl noch eine andere Seite in seinem Leben.

Er hat neun Menschen getötet. Am Ende richtete er die Waffe gegen sich selbst. Inzwischen ist er identifiziert: Der Amokläufer von München ist ein 18-jähriger Deutsch-Iraner aus der bayerischen Landeshauptstadt. Medienberichten zufolge soll er David S. heißen. Den Namen bestätigte die Polizei auf einer Pressekonferenz jedoch nicht. Niemand kann ihn mehr fragen, was ihn zu der Tat angetrieben hat. Doch erste Spuren hat die Polizei in seinem Kinderzimmer gefunden.

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Demnach hat sich der 18-jährige intensiv mit anderen Amokläufen beschäftigt. Die Polizei fand Zeitungsartikel und ein Buch zum Thema, berichteten die Ermittler. Auf dem Computer des Schülers wurden große Datenmengen sichergestellt, die nun aber erst eingehend untersucht werden. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, soll er sich viel mit Computer-"Ballerspielen" beschäftigt haben. Aus Sicherheitskreisen heißt es, der Deutsch-Iraner habe Probleme in der Schule gehabt.

Nach Angaben der Polizei wurde er in München geboren, Medienberichten zufolge sind die Eltern in den 90er Jahren in die Bundesrepublik gekommen. Laut einer Nachbarin ist der Vater des 18-Jährigen ein aus dem Iran stammender Taxifahrer. Die Mutter habe früher bei einer großen Warenhauskette gearbeitet. In den 90er Jahren soll die Familie nach Deutschland gekommen sein. Der mutmaßliche Täter habe einen jüngeren Bruder.

Vermutlich psychisch krank

Ein im Internet veröffentlichtes Video zeigt offenbar den mutmaßlichen Täter in einem Wortwechsel mit Anwohnern während der Tat. Darin sagt der 18-Jährige: "Ich bin Deutscher", während er von den Anwohnern unter anderem als "Kanake" beschimpft wird. Er sei in Deutschland geboren und komme aus einer "Hartz-IV-Gegend", fügt er hinzu und sagt, er sei "in Behandlung" gewesen. Die Polizei betonte, er soll wegen einer Erkrankung aus dem depressiven Symptombereich behandelt worden sein. Die sei aber noch nicht bestätigt.

Am Morgen hatten Einsatzkräfte der Polizei die Wohnung der Eltern im Stadtteil Maxvorstadt gestürmt. Das mehrstöckige Wohnhaus wurde weiträumig abgesperrt, Ermittler trugen Kartons aus dem Haus. Eine Nachbarin des 18-Jährigen beschrieb ihn als "guten Menschen". Der Agentur AFP sagte sie: "Er war eine gute Person, ein guter Mensch". Sie "habe ihn nicht einmal sauer gesehen, niemals habe ich Probleme mit der Polizei oder Nachbarn gehört". Die 40-Jährige aus Mazedonien fügte hinzu: "Er hat gelacht wie ein normaler Mensch." Andere Nachbarn beschreiben ihn ebenfalls als freundlich und hilfsbereit. "Der Junge war sehr sehr nett. Ich kann nichts Schlimmes sagen", berichtete eine Nachbarin. So habe er die Zeitungen im Haus verteilt. Von der Polizei hieß es dazu, auch für die Angehörigen sei die Tat ein "schwerer Schicksalsschlag", sie seien nicht mehr vernehmungsfähig gewesen.

Nach gegenwärtigen Erkenntnissen begann der junge Mann seinen Amoklauf in einem Schnellrestaurant. Dann ging er in den nahegelegene Einkaufszentrum. Dort stellte ihn eine Zivilstreife und schoss auch auf ihn. Die Obduktion ergab jedoch, dass die Beamten den 18-Jährigen verfehlten. Demnach starb der Jugendliche an einem aufgesetzten Kopfschuss, den er sich selbst beigebracht hatte. Das Schussbild passe zu der Tatsache, dass er Linkshänder war. Seine Leiche fanden die Einsatzkräfte später etwa einen Kilometer vom Einkaufszentrum entfernt in einer Nebenstraße. Dort wurde auch eine Pistole sichergestellt. Es handelte sich der Polizei zufolge um eine 9mm-Glock, die der Täter offenbar illegal besaß. Die Seriennummer der Waffe war ausgefeilt, auch eine waffenrechtliche Erlaubnis hatte er nicht. In der Waffe habe sich noch Munition befunden, außerdem habe er noch eine größere Menge Munition im Rucksack gehabt.

Die Ermittler sind inzwischen sicher, dass er die Tat als Einzeltäter beging. Die Tat habe überhaupt keinen Bezug zum Thema Flüchtlinge, ein islamistischer Hintergrund sei nirgends erkennbar.

Quelle: n-tv.de

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