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Die Schweiz ist das erste Land der Welt, das demnächst über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens abstimmen wird.
Die Schweiz ist das erste Land der Welt, das demnächst über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens abstimmen wird.(Foto: Generation Grundeinkommen)
Donnerstag, 19. Mai 2016

Weltrekord fürs Grundeinkommen: Die größte Frage der Welt kommt nach Berlin

Von Diana Sierpinski

Mit spektakulären Aktionen verleiht die Schweizer Initiative den Fragen des Grundeinkommens immer wieder Gewicht und befördert die Debatte darüber weltweit. Der nächste Coup der frischgebackenen Weltmeister steht vor der Tür.

Keine drei Wochen mehr, dann stimmen die Schweizer über ein bedingungsloses Grundeinkommen ab. Darüber, ob jedem Schweizer Bürger, vom armen Schlucker bis zum Millionär, monatlich eine Summe ausgezahlt werden soll, einfach dafür, dass er am Leben ist – ohne Kontrolle, ohne Gegenleistung.

Der Weltrekord wurde sogar in New York gezeigt.
Der Weltrekord wurde sogar in New York gezeigt.(Foto: Generation Grundeinkommen)

Der Schweizer Initiative, die die Volksabstimmung auf den Weg gebracht hat, gelang es in der Vergangenheit immer wieder, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen. So kippten die Initiatoren im Oktober 2013, als die über 100.000 Unterschriften für die Volksabstimmung in Bern eingereicht wurden, acht Millionen echte Fünf-Rappen-Stücke auf den Bundesplatz. Zuletzt sorgten sie mit einem nach eigener Einschätzung "größenwahnsinnigen Weltrekordversuch" für Aufsehen: "Wenn die größte Frage der Welt kein eingetragener Weltrekord sein kann, dann werden wir sie auf das größte Plakat der Welt bringen", hatten die Initiatoren ihre Idee zuvor beworben. Die "größte Frage der Welt" lautet: "WHAT WOULD YOU DO IF YOUR INCOME WERE TAKEN CARE OF? (Was würdest du arbeiten, wenn für dein Einkommen gesorgt wäre?)"

Am vergangenen Pfingstwochenende war es dann so weit: In Genf wurde mit 8.115,53 Quadratmeter das größte Plakat der Welt präsentiert und der Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft – die Aktion wurde sogar auf dem New Yorker Times Square übertragen. Der Weltrekord sei zwar schön, aber doch nur ein Nebenprodukt dieser größten Frage, sagt Philip Kovce, einer der Vordenker der Schweizer Initiative, n-tv.de: "Es war ein gelungenes Fest, das der Frage weltweit noch mehr Aufmerksamkeit verschafft hat." Einer Frage, die jeden Einzelnen dazu auffordert, sich mit dem Sinn seiner Arbeit auseinanderzusetzen.

Kovce und seine Mitstreiter wollen nicht die Arbeit abschaffen, sondern die Arbeit vom Zwang befreien. "Die größte Frage der Welt ruft jeden dazu auf, bereits heute das zu tun, was er tun würde, wenn sein Einkommen gesichert wäre. Wer das tut, dient sich selbst und den anderen am besten", sagt Kovce, Co-Autor des Buches "Was fehlt, wenn alles da ist? Warum das bedingungslose Grundeinkommen die richtigen Fragen stellt".

Grundeinkommen goes Guinness – goes Berlin

Nach ihrem Weltrekord steht bereits der nächste Coup der Grundeinkommensaktivisten vor der Tür. In Kürze soll das Weltmeisterplakat die Schweiz verlassen und in der deutschen Hauptstadt zu bewundern sein. Am 29. Mai findet in Berlin ein Fest statt, zu dem ein Bündnis verschiedener Initiativen eingeladen hat, die sich für Grundeinkommen und direkte Demokratie in Deutschland einsetzen. Kovce zufolge soll die "größte Frage der Welt" an diesem Tag auf der Straße des 17. Juni – zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor – alles überragen. Danach soll das Plakat, für das über 1300 Unterstützer per Crowdfunding rund 200.000 Euro einsammelten, nicht entsorgt, sondern zu "Fragetaschen" und "Weltrekord"-Rucksäcken weiterverarbeitet werden.

Auf das Abstimmungswochenende am 5. Juni blicken die Grundeinkommensaktivisten gelassen, denn da werden sie Kovce zufolge natürlich gewinnen – wenn auch nicht die Mehrheit. "Das Ziel war es, eine Kampagne zu gestalten, die den Fragen des Grundeinkommens Gewicht verleiht – in der Schweiz und darüber hinaus. Das ist uns gelungen und hat die Debatte weltweit befördert", zeigt sich Kovce zufrieden.

Außerdem gibt er zu bedenken: "Andere wichtige demokratische Errungenschaften, welche die Schweiz etabliert hat, haben auch mehrere Volksabstimmungen benötigt – und naturgemäß hat es die erste Volksabstimmung immer am schwierigsten. Ihre Ausstrahlung ist allerdings am größten. Deshalb freuen wir uns auf die kommenden Grundeinkommensdebatten – über die erste Schweizer Volksabstimmung hinaus."

Quelle: n-tv.de

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