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Der Bahnhofsvorplatz in Köln in der Silvesternacht.
Der Bahnhofsvorplatz in Köln in der Silvesternacht.(Foto: youtube)

"Hände an Brüsten und Po": Die ungeheuerliche Nacht von Köln

Von Gudula Hörr

Hunderte alkoholisierte Männer, die Frauen umzingeln, sexuell bedrängen und ausrauben: Erst nach und nach kommt heraus, was sich in der Silvesternacht in Köln zutrug. Augenzeugen berichten von "immer wieder eskalierender Gewalt".

Die Berichte der Augenzeugen und der Polizei klingen unfassbar: In der Silvesternacht versammelten sich vor dem Kölner Hauptbahnhof rund 1000 Männer aus dem arabischen und nordafrikanischen Raum. Einige von ihnen machten Jagd auf Frauen. Dabei bildeten sich Gruppen von mehreren Männern, die die Frauen gezielt einkesselten, bedrängten und ausraubten.

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Eine Augenzeugin sagte dem Kölner "Express": "Das waren Tausende Männer. Sie böllerten einfach in die Menge, und als meine Freundin und ich uns in Sicherheit bringen wollten, versperrten sie uns den Weg. Wir hatten solche Angst! Und sind dann vom Bahnhofsvorplatz geflüchtet." Andere Frauen berichten von massiven sexuellen Belästigungen. Eine 28-Jährige erzählt: "Auf den 200 Metern wurde ich rund 100 Mal angefasst."

Eine 40-Jährige erzählt im WDR von einer "aggressiven Stimmung" im Hauptbahnhof. Plötzlich wurde ich von hinten - ohne das mein Freund es sah - von mehreren Männern angegrabscht. Ich kann sagen, dass es mehrere waren, da zeitgleich Hände an meinen Brüsten und an meinem Po waren."

Sie habe verstörte weinende Frauen gesehen und "immer wieder eskalierende Gewalt". Ihr Freund habe sich dann vor sie gestellt, um sie vor den alkoholisierten Männern zu schützen. So hätten sie zwei Stunden auf die Bahn gewartet.

"Massiv sexuell belästigt"

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"Was die Frauen dort erlebt haben, waren Vergewaltigungen", sagt ein Kommissar, der in der Nacht Dienst hatte, dem "Express". Kurz nach Mitternacht seien die ersten Frauen auf die Polizei zugekommen. "Weinend und geschockt schilderten sie, wie sie massiv sexuell belästigt worden seien." Eine 20-Jährige aus Stuttgart habe geschrien und geweint. "Man hatte ihr den Slip vom Körper gerissen." Polizeipräsident Wolfgang Albers spricht von Sexualdelikten in sehr massiver Form und einer Vergewaltigung.

Die Polizei geht von Hunderten Tatverdächtigen aus, die "dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum" kamen. "Die jungen Männer haben kein Wort Deutsch verstanden, als wir sie aufforderten, den Platz zu verlassen", sagte auch der Kommissar. Die meisten sprachen französisch oder arabisch. Auf Anfrage des "Kölner Stadtanzeigers" wies ein Polizeisprecher Gerüchte zurück, dass es sich bei den Männern um Flüchtlinge handelt. "Die bisherigen Hinweise gehen deutlich in Richtung polizeibekannte Intensivtäter, mit Flüchtlingen haben die nichts zu tun."

Die Zahl der Anzeigen stieg inzwischen auf 90 (bis Dienstagmittag). Bis Montag waren 60 Anzeigen bei der Polizei eingegangen, ein Viertel von ihnen wegen sexueller Übergriffe. Die Ermittler gehen allerdings von weit mehr Opfern aus. Die Polizei bittet alle Zeugen und Opfer, sich bei ihr unter der Rufnummer 0221/229-0 oder per E-Mail an poststelle.koeln@polizei.nrw.de zu melden.

Die Gewerkschaft der Polizei spricht von einer "völlig neuen Dimension der Gewalt". Der stellvertretende Bundesvorsitzende Arnold Plickert sagte der Deutschen Presse Agentur, die stark alkoholisierten Täter seien "völlig enthemmt und gewaltvoll" vorgegangen. Bei den am Einsatz beteiligten Polizeibeamten herrsche eine "tiefe Betroffenheit". Schließlich machten die Täter auch vor Polizistinnen nicht halt: "Ein Täter hat einer Zivilpolizistin in die Hose gefasst", so Plickert.

Quelle: n-tv.de

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