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Ein zunehmendes Problem ist Crystal Meth.
Ein zunehmendes Problem ist Crystal Meth.(Foto: dpa)

Neue Rauschmittel in Europa: Drogen noch schädlicher als früher

Es ist ein Katz- und Mausspiel. Kaum verbieten die Behörden bestimmte Drogen, sind schon wieder neue auf dem Markt - oftmals im Internet vertrieben als Räucherwerk, Badesalz oder Silberputzmittel.

Neue synthetische Drogen sind in Europa auf dem Vormarsch. Vor dieser Entwicklung hat die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) bei der Vorstellung ihres Jahresberichts gewarnt. Allein 2013 seien 81 bislang unbekannte Substanzen registriert worden, heißt es in dem Papier, das eine "Fülle" von neuen synthetischen Drogen beklagt. Insgesamt zählt die Behörde 350 psychoaktiver Substanzen, die zu Vergiftungen oder zum Tod führen können.

"Das Drogenphänomen ist dynamisch und entwickelt sich ständig weiter", warnte EBDD-Chef Wolfgang Götz in Lissabon. Mit den neuen Drogen versuchen Händler und Konsumenten, bestehende Verbote zu umgehen. Oftmals werden die in europäischen Labors hergestellten oder aus China und Indien importierten Rauschmittel als pflanzliches Räucherwerk, Badesalz, Silberputzmittel oder sogar Pflanzendüngemittel vertrieben. Dabei gewinnt das Internet als Marktplatz an Bedeutung - und die Kontrolle des Drogenhandels wird immer komplexer.

Die Wirkung von bereits etablierten Drogen wie Ecstasy und Cannabis wird dem Bericht zufolge oftmals verstärkt, indem ihre Zutaten im Labor verändert werden. EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström äußerte sich "tief besorgt", dass heute konsumierte Drogen "sogar noch schädlicher für die Gesundheit sind als früher".

Der Konsum von Heroin geht dem Jahresbericht zufolge zwar zurück. Allerdings stieg gleichzeitig die Zahl derer, die von Substitutionsdrogen abhängig sind. Als Ersatzdrogen werden gemeinhin Methadon und Buprenorphin verschrieben, die sicherer sind, weil sie oral eingenommen und nicht gespritzt werden.

Heroin häufigste Todesursache

Rund 1,3 Millionen Opiatkonsumenten gelten laut der Beobachtungsstelle als "Problemnutzer". Heroin ist nach wie vor die häufigste Todesursache in dieser Gruppe - durch eine Überdosis starben 2012 etwa 6100 Menschen (2011 waren es 6500 Tote). Infolge von Kokainmissbrauch starben 2012 etwa 500 Menschen.

Mehr als 80 Millionen Menschen in Europa haben dem EBDD-Bericht zufolge in ihrem Leben bereits illegale Drogen genommen. Bei den meisten (73,6 Millionen) handelte es sich um Cannabis, 2013 konsumierten demnach rund 18 Millionen Menschen Marihuana oder Haschisch. An zweiter Stelle kommt Kokain, das schätzungsweise rund 14 Millionen Europäer bereits einmal genommen haben - im vergangenen Jahr waren es laut dem Bericht rund drei Millionen Menschen. Rund 11,4 Millionen Menschen probierten in ihrem Leben bereits Amphetamine, 2013 waren es 1,5 Millionen.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, warnte vor einer Verbreitung von Amphetaminen und Metamphetaminen, auch als Crystal Meth bekannt. Noch sei der Konsum von Crystal Meth in Europa auf wenige Regionen beschränkt, "in Deutschland ist dies die Grenzregion zu Tschechien", erklärte Mortler. Sie kündigte im Kampf gegen die Droge einen Ausbau der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit an. Zudem würden "Information und Prävention gestärkt und wirksame Hilfsangebote für betroffene Konsumenten geplant".

Quelle: n-tv.de

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