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Protest gegen die Bank of America vor der Aktionärsversammlung im Mai.
Protest gegen die Bank of America vor der Aktionärsversammlung im Mai.(Foto: REUTERS)

Wenn David bei Goliath pfändet: Ehepaar besiegt Bank of America

Weil ihnen die mächtige Bank of America über 1700 Euro schuldet, rückt ein Ehepaar aus Florida mit Anwalt, Polizei und Möbelwagen zur Zwangsvollstreckung an - und gewinnt. Jetzt werden sie im Amerika nach der Finanzkrise als Helden gefeiert.

Stühle, Tische, sogar die Zimmerpflanzen wollen sie mitnehmen. Vor der Tür steht bereits der Möbelwagen, eingerahmt von ein paar kräftigen Kerlen des Umzugsunternehmens. Erich Fahrner aus der kleinen Küstenstadt Naples im US-Bundesstaat Florida versucht noch, mit den beiden ebenfalls angerückten Sheriffs zu verhandeln. Aber das Amerika nach der Finanzkrise kennt keine Gnade für Leute wie Fahrner: Mit mehr als 2000 Dollar steht er in der Kreide, jetzt wird zwangsvollstreckt. Und das Schlimmste für Fahrner: Kaum einer der 20.000 Einwohner von Naples hat Mitleid mit ihm.

Seit der Finanzkrise steht die Bank of America wegen ihrer Geschäftspraktiken in der Kritik.
Seit der Finanzkrise steht die Bank of America wegen ihrer Geschäftspraktiken in der Kritik.(Foto: REUTERS)

Denn was die Möbelpacker da ausräumen wollen, ist die Filiale der Bank of America (BoA), die Erich Fahrner leitet. Die BoA ist das größte Finanzinsititut der Vereinigten Staaten - mit einem Jahresumsatz von rund 111 Mrd. Dollar, einer Billanzsumme von mehr als 2,2 Billionen US-Dollar und mehr als 280.000 Mitarbeitern - und gilt als einer der Hauptverantwortlichen für die globale Finanzkrise von 2009.

Der Banken-Riese hatte sich mit riskanten Immobilienkrediten beinahe in die Pleite spekuliert. Der Staat musste die BoA mit rund 30 Milliarden Euro retten, mit Geld also, dass der US-amerikanische Steuerzahler erarbeitet hatte. Nach der Krise wollte sich die BoA mit illegalen Zwangsvollstreckungen in allen 50 Bundesstaaten die Kassen wieder auffüllen – erst nach massivem Protest wurde die Aktion gestoppt.

"Ich gehe hier mit Bargeld oder Möbeln raus"

Zu den Leidtragenden gehörte damals auch das Ehepaar Nyergers aus Naples. Die BoA-Filiale in Naples wollte ihnen im Februar 2010 das Haus wegnehmen, weil sie angeblich ihre Kreditraten nicht bezahlt hatten. Zu Unrecht, wie sich herausstellte, denn Warren und Maureen Nyergers hatte das Haus bereits voll abbezahlt. Wie bei vielen andere Zwangsvollstreckungen hatte die BoA auch hier schlicht geschlampt. Die Nyergers nahmen sich einen Anwalt, Todd Allen, und gewannen vor Gericht. Die entstandenen Anwaltskosten von 2534 Dollar, umgerechnet rund 1700 Euro, bezahlte die BoA jedoch einfach nicht.

Jetzt drehte Anwalt Allen den Spieß einfach um: Er rückte mit einer richterlichen Erlaubnis zur Pfändung an. Es habe einfach keine andere Wahl gegeben, sagte Allen der Zeitung "News Press". Deswegen sah er sich gezwungen, die Rechnung persönlich zu überbringen und auf sofortige Bezahlung zu pochen - oder einfach eine Zwangsvollstreckung bei der BoA-Filiale in Naples durchzuführen.

"Ich verlasse dieses Gebäude entweder mit Bargeld oder einer ganzen Menge Möbeln", sagte er der "News Press", bevor er gemeinsam mit dem Ehepaar Nyergers in die Filiale marschierte. Auf seine vielen Schreiben habe die Bank nie reagiert. Nach etwa einer Stunden zäher Verhandlung rückte Bankmanager Fahrner schließlich den Scheck heraus – ausgestellt auf Allens Klienten Warren und Maureen Nyergers, die nun endlich ihren Anwalt Todd Allen bezahlen können.

In den USA wird der Fall als Rache des kleinen Mannes gegen die Finanzriesen gefeiert. An den ungleichen Verhältnissen ändert es freilich nichts. Schon kurz nach der Krise zahlten US-Banken einigen Top-Managern Millionen an Boni aus. Aber an einem sonnigen Nachmittag an Floridas Westküste war die Welt für kurze Zeit wieder in Ordnung.

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Quelle: n-tv.de

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