Panorama
Warnt vor Porno im Programm.
Warnt vor Porno im Programm.(Foto: dapd)

Aufklärung nein, SM-Porno ja: Eigenwillige Zensur bei Weltbild

Die Verlagsgruppe Weltbild sorgt für Kopfschütteln in der Branche. Der zweitgrößte deutsche Buchhändler nimmt das Aufklärungsbuch "Make Love" nicht in sein Programm auf. Mit dem katholischen Hintergrund des Konzerns scheint das aber wenig zu tun zu haben, denn die umstrittene sadomasochistische Trilogie "Shades of Grey" ist erhältlich.

Das Aufklärungsbuch "Make Love" von Ann-Marlene Henning und Tina Bremer-Olszewski, findet man derzeit zwar auf Bestseller-Listen, beim zweitgrößten Buchhändler Deutschlands, Weltbild, wird der Titel aber nicht zu kaufen sein. Dies teilte die Einkaufsabteilung des Konzerns dem Verlag von "Make Love", Rogner & Bernhard, mit.

"Gegen Porno - Pro Liebe"
"Gegen Porno - Pro Liebe"

Bei Rogner & Bernhard reagierte man befremdet auf die Entscheidung der katholischen Verlagsgruppe, vor allem weil die derzeit viel diskutierte Erotiktrilogie "Shades of Grey", in der es um sadomasochistischem Sex geht, bei Weltbild im Programm ist. "Aufklärung nein, Schmuddel-Porno ja, das kann einfach nicht die Einstellung der katholischen Kirche sein", erklärte Till Tolkemitt, Verleger von Rogner & Bernhard, nun in einer Pressemitteilung. "Diese Entscheidung des Weltbild-Konzerns kann nur bedeuten, dass Erwachsene ihre jugendlichen Kinder von Weltbild lieber fernhalten sollten."

Tolkemitt forderte Weltbild auf, keine Programm-Zensur zu betreiben und sowohl "Shades of Grey" als auch das viel wichtigere "Make Love" zu verkaufen. "'Make Love' könne man quasi als Gegen-Porno und Pro-Liebesbuch bezeichnen", ist sich der Verleger sicher.

Warnung in der Fußnote

Die Verlagsgruppe Weltbild ist mit mehr als 1,5 Mrd. Euro Jahresumsatz nach Amazon und noch vor Thalia der zweitgrößte Buchhändler Deutschlands. Gesellschafter des Unternehmens sind unter anderem zwölf katholische deutsche Diözesen. Dass der Konzern auch Erotik- und Esoterik-Titel im Angebot hat, hat mit der katholischen Kirche zuletzt Anfang des Jahres zu Zerwürfnissen geführt. "Es geht nicht, dass wir in der Woche damit Geld verdienen, wogegen wir sonntags predigen", hatte damals unter anderen Kardinal Joachim Meisner aus Köln gewettert.

Die katholische Kirche wollte den Verlag daraufhin verkaufen, verbannte dann aber nur einige Titel aus dem Programm. Ende Juni teilte der Augsburger Verlag dann mit, dass Weltbild nicht verkauft, sondern in eine gemeinnützige Stiftung umgewandelt werden sollen.

Auch bei "Shades of Grey" hat das Unternehmen für sich offenbar einen Kompromiss gefunden: Der Verlag warnt in der Produkt-Beschreibung vor dem Buch. "Die hier beschriebene Unterwerfung der Frau widerspricht dem Welt- und Menschenbild, von dem wir uns als Buchhändler leiten lassen. Wir sehen das Buch als sehr problematisch an."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen