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Jasmina ist mittlerweile vier Jahre alt.
Jasmina ist mittlerweile vier Jahre alt.(Foto: dpa)

Kind mit Down-Syndrom: Eltern verklagen Klinik – vergeblich

Nach der Geburt von Jasmina wird bei dem Mädchen Trisomie 21 festgestellt. Die Ärzte hatten die Behinderung im Mutterleib jedoch nicht entdeckt. Deswegen verklagten die Eltern die Mediziner auf Schadenersatz. Doch sie scheitern.

Mutter und Vater von der mittlerweile vierjährigen Jasmina bezeichnen ihre Tochter in juristischer Sicht als "Schaden". Von einem pränataldiagnostischen Zentrum verlangen sie deswegen mindestens 10.000 Euro Schadensersatz. Sie werfen den Frauenärzten dort vor, die Trisomie 21, also das Down-Syndrom nicht erkannt zu haben. Die Eltern scheiterten nun mit ihrer Klage vor dem Oberlandesgericht München. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Das Paar war bereits schon Eltern von drei gesunden Kindern. 2009 war bei der damals 28-jährigen Mutter Multiple Sklerose festgestellt worden. Ab da musste sie verschreibungspflichtige Medikamente nehmen. Im September 2010 entdeckte sie eine erneute, eigentlich ungewollte Schwangerschaft. Ihr Gynäkologe überwies die Schwangere an ein Spezialzentrum zur Weiterbehandlung.

Die 28-Jährige hatte Sorge, dass die Medikamente, die sie nun wegen ihrer MS nehmen musste, dem Kind schädigen könnten oder zu Fehlbildungen führen könnten. Die Ärzte konnten jedoch nichts Besorgniserregendes erkennen. Im Mai 2011 wurde Jasmina geboren. Dann stellten die Mediziner das Down-Syndrom bei dem Kind fest, wenig später diagnostizierten sie außerdem einen Herzfehler und eine Gefäßerkrankung.

Mutter hätte Schwangerschaft abbrechen lassen

Heute sagt die Mutter, dass sie bei einer Fehlbildung die Schwangerschaft hätte abbrechen lassen. Die Ärzte hätten sie aber auf eine Reihe möglicher Untersuchungen gar nicht hingewiesen, heißt es in der Klageschrift. Außerdem hätten sie die Ultraschallbefunde falsch interpretiert. Das Untersuchungszentrum und der Arzt sollen deshalb Schadensersatz wegen der Unterhaltskosten für die behinderte Tochter leisten. Außerdem wollen die Eltern Schmerzensgeld.

Das Landgericht München I hatte die Klage der Eltern bereits im Juni 2015 abgewiesen. Die Ärzte hatten seinerzeit schon argumentiert, dass sie die Mutter ausreichend aufgeklärt hätten, insbesondere über Möglichkeiten und Grenzen der pränatalen Diagnostik. Auch darüber, dass eine größtmögliche Sicherheit zum Ausschluss einer Chromosomenstörung nur nach einer Fruchtwasseruntersuchung gegeben sei. Diese sei von der Mutter aber nicht durchgeführt worden.

Das Oberlandesgericht hörte nun in der Berufungsverhandlung einen Sachverständigen an. Wie die "Süddeutsche" berichtet, erklärte dieser vor Gericht: Es habe bei der Ultraschalluntersuchung lediglich eine Auffälligkeit gegeben: Ein minimal zu kurzes Nasenbein. Ein Merkmal, das auf Trisomie 21 hindeutet. Die Abweichung betrug aber 0,2 Millimetern und befand sich am Rande des Normbereichs. Auch in der Familie gab es keine Auffälligkeiten. Die Mutter hatte zuvor schließlich drei gesunde Kinder zur Welt gebracht. Der Sachverständige bescheinigte dem beklagten Arzt, über die gängigen Richtlinien hinaus sehr gründlich untersucht zu haben. "Sie werden bei uns nicht gewinnen", sagte nach der Beratung der Senatsvorsitzende zu den Eltern. Den Beklagten sei kein Fehler nachzuweisen. Das Gericht wies die Berufung zurück. Die Revision wurde nicht zugelassen.

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Quelle: n-tv.de

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