BGH bestätigt VerurteilungEsoteriker-Eltern kommen ins Gefängnis

Ein Paar will seinem an einer Stoffwechselkrankheit leidenden Sohn keine Medikamente geben. Stattdessen soll er unter anderem meditieren. Am Ende ist er dem Tode nahe. Die Eltern wurden wegen Kindesmisshandlung verurteilt, jetzt ist auch die Revision durch.
Ein als "Guru von Lonnerstadt" bekannt gewordener Mann ist wegen schwerer Kindesmisshandlung nun rechtskräftig zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) bestätigte mit seinem Urteil auch das Strafmaß von drei Jahren Haft gegen die Mutter des betroffenen Kindes. Das Paar hatte dem damals 12-jährigen an Mukoviszidose erkrankten Jungen Medikamente verweigert und dem zuletzt vom Tode bedrohten Kind stattdessen unter anderem Meditation empfohlen.
Laut Urteil hatte der Junge von November 1999 bis Dezember 2002 keine Medikamente gegen die Stoffwechselkrankheit bekommen. Bei Mukoviszidose verstopfen die Atemwege in der Lunge mit zähem Schleim. Der Junge litt deshalb bis zu seiner Flucht zum Vater unter ständiger Atemnot sowie Kopfschmerzen und war stark abgemagert.
Nach Überzeugung des BGH-Strafsenats ließen die Mutter und ihr Lebensgefährte den damals zwölf Jahre alten Jungen absichtlich leiden, indem sie die Behandlung abbrachen und stattdessen auf alternative Heilmethoden vertrauten. "Darin sieht der Senat ein Quälen", sagte der Vorsitzende Richter.
Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte das Verhalten der Angeklagten als "vorsätzliches Quälen durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen" bewertet. Der BGH fand daran keine Rechtsfehler und verwarf die Revisionen der Angeklagten. Die Mutter und der "Guru", der sich selbst als "Lehrer der zeitlosen Weisheit" bezeichnet, müssen die Haft antreten, da eine Aussetzung der Strafe auf Bewährung nicht möglich ist.