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Offiziell gibt es in den USA erst ab 21 Jahren Alkohol - doch so lange wollen viele Jugendliche nicht warten.
Offiziell gibt es in den USA erst ab 21 Jahren Alkohol - doch so lange wollen viele Jugendliche nicht warten.(Foto: picture alliance / dpa)

US-Jugendliche wollen an Alkohol ran: Falsche Ausweise liegen im Trend

Trinkfreudige US-Jugendliche versuchen seit Generationen, den strikten Jugendschutz zu umgehen. Im 21. Jahrhundert hilft ihnen die moderne Technik: Gegen Fake-Ausweise ist selbst der strengste Türsteher so gut wie machtlos. Kriminell fühlen sich die Jugendlichen dabei aber nicht.

Die High Heels klappern. Es ist Samstagabend und die 19-jährige Olivia McMiller streift mit ihren beiden Freundinnen durch das Party-Viertel der US-Hauptstadt Washington. Vor jeder Bar, jedem Restaurant: ein Türsteher. "Dort drüben ist Live-Jazz, was meint ihr, schauen wir rein?", ruft die Studentin. Schnell zieht sie ihren kirschroten Lippenstift nach und steuert mit ihren Freundinnen auf die Bar zu. Der Türsteher mustert erst sie, dann ihre Ausweise. Und die angehende Juristin McMiller ist in der Bar - illegal.

Bei ihren Trinkmethoden sind viele US-Jugendliche nicht zimperlich.
Bei ihren Trinkmethoden sind viele US-Jugendliche nicht zimperlich.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Mit 19 Jahren ist Olivia nach US-amerikanischem Recht minderjährig. Zwar dürfte sie in  einigen US-Bundesstaaten schon mit 15 Jahren Auto fahren und mit 18 Jahren ins Militär eintreten, doch legal Alkohol trinken darf Olivia in den USA erst mit 21 Jahren.

"Gefälschte Ausweise sind soziale Pflicht, spätestens sobald Du aufs College gehst", sagt die brünette Studentin aus dem Rocky-Mountains-Staat Wyoming. Kaum einer ihrer Kommilitonen hält sich an das Alkoholgesetz. Olivia hat in Sachen Jugendschutz ein eher flexibles Rechtsverständnis. "Ein gefälschter Ausweis gilt in meinem Freundeskreis nicht wirklich als kriminell. Anders ist es eben nicht möglich, abends in Bars oder in Restaurants zu kommen."

50 bis 200 Dollar, also bis zu 150 Euro, kostet die Eintrittskarte in die US-Partywelt. Olivia hat sich den gefälschten Ausweis im Internet bestellt - wie so viele andere Studenten auch. "Und zwei Wochen später kam ein Päckchen aus China", erzählt die junge Frau.

"Hier komme ich mir vor wie ein Kind"

In der Tanzbar "Madams Organ" im Szeneviertel Adams Morgan hat Türsteher Daniel Karth schon so ziemlich alles gesehen, was die Fälscher aus Fernost zustande bringen. Nur etwa alle zwei Wochen einmal weist Karth einen Partygänger ab. Wenn es dabei zu Protesten kommt, ruft er auch schon einmal die Polizei. "Aber meistens ist das gar nicht nötig. Die Schummler sind ganz kleinlaut, wenn ich sie erwische."

Olivias gleichaltrige Freundin Katharina Grandl will nichts riskieren. Bevor die Austauschstudentin aus Deutschland erwischt wird, verzichtet sie lieber darauf, in den Clubs der US-Hauptstadt tanzen zu gehen. "Aber es ist schon eine Umstellung für mich. In Deutschland darf ich ja seit Jahren in fast jeden Club", sagt Grandl, "aber hier komme ich mir vor wie ein Kind".

Zu dem einen oder anderen Drink kommt Grandl auch in den USA. "Die älteren Jungs kaufen den Booze (Alkohol) und wir chillen einfach", berichtet die Augsburgerin. "Für mich waren die Collegepartys am Anfang wie ein Kulturschock, jetzt finde ich es einfach nur witzig", sagt sie. Jeden Abend fließt in ihrem Wohnheim der Wodka in Strömen.

"Koma-Saufen ist Teil der College-Kultur"

Amerikanische Jugendliche trinken zwar ähnlich regelmäßig wie deutsche Teenager, doch exzessiver: 28,2 Prozent der 10- bis 20-jährigen Amerikaner gaben nach einem Bericht der US-Gesundheitsbehörde im Jahr 2011 an, mindestens einmal wöchentlich Alkohol zu trinken. In Deutschland sind es 27 Prozent der 12- bis 17-Jährigen, wie es im Drogen-und Suchtbericht der Bundesregierung im Jahr 2011 hieß.

Doch "Binge-Drinking", das Trinken bis zum Rausch, ist in den USA beliebter als in Deutschland. 23 Prozent der Amerikaner über zwölf Jahre waren innerhalb eines Monats "Binge-Drinker", tranken also pro Abend mehr als fünf alkoholische Getränke. In Deutschland dagegen waren es im Jahr 2011 rund 15 Prozent der 12- bis 17-Jährigen.

Für Olivia haben diese Zahlen nichts mit dem strengen Jugendschutz oder dem "Reiz des Verbotenen" zu tun. "Koma-Saufen ist einfach Teil der College-Kultur", sagt die Jurastudentin. Lockerere Gesetze bringen aus ihrer Sicht nichts. "Die würden das Binge-Drinking nur noch unterstützen."

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Quelle: n-tv.de

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