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Die Polizei hatte nach dem Einsatz noch von einer "Gafährdungslage" gesprochen.
Die Polizei hatte nach dem Einsatz noch von einer "Gafährdungslage" gesprochen.(Foto: dpa)

Kopfschuss bei MEK-Einsatz: Falscher Verdächtiger war unbewaffnet

Weil er ihn irrtümlich für einen gesuchten Kriminellen hält, schießt ein Polizist auf einen jungen Norddeutschen. Der Mann wird von der Kugel in den Kopf getroffen, verliert ein Auge. Eine Waffe finden die Beamten bei ihm nicht - und genau das wirft Fragen auf.

Der 27-Jährige, der am Freitag bei einem Polizeieinsatz in Mecklenburg-Vorpommern angeschossen und lebensgefährlich verletzt wurde, ist unbewaffnet gewesen. Weder bei ihm noch bei seinem Mitfahrer oder im gestoppten Pick-up seien Waffen gefunden worden, sagte ein Sprecher der Schweriner Staatsanwaltschaft. Der Mann schwebt weiter in Lebensgefahr, soll ins künstliche Koma versetzt worden sein. Durch die Kugel verlor er ein Auge.

Der Einsatz des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) aus Hamburg hatte eigentlich dem polizeibekannten Nico S. aus der Hamburger Rotlichtszene gegolten, gegen den ein Haftbefehl vorlag. Er hatte eine Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten wegen Körperverletzung nicht angetreten. S. saß aber nicht wie erwartet in dem Wagen, der auf ihn zugelassen und in Lutheran bei Lübz gestoppt worden war, sondern zwei Männer aus Boizenburg.

Bei dem Einsatz hatte ein Polizeibeamter einen Schuss abgegeben und den 27-jährigen David A. am Kopf getroffen. Nach Angaben der Polizei habe es während des Einsatzes eine "Gefährdungslage" gegeben, die den Schusswaffengebrauch vermutlich rechtfertige. Der Anwalt von A. berichtete dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" hingegen, der Schuss sei unmittelbar, nachdem die Polizeiwagen den Pick-up zum Halten gebracht hatten, durch die Scheibe der Fahrertür abgegeben worden.

Die Beamten hätten vorher nicht geprüft, ob es sich um die gesuchte Person handelt. Nach Aussage des Beifahrers hatten sich die beiden Männer den Pick-up vom gesuchten Nico S. geliehen, um Dachbleche aus einem Nachbarort abzuholen. Die Staatsanwaltschaft Schwerin hatte angekündigt, den Vorfall auf Straftatbestände zu prüfen.

Quelle: n-tv.de

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