Donnerstag, 18. Januar 2007
Vor Bluttat Video: "Final Fantasy" als Vorbild?
Unmittelbar vor der Bluttat von Tessin (Mecklenburg-Vorpommern) mit zwei Toten haben die beiden 17-Jährigen den Film "Final Fantasy" angeschaut. Das sagte die 15-jährige Eyleen, die nach der Tat von den beiden eine Stunde lang als Geisel gefangen gehalten worden war, am Mittwochabend in der Fernsehsendung "Stern TV" bei RTL. Die beiden Gymnasiasten hatten gestanden, am Samstagabend ein Ehepaar in dessen Haus in dem kleinen Dorf im Kreis Ludwigslust erstochen zu haben. Beide Leichen wiesen zahlreiche Messerstiche auf, das Gesicht der Frau soll nicht mehr zu erkennen gewesen sein. Ein Motiv ist auch vier Tage nach der Tat nicht bekannt.
Das Mädchen hatte den Abend im Haus eines der Täter verbracht, weil sie mit dessen Schwester eng befreundet ist, wie sie sagte. So habe sie auch ein kurzes Stück des Videos gesehen, sei dann aber aus dem Zimmer gegangen. Anschließend habe man sich mit mehreren Jugendlichen an der Bushaltestelle des Dorfes getroffen, wo die beiden Jungs ihr vorschlugen, noch eine Runde zu gehen. Nach einer kurzen Wegstrecke sei sie dann aber in einem Schuppen unweit des späteren Tatortes gefesselt und geknebelt worden. Aber auch das habe sie noch für einen Scherz gehalten.
Nach dem Überfall auf die Eheleute hätten die beiden Jungen sie dann in das Haus gebracht, wo sie die Leiche des Mannes und die sterbende Frau sah. "Ab da war ich nur noch leer", berichtete Eyleen, die mit ihrem Vater in die Sendung gekommen war. Später im gestohlenen Auto des Ehepaars hätten die beiden Jungen darüber gesprochen, dass es sich ganz leicht angefühlt habe, einen Menschen zu töten, "so als würde man ganz einfach in eine Schlägerei verwickelt sein". Einer habe aber auch erwogen, sich umzubringen. Nach einer Stunde war es der Polizei gelungen, die beiden 17-Jährigen zum Aufgeben zu bewegen und Eyleen unverletzt zu befreien.
Ob sich die beiden 17-Jährigen bei ihrer Tat von "Final Fantasy" leiten ließen, von dem es auch eine Computerspiel-Variante gibt, ist unklar. Das Video ist bereits für Zwölfjährige freigegeben. Film und Video enthalten zwar Kampfszenen, gelten aber weder als gewaltverherrlichend, noch stehen sie auf dem Index. Der Radiosender Ostseewelle berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, die beiden Angreifer hätten von dem 46-jährigen Familienvater Unterwerfungsgesten verlangt, bevor sie auf den niederknienden Mann einstachen und ihn umbrachten.
Auch wenn ein Motiv für die Tat in dem 200-Einwohner-Dorf gefunden werden sollte, wird es laut Staatsanwaltschaft nicht an die Öffentlichkeit gegeben. "Es handelt sich bei den Tatverdächtigen um Jugendliche, da wird die Hauptverhandlung von Gesetzes wegen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Deshalb wird es vorher auch keine Auskünfte zum Motiv oder zu Zeugenaussagen geben", sagte Staatsanwalt Pick. So solle auch eine Vorverurteilung in der Öffentlichkeit verhindert werden.
Nach einem Bericht des Radiosenders Antenne Mecklenburg-Vorpommern soll bisher nur einer der beiden Gymnasiasten, die in der Jugendhaftanstalt Neustrelitz in Untersuchungshaft sitzen, Auskunft zum Geschehen gegeben haben. Der andere schweige zu den Einzelheiten der Tat, die aber beide bereits am Sonntag gestanden hatten.
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