Panorama
Das ausgebrannte Wrack des US-amerikanischen B-52-Bombers, der am 17. Januar 1966 abstürzt.
Das ausgebrannte Wrack des US-amerikanischen B-52-Bombers, der am 17. Januar 1966 abstürzt.(Foto: dpa)
Mittwoch, 02. März 2011

Vier Atombomben an Bord: Flugzeugabsturz holt spanisches Dorf ein

Hier kommt der Autor hin

Vor 45 Jahren stürzt bei einem spanischen Dorf ein Flugzeug der US-Luftwaffe mit vier Atombomben an Bord ab. Die Bomben explodieren nicht, verseuchen aber das Erdreich mit Plutonium. Spanien verlangt nun von den USA, die noch vorhandenen Reste verstrahlter Erde abzutragen.

Die Geschichte holt Palomares immer wieder ein: Das Dorf im Südosten Spaniens war der Schauplatz des größten Atomwaffen-Unglücks der US-Luftwaffe gewesen. Am 17. Januar 1966 war in dieser abgelegenen Gegend in der Provinz Almería ein US- Langstreckenbomber vom Typ B-52 mit vier Atombomben abgestürzt. 45 Jahre später verlangt die spanische Regierung, dass die USA die letzten Spuren des Unglücks beseitigen und radioaktiv verseuchtes Erdreich abtragen. Washington hält die Spanier jedoch hin.

Das Bombenflugzeug der US Air Force war damals in der Luft aufgetankt worden und dabei mit dem Tankflugzeug zusammengestoßen. Beide Maschinen stürzten in der Nähe von Palomares ab. Die Atombomben an Bord der B-52 - mit einem Vielfachen an Sprengkraft der Hiroshima-Bombe - explodierten nicht, weil sie nicht scharf gemacht worden waren. Zwei von ihnen platzten beim Aufprall auf den Boden auf und setzten radioaktives Plutonium frei. Eine dritte trudelte an einem Sicherheitsfallschirm auf die Erde und blieb unbeschädigt. Die vierte Bombe fiel ins Mittelmeer, wurde 80 Tage später dank des Hinweises eines Fischers entdeckt und aus dem Wasser gehievt.

Franco-Diktatur spielt Absturz herunter

In dem Dorf selbst kam bei dem Absturz niemand zu Schaden. Allerdings wurden sieben der insgesamt elf Besatzungsmitglieder der beiden kollidierten Maschinen getötet. Die damals in Spanien herrschende Franco-Diktatur tat alles, das Ausmaß des Atombomben-Dramas herunterzuspielen. Das Regime fürchtete um den in jener Zeit gerade einsetzenden Massentourismus. Um den Urlaubern die Angst vor radioaktiven Strahlen zu nehmen, ließ sich der damalige Tourismusminister Manuel Fraga bei einem Bad am Strand von Palomares ablichten.

Das US-Militär ließ 1600 Tonnen verseuchtes Erdreich in Behälter füllen und in die USA bringen. Die Dorfbewohner durften sich auf US-Kosten regelmäßig auf eventuelle gesundheitliche Schäden untersuchen lassen. Das Unglück geriet im Laufe der Zeit fast in Vergessenheit, auf den Feldern von Palomares wurden Tomaten und Salat angepflanzt. Erst als der Bauboom an der Mittelmeerküste auch diese Gegend erreichte, wurden die Dorfbewohner an das Drama erinnert.

Spanien will verseuchte Erde abtragen

Nachmessungen ergaben nämlich, dass an mehreren Stellen in der Umgebung des Dorfes der Boden im Untergrund stärker radioaktiv verseucht war als angenommen. Vor fünf Jahren ließ die Regierung die Grundstücke enteignen und einzäunen, um zu verhindern, dass auf verstrahltem Gelände Ferienwohnungen errichtet werden. Zugleich bat sie Washington darum, die betroffenen Böden abzutragen. Dort wird nach Schätzungen ein halbes Kilogramm Plutonium vermutet.

Spanische Wissenschaftler entwickelten ein Verfahren, mit dem ein großer Teil des Erdreichs an Ort und Stelle entseucht werden kann, so dass nur 6000 Kubikmeter - das entspricht dem Volumen von zwei olympischen Schwimmbädern - abtransportiert werden müssten. Hierbei sind die Spanier jedoch auf die Hilfe der Amerikaner angewiesen, denn in Spanien gibt es keine Lagerstätte für die verseuchte Erde.

Washington will keinen Präzedenzfall

Washington schickte kürzlich eine Expertenkommission nach Palomares und erklärte sich zur Zusammenarbeit bereit, gab aber keine konkreten Zusagen. Dass die Amerikaner sich bedeckt halten, dürfte damit zu tun haben, dass die unterirdische Radioaktivität nach Angaben von Experten keine akute Gefahr für die 1800 Dorfbewohner bedeutet. Die Madrider Zeitung "El País" meint, dass Washington auch aus einem anderen Grund zögert: "Das Pentagon will keinen Präzedenzfall schaffen und verhindern, dass auf die USA eine Welle von ähnlichen Forderungen zukommt aus Ländern, in denen die Amerikaner Nukleartests unternommen haben."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen