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In El Salvador ist selbst dann ein Schwangeschaftsabbruch verboten, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist.
In El Salvador ist selbst dann ein Schwangeschaftsabbruch verboten, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist.(Foto: REUTERS)
Samstag, 08. Juli 2017

Vergewaltigung in El Salvador: Frau nach Totgeburt wegen Mordes verurteilt

El Salvador gehört zu den wenigen Ländern der Erde, in denen Abtreibungen unter allen Umständen illegal sind. Das bekommt eine junge Frau zu spüren, die nach einer Vergewaltigung ihr Kind tot zur Welt bringt.

Ein Gericht in El Salvador hat eine junge Frau, die Opfer einer Vergewaltigung wurde, wegen einer Totgeburt zu 30 Jahren Haft verurteilt. Wie die Menschenrechtsorganisation Acdatee mitteilte, wurde Evelyn Hernandez vergewaltigt und erlitt nach einer achtmonatigen Schwangerschaft eine Fehlgeburt. Das Gericht in der Stadt Cojutepeque verurteilte Henandez am Mittwoch jedoch wegen Mordes. Es folgte der Argumentation der Staatsanwaltschaft, die damals 18-Jährige habe nicht ausreichend für ihr ungeborenes Kind gesorgt.

Acdatee will das Urteil nun anfechten lassen. "Hernandez wurde ohne direkte Beweise für schuldig erklärt", sagte die Sprecherin der Organisation, Morena Herrera. Die junge Frau habe die sexuellen Übergriffe verschwiegen, weil ihre Familie bedroht worden sei. Hernandez wurde über Monate hinweg von einem Bandenmitglied vergewaltigt. Sie habe ihre Schwangerschaft nicht bemerkt und das Kind im April vergangenen Jahres unter starken Schmerzen in ihrem Badezimmer zur Welt gebracht. Experten konnten nicht feststellen, ob das Baby lebend zur Welt gekommen oder bereits im Mutterleib gestorben war.

Abtreibung wird von der Justiz in El Salvador als Mord eingestuft. Selbst wenn Frauen aus gesundheitlichen Gründen ihr Kind verlieren, können sie in dem zentralamerikanischen Land zu langen Freiheitsstrafen verurteilt werden. Abgeordnete unternahmen im Oktober vergangenen Jahres einen Versuch, Abtreibungen zu entkriminalisieren. Doch sie scheiterten am Widerstand der konservativen Parteien.

Quelle: n-tv.de

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