Panorama

Wirtschaftsmisere in VenezuelaGeheimlager für Windeln entdeckt

31.05.2013, 15:34 Uhr

In Venezuela sind viele Dinge des täglichen Lebens nicht nur knapp, sondern unbezahlbar. Schuld daran ist die wirtschaftliche Lage des südamerikanischen Landes. Der Schwarzmarkt boomt, die Wirtschaft siecht vor sich hin.

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In Caracas kauft eine Frau Toilettenpapier. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Mehr als 2400 Rollen Toilettenpapier, 7000 Liter Fruchtsaft und 400 Windelpackungen: Was sich auf den ersten Blick wie die Bestellliste eines Großmarktes liest, ist das stolze Ergebnis einer Polizeirazzia in Venezuelas Hauptstadt Caracas. Nach einem anonymen Hinweis hoben Fahnder dort ein "geheimes Warenlager" im westlichen Vorstadtbezirk Antimano aus, sagte Innenminister Miguel Rodriguez Torres über Twitter. Dass derartige Bedarfsartikel zum Schmuggelgut wurden, liegt an der siechenden Wirtschaft des südamerikanischen Landes.

Obwohl Venezuela zu den ölreichsten Staaten der Erde gehört, herrscht in den Supermarktregalen teils akuter Mangel. Toilettenpapier und Windeln gehören zu den fünf begehrtesten Produkten des Landes, zusammen mit Zahnpasta, Seife und Damenbinden. Weil rigide Preiskontrollen und bürokratische Hürden den Import erschweren, hatte die Regierung des neu gewählten Ministerpräsidenten Nicolás Maduro diesen Monat den Kauf von 50 Millionen Rollen Toilettenpapier angekündigt. Der Kongress gab obendrein einen 80-Millionen-Dollar-Kredit für die Einfuhr der fünf besonders gefragten Mangelartikel frei.

Die Polizei ermittelt jetzt, woher die in Caracas entdeckten Produkte kamen und für wen sie gedacht waren. In der Vergangenheit hatte die sozialistische Staatsführung die konservative Opposition beschuldigt, massenhaft Toilettenpapier und andere Bedarfsartikel zu horten, um die Wirtschaft lahmzulegen und der Regierung zu schaden.

Venezuela hatte die Preiskontrollen für einige Waren im Jahr 2003 eingeführt, als ein Streik in der Ölindustrie die gesamte Volkswirtschaft in einen Abwärtsstrudel riss. Die galoppierende Inflation führte zu Engpässen bei der Warenversorgung.

Quelle: ntv.de, AFP

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