Zu viel Wasser im Rumpf"Höegh Osaka" liegt länger fest

Die große Chance am Mittwoch wird ungenutzt verstreichen: Die Bergungsexperten müssen mit ihrem Versuch, den gestrandeten Autofrachter vor Southampton wieder flott zu machen, noch warten. Das Schiff ist noch nicht stabil.
Ein für Mitte der Woche geplanter Bergungsversuch des vor der englischen Küste auf Grund gelaufenen Auto-Frachtschiffes ist verschoben worden. Untersuchungen hätten ergeben, dass mehr Wasser als zunächst angenommen in die "Höegh Osaka" eingedrungen sei, teilte die Küstenwache mit.
Die Vorbereitungen dafür, das Schiff wieder flott zu bekommen, dauerten daher länger. Experten hatten zuvor erklärt, sie wollten die Flut am Mittwochmittag nutzen, um zu versuchen, das Schiff samt seiner Ladung wieder zum Schwimmen zu bringen.
Schlagseite kurz nach dem Ablegen
Der Kapitän der "Höegh Osaka" hatte seinen rund 51.000 Tonnen schweren Autofrachter am späten Samstagabend absichtlich auf Grund laufen lassen, weil sich das Schiff kurz nach der Abfahrt im Hafen von Southampton gefährlich zur Seite geneigt hatte - warum, ist noch unklar.
Der Transporter war auf dem Weg nach Bremerhaven. An Bord befinden sich rund 1400 Fahrzeuge, darunter 1200 Autos der Marke Jaguar Land Rover, 65 BMW-Minis und ein Rolls Royce sowie tonnenschweres Baugerät.
Das Schiff liegt nun bereits seit dem Wochenende mit einer erheblichen Schlagseite von etwa 45 Grad auf einer Sandbank im Solent fest, einer der beiden Meerengen zwischen der Isle of Wight und dem Festland. Der Schiffsverkehr vor Ort wird dadurch nicht behindert. Die "Höegh Osaka" und die Bergungszone um das Schiff herum befinden sich außerhalb der Fahrtrinne.
Die Untiefe, auf die der Kapitän die "Höegh Osaka" auflaufen ließ, ist dabei in Großbritannien recht bekannt. Auf der sogenannten "Bramble Bank" nördlich von Cowes findet seit Jahren eine ungewöhnliche Sportveranstaltung statt. Einmal im Jahr, wenn die Sandbank während der Ebbe aus dem Wasser auftaucht, treten dort zwei Mannschaften örtlicher Segelclubs gegeneinander an, um sich in einem nicht ganz ernst gemeinten Kricket-Match zu messen.
Rumpf weitgehend intakt
Ersten Berichten des 18-köpfigen Bergungsteams vor Ort zufolge ist ein Großteil der Ladung noch immer festgezurrt am Platz und nicht verrutscht. Einige große Fahrzeuge hätten sich allerdings bewegt, hieß es. So habe etwa ein Bagger beim Aufprall von Innen die Außenhaut des Schiffsrumpfs beschädigt. Das Leck sei inzwischen repariert.
Nach Angaben der Küstenwache ist der Rumpf des Frachters ansonsten weitgehend intakt - trotz der enormen Belastungen, mit denen das Eigengewicht des aufgelaufenen Schiffes auf Seiten und Schiffsboden drückt. Treibstoff läuft angeblich nicht aus. Sobald das Schiff stabilisiert ist und es die Wetterbedingungen zulassen, wollen es die Bergungsspezialisten der Firma Svitzer in Abstimmung mit den britischen Schifffahrtsbehörden auf einen neuen Versuch ankommen lassen.