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Die JVA Landsberg hat eine lange Tradition.
Die JVA Landsberg hat eine lange Tradition.(Foto: imago/MiS)

Der Haftalltag von Uli Hoeneß: Hoeneß' Jahre im "bayerischen Alcatraz"

Von Solveig Bach

Uli Hoeneß verzichtet auf Revision, damit muss er demnächst ins Gefängnis. Dass er tatsächlich dreieinhalb Jahre absitzen muss, ist nicht wahrscheinlich - ebenso wie Hafterleichterungen für den Prominenten in der JVA Landsberg.

Das hätte sich der damalige Bayern-Präsident Uli Hoeneß wahrscheinlich im August 2013 auch nicht träumen lassen, als er den wegen Brandstiftung verurteilten Bayern-Profi Breno als Freigänger im Verein wieder begrüßte. Nun geht er selbst ins Gefängnis und hofft wahrscheinlich darauf, in absehbarer Zeit ebenfalls ins Freigängerhaus wechseln zu können.

Dafür muss er jedoch zunächst einmal seine Strafe ganz normal antreten. Das wird nach Angaben der Sprecherin des Oberlandesgerichts München, Andrea Titz, "sicherlich noch einige Wochen in Anspruch nehmen". Denn der gegen Hoeneß bestehende Haftbefehl hat keine Gültigkeit mehr, wenn das Urteil rechtskräftig wird, da es sich um einen Untersuchungshaftbefehl handelt.

Hoeneß kann also gelassen in seinem geräumigen Bauernhaus in Bad Wiessee am Tegernsee abwarten, dass er eine Ladung zum Strafantritt bekommt. Dafür muss zunächst mit der laut bayerischem Vollstreckungsplan für ihn zuständigen Justizvollzugsanstalt Landsberg geklärt werden, wann ein Haftplatz frei ist. Das könnte sich wegen der Umbaumaßnahmen, die gerade dort vorgenommen werden, hinziehen. Der Pressesprecher der JVA, Harald Eichinger, sagte n-tv.de, gerade sei die Einrichtung "relativ stark belegt".

Prominente Insassen

Die JVA Landsberg, von dem ebenfalls dort inhaftierten Klatschreporter Michael Graeter, auch das bayerische Alcatraz genannt, wurde 1910 eröffnet und beherbergte bereits einige prominente Insassen. Adolf Hitler saß hier nach seinem gescheiterten Putsch 1923 in Festungshaft, der spätere Nazi-Diktator schrieb in seiner Landsberger Zelle den ersten Band seiner Propagandaschrift "Mein Kampf". Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Landsberger Gefängnis unter US-Verwaltung Hunderte NS-Kriegsverbrecher und ranghohe Nazis hingerichtet, so wie der Kommandant des Konzentrationslagers Dachau, Martin Weiss.

Später saßen unter anderem der Oetker-Entführer Dieter Zlof, Konzertmanager Marcel Avram (Steuerhinterziehung) und Karl-Heinz Wildmoser jr., Sohn des damaligen Präsidenten des Bayern-Lokalrivalen TSV 1860 München (Bestechlichkeit und Untreue beim Bau der Münchner Allianz Arena) in der JVA Landsberg ihre Haftstrafen ab.

Überschaubarer Alltag

Die Justizvollzugsanstalt bietet Platz für 735 Insassen, viele sind Wirtschaftsstraftäter. Besuche sind nach telefonischer Voranmeldung prinzipiell täglich möglich, der Mindestanspruch beträgt eine Stunde im Monat. Häftlinge dürfen Briefe schreiben und empfangen, die jedoch kontrolliert werden. Telefonate sind in begrenztem Umfang möglich, Handys aber verboten. Geweckt wird um 7.00 Uhr, Einschluss ist um 19.30 Uhr. Dazwischen gibt es die Möglichkeit, acht Stunden zu arbeiten, etwa in der Wäscherei oder in der Küche. Für bayerische Häftlinge gilt Arbeitspflicht, außer sie sind krank oder im Rentenalter. Zumindest Letzteres trifft auf den 62-jährigen Hoeneß nicht zu. Die Knastküche in Landsberg gilt bei Insassen und Besuchern immerhin als eine der besten Deutschlands, die deftige bayerische Kost dürfte Hoeneß schmecken. Damit ist für das leibliche Wohl des Wurstfabrikanten Hoeneß gesorgt, auf die möglichen Fresspakete könnte er so wohl verzichten.

Auf besondere Erleichterungen kann Hoeneß zunächst einmal nicht hoffen. "Im Gefängnis gibt es keinen Promibonus", betonte der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten Deutschland, Anton Bachl. Der inzwischen zurückgetretene Präsident des FC Bayern München werde behandelt wie jeder andere Häftling auch. "Es ist auch möglich, dass Herr Hoeneß Tür an Tür mit Gewaltverbrechern leben muss, oder mit ihnen gemeinsam in einer Zelle sitzt", betonte Bachl. Das hänge von der Justizvollzugsanstalt ab.

Das klingt strenger, als es in den meisten JVA gehandhabt wird. Im Normalfall werden Häftlinge in Einzelzellen untergebracht, nur wenn das Gefängnis überfüllt ist und Straftäter nicht anders untergebracht werden können, kommt es zu Mehrfachbelegungen. Die übliche Mindestgröße einer Zelle liegt bei etwa acht bis zehn Quadratmetern. Es gibt ein Bett, einen Schrank, einen Tisch und einen Stuhl, außerdem einen Nassbereich mit Waschbecken und separater Toilette. In "angemessenem Umfang" dürfen persönliche Gegenstände mitgebracht werden, um den Raum wohnlicher zu machen. Dazu gehört beispielsweise auch ein Fernseher. Allerdings wird Hoeneß dennoch die Bayern-Spiele nicht verfolgen können. Die "Ausgburger Allgemeine" berichtete kürzlich, dass in Landsberg die TV-Sender über die Satellitenanlage eines Privatanbieters eingespeist werden. Da die Bundesliga jedoch nur über Bezahlfernsehen zu sehen ist, nutzen Hoeneß diese Sender wenig. Nicht mal, wenn Hoeneß persönlich bezahlen würde, sei es möglich für Gefängnisinsassen Pay-TV anzubieten, heißt es von den Justizbehörden. Dafür könnte Hoeneß jedoch hoffen, nicht nur die im Strafvollzugsgesetz vorgesehene Anstaltskleidung tragen zu müssen. Mit einer besonderen Genehmigung dürfen Häftlinge auch eigene Kleidungsstücke tragen, sie müssen dann aber auch für die Reinigung sorgen.  

Halbstrafe oder Freigang sind möglich

Möglicherweise muss sich Hoeneß mit diesen Problemen jedoch nur kurz herumschlagen. Für den prominenten Steuersünder stehen die Chancen gar nicht schlecht, dass er weit weniger als die im Strafmaß genannten dreieinhalb Jahre hinter Gittern verbringen muss. Die Voraussetzung dafür: Hoeneß müsste sich als Muster-Strafgefangener erweisen. Denn wenn die "Gesamtwürdigung von Tat, Persönlichkeit der verurteilten Person und ihrer Entwicklung während des Strafvollzugs" ergibt, "dass besondere Umstände vorliegen", kann nach Paragraf 57 des StGB eine Haftstrafe von mehr als zwei Jahren in Ausnahmefällen schon nach Verbüßen der Hälfte zur Bewährung ausgesetzt werden. Bei dieser "Gesamtwürdigung" könnten Hoeneß der Versuch seiner Steuerselbstanzeige und seine bisher untadelige Lebensführung ebenso angerechnet werden wie eine günstige Sozialprognose und die kaum vorhandene Rückfallgefahr. Im günstigsten Fall wäre nach 21 Monaten die Haft dann ausgestanden.

Noch wahrscheinlicher ist es jedoch, dass Hoeneß den Großteil seiner Strafe im offenen Vollzug verbüßen kann. Auch dafür muss er die Haft zunächst einmal antreten. Bei der "Zugangsdiagnostik" machen sich Sozialarbeiter und Psychologen ein Bild von Hoeneß, um über seine Eignung für den offenen Vollzug zu entscheiden. Auch dabei spielt die Rückfallgefahr eine wichtige Rolle. Gerichtssprecherin Titz sagte zu den Voraussetzungen: "Eines ist klar, der Verurteilte muss in Haft erst mal unter Beweis gestellt haben, dass er sich ordnungsgemäß führt und das von ihm keine Fluchtgefahr droht." Nach vier bis sechs Wochen, in denen Hoeneß Tag und Nacht hinter Gittern wäre, könnte dann die Lockerung für den offenen Vollzug erfolgen. Von diesem Zeitpunkt an könnte sich Hoeneß tagsüber frei bewegen und auch arbeiten, nur noch zum Schlafen muss er sich in der JVA einfinden.

Damit wäre er an dem gleichen Punkt wie Breno vor nicht einmal einem Jahr.

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Quelle: n-tv.de

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