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Für das Leben auf den Halligen muss man geschaffen sein.
Für das Leben auf den Halligen muss man geschaffen sein.(Foto: dpa)

Auf den Halligen war es knapp: Hooge hält den Wogen stand

Von Johannes Graf

Dass Wind und Meer ihre Existenz bedrohen, gehört zum Lebensgefühl der Menschen auf den Halligen, den Mini-Inseln vor der Nordseeküste. Aber "Xaver" brachte eine besonders harte Prüfung mit sich - der Menschen und Warften unter größter Belastung standhielten.

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Matthias Piepgras atmet durch. Er hat eine harte Nacht hinter sich: "Wir sind jetzt wesentlich entspannter hier auf der Hallig Hooge. Müde, aber entspannter", sagt er n-tv.de. Piepgras ist Bürgermeister von Hooge, der zweitgrößten Hallig im Wattenmeer vor Schleswig-Holstein. Etwas über 100 Menschen wohnen hier in der Einsamkeit, draußen, in direkter Nachbarschaft zum Meer.

Und dessen üble Seite haben die Bewohner der Marschinsel in der Nacht zu spüren bekommen. Sturmtief "Xaver" hat Welle um Welle über Hooge gespült. "Land unter", eine Situation, mit der die Menschen hier vertraut sind. "Das erleben wir sechs, vielleicht sieben Mal im Jahr", sagt Piepgras. Wer mit der Natur lebt, muss die Härten eines solchen Lebens ertragen können.

Doch "Xaver" war eine besondere Prüfung für die Menschen hier. "Das war ein wirklich außergewöhnlicher Sturm, weil er so unheimlich lange andauert." Für gewöhnlich kommt die Flut und bleibt ein paar Stunden, bis das Wasser wieder abfließt. "Xaver" allerdings warf die ganze Nacht über Wassermaßen an die Küste.

"Dieses Mal ging es wirklich an die Grenze"

Das bedeutet eine extreme Belastung für die Warften. Womit Landratten wenig anfangen können, ist für Hallig-Bewohner die Lebensversicherung für stürmische Zeiten: Warften sind künstlich aufgeschüttete Hügel auf den flachen Halligen. Oben auf den Wällen siedeln die Menschen in den Marschgebieten entlang der Küste - und das schon seit Jahrhunderten. Für gewöhnlich beherbergen Warften gleich eine Handvoll Häuser und Höfe. Auf Hooge gibt es zehn solcher kleinen Siedlungen.

Hier beobachteten die Menschen nervöser als sonst den steigenden Wasserpegel um sie herum. Isoliert von den anderen Warften verbrachten sie die vergangenen Stunden und mussten mit ansehen, wie das Meer vom Sturm über die Weiden gepresst wurde.

Und es wurde extrem knapp: "Bei manchen Warften hatten wir nur noch 20 Zentimeter Luft", berichtet Piepgras von der aufregenden Nacht. Dabei haben die Hallig-Bewohner vorgesorgt. Bis zu drei Meter Abweichung vom normalen Wasserstand können die Warften problemlos ab. "Dieses Mal ging es wirklich an die Grenze", sagt Piepgras.

In den kommenden Tagen beginnt hier dann, wie an vielen Orten im Norden Deutschlands, das große Aufräumen. Einzelne kleinere Schäden an den Warften müssen geflickt werden, hier ist eine mobile Toilette umgekippt, dort muss ein Zaun wieder zusammengefügt werden - Kleinkram, der aber erledigt werden muss. Dann dürfen die Menschen auf Hooge aber endlich das machen, wonach sie sich derzeit am meisten sehnen: ausschlafen.

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Quelle: n-tv.de

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