Japan und Russland rüsten sich für TsunamiKatastrophenzustand nach Beben in Chile

In Chile herrscht nach dem verheerenden Erdstoß der Stärke 8,8 in weiten Teilen des Landes Katastrophenzustand. Das Erdbeben kostet mehr als 300 Menschen das Leben. Der durch das Beben ausgelöste Tsunami verläuft bislang glimpflich. Japan und Russland bereiten sich auf dessen Ankunft vor.
Bei dem schweren Erdbeben in Chile sind mehr als 300 Menschen getötet worden, mehr als 1,5 Millionen Wohnungen wurden nach Angaben der Behörden beschädigt. Tsunami-Wellen überschwemmten die Pazifikküste des Landes, zu einigen Regionen gab es danach keinen Kontakt mehr. Während für viele Pazifik-Anrainerstaaten Entwarnung gegeben wurde, bereiteten sich Japan und Russland auf meterhohe Tsunami-Wellen vor.
Die Mehrzahl der Opfer wurde von dem Beben am Samstagmorgen um 3.34 Uhr Ortszeit (7.34 Uhr MEZ) im Schlaf überrascht. Dieses hatte die Stärke 8,8; das Epizentrum lag etwa 325 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Santiago de Chile im Pazifik.
Etwa 90 Prozent der Getöteten hätten zum Zeitpunkt der Katastrophe im Bett gelegen, sagte die Chefin der Nationalen Rettungsbehörde (ONEMI), Carmen Fernandez. Sie verwies darauf, dass zunächst noch immer kein vollständiger Überblick über die Schäden bestand. Vor allem zu der am meisten betroffenen Küstenregion rings um die 400.000-Einwohner-Stadt Concepción gebe es keinen Kontakt. Dort wurde beispielsweise die Stadt Talcuhuano von einer 2,3 Meter hohen Flutwelle überrollt.
Stromausfälle in vielen Landesteilen
Chiles Präsidentin Michelle Bachelet rief für sechs der 15 Regionen des Landes den Katastrophenzustand aus. "Die Kraft der Natur hat erneut unser Land getroffen", sagte sie in einer Fernsehansprache. Etwa zwei Millionen Menschen seien betroffen. Insgesamt leben in Chile etwa 16 Millionen Menschen.
Im ganzen Land brachen Wasser-, Strom- und Telefonleitungen zusammen, unter anderem gab es im Großteil von Santiago de Chile kein Licht. Auf dem internationalen Flughafen der Hauptstadt entstanden erhebliche Sachschäden. Fernsehbildern zufolge wurde der Abflugterminal teilweise zerstört. Teile der Dachkonstruktion lagen in der Abflughalle, eine Fußgängerpassage stürzte mehr als fünf Meter in die Tiefe.
Japan und Russland rüsten sich
Unmittelbar nach dem Beben gab das in Hawaii ansässige US-Tsunami-Warnzentrum für den Pazifik Flutwellen-Alarm für 50 Länder und Regionen aus. Bis zu 1,5 Meter hohe Wellen trafen auf die Ostküste Neuseelands, auch vor Australien stieg der Wasserspiegel an. In Hawaii, wo zum ersten Mal seit 16 Jahren Sirenen vor einem herannahenden Tsunami warnten, wurden bis zu einen Meter hohe Wellen registriert. Insgesamt kamen die meisten gewarnten Länder glimpflich davon, der Alarm wurde außer für Japan und Russland wieder aufgehoben.
In Japan wurden aus Angst vor dem Tsunami mehr als 56.000 Menschen evakuiert. Die Evakuierungsaktion sei an der Pazifikküste im Norden der Hauptinsel Honshu erfolgt, teilten die Behörden mit. Das staatliche Wetteramt rechnete mit bis zu drei Meter hohen Flutwellen und gab seinerseits einen eigenen Tsunami-Alarm aus. Dieser wurde immer wieder im Fernsehen und Radio ausgestrahlt sowie durch Sirenen und Lautsprecher in den Straßen verbreitet.
In Russland begannen Evakuierungsmaßnahmen auf der Halbinsel Kamtschatka. Die Behörden gaben ebenfalls einen eigenen Tsunami-Alarm aus. "Wir erwarten Wellen bis zu einer Höhe von zwei Meter, was gefährlich werden kann", sagte die Chefin des Tsunami-Zentrums von Kamtschatka, Tatjana Iwelskaja.
Unklarheit über Deutsche in der Region
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach den Opfern sein Mitgefühl aus. Im Auswärtigen Amt kam der Krisenstab zusammenkommen, um über die Folgen der Katastrophe zu beraten. In den kommenden Stunden soll ein Erkundungsteam des Technischen Hilfswerks nach Chile aufbrechen.
In Chile gibt es zahlreiche deutsche Institutionen und in der besonders betroffenen Region um Concepción leben viele Nachfahren deutscher Auswanderer. Auch die von Deutschen gegründete frühere sektenartige Siedlung "Colonia Dignidad" (Kolonie der Würde) befindet sich in der Katastrophenregion. Über mögliche deutsche Opfer wurde jedoch zunächst nichts bekannt.
Hilfe aus aller Welt
Chile erhielt sofort nach dem Beben Hilfsangebote aus aller Welt. US-Präsident Barack Obama und die spanische EU-Präsidentschaft boten Hilfe bei den Rettungsarbeiten und beim Wiederaufbau an. Die EU gab drei Millionen Euro an Soforthilfen frei. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon drückte sein Bedauern über die Naturkatastrophe aus. Nach Angaben von Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sollte umgehend ein Erkundungsteam des Technischen Hilfswerks nach Chile aufbrechen.
Allerdings rief Chiles Außenminister Mariano Fernandez dazu auf, zunächst die Bestandsaufnahme des Katastrophenschutzes abzuwarten: "Jede Hilfe, die ankommt, ohne wirklich gebraucht zu werden, hilft ehrlich gesagt nur wenig."
Flughafen in Santiago geschlossen
Der internationale Flughafen von Santiago wurde erheblich beschädigt und für mindestens eine Woche geschlossen. Im Fernsehen waren eine eingestürzte Fußgängerbrücke zum Abflugbereich des Flughafens und heruntergefallene Deckenverkleidungen zu sehen. Die Behörden überprüften außerdem die Landebahn auf mögliche Schäden. Der Flughafenchef konnte zunächst nicht sagen, wann der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Dies könnte auch die für den 11. März vorgesehene Amtseinführung von Piñera behindern.