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Montag, 11. September 2017

"Wir sind nochmal davongekommen": "Irma" schleppt sich durch Florida

Das Schlimmste scheint überstanden: Hurrikan "Irma" verliert auf seinem Weg nach Norden zunehmend an Kraft. Doch das volle Ausmaß der Schäden ist im Sonnenscheinstaat der USA noch nicht ersichtlich. Fast sechs Millionen Haushalte sind ohne Strom.

Hurrikan "Irma" hat nach seinem verheerenden Zug durch die Karibik  über dem US-Bundesstaat Florida an Kraft verloren. Mit vergleichsweise geringen Windgeschwindigkeiten von bis zu 135 Kilometern pro Stunde bewegte er sich auf einer Schneise zwischen den Städten Tampa und Orlando Richtung Norden. Bis "Irma" im Laufe des Tages die Grenze zum Bundesstaat Georgia erreicht, dürfte es sich nur noch um einen Tropensturm handeln. Zuvor hatte das US-Hurrikan-Zentrum den Wirbelsturm am Montagmorgen deutscher Zeit bereits auf die niedrigste Kategorie 1 zurückgestuft. Die geltenden Anordnungen zu Großevakuierung blieben vorerst in Kraft.

In der Nacht hatte "Irma" noch mit Geschwindigkeiten von bis zu 210 Stundenkilometern im Südwesten der Halbinsel gewütet. Dort wurden Dächer abgedeckt, Straßen überflutet, Bäume entwurzelt und Strommasten umgeknickt. 5,7 Millionen Haushalt seien von der Stromversorgung abgeschnitten, erklärte der Katastrophenschutz. Damit seien 58 Prozent aller Haushalte des Bundesstaates ohne Elektrizität.

Die Überbleibsel von "Irma" ziehen über Orlando auf.
Die Überbleibsel von "Irma" ziehen über Orlando auf.(Foto: imago/ZUMA Press)

Während der Hurrikan an der Atlantikküste für Überschwemmungen sorgte, ging das Wasser an der Golfküste im Westen zunächst zurück. Meteorologen warnten aber, dass das Wasser zurückkommen werde, nachdem das Zentrum des Wirbelsturms durchgezogen sei. Sie sprachen von einer Art gewaltigen Schaukelbewegung, die von Fort Myers im Süden der Halbinsel bis hoch nach Tampa eine bis zu 4,5 Meter hohe Sturmflut verursachen könnte.

Mit rund 6,5 Millionen Menschen war rund ein Drittel der Bevölkerung Floridas aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Viele Menschen suchten bei Verwandten in anderen Teilen des Landes Schutz oder in Notunterkünften.

"Wir haben es hoffentlich geschafft"

"Ich habe das Gefühl, dass wir noch einmal davongekommen sind", sagte Jonathan Brubaker aus Bradenton südlich von Tampa. Der 51-Jährige hat in seinem verbarrikadierten Haus an der Westküste ausgeharrt, Taschenlampen und Kerzen immer griffbereit. Er werde noch bis Montagmorgen warten, bis er sich schlafen lege. "Dann haben wir es hoffentlich geschafft."

Auch die Rettungskräfte wollten mit ihren Einsätzen bis Tagesanbruch warten, sagte der Chef des Katastrophenschutzes, Bryan Koon, der Zeitung "Miami Herald". Dann erst könne man auch das Ausmaß der Schäden abschätzen und die Zahl der Toten für den ganzen Bundesstaat bekanntgeben.

Nach einer ersten Bilanz hat der Wirbelsturm in Florida mindestens drei Menschen in den Tod gerissen. In der Karibik hatte "Irma" mindestens 28 Menschen das Leben gekostet. Allein auf Kuba starben offiziellen Angaben zufolge zehn Menschen. Kleinere Inseln wurden praktisch vollständig verwüstet, Kuba von elf Meter hohen Wellen getroffen. Die Gesamtzahl der Todesopfer durch "Irma" steigt damit auf 40.

Hochhäuser geraten ins Schwanken

Da sich der Sturm weiter nach Westen in Richtung Golf von Mexiko verlagert hatte als erwartet, blieb die dicht besiedelte Millionenmetropole Miami weitgehend von "Irma" verschont. Durch seine riesigen Ausmaße war der Hurrikan aber auch an der Ostküste Floridas zu spüren. In Miami kippten drei Baukräne um, auf den Wassermassen zwischen Bürogebäuden bildeten sich Wellen mit Schaumkronen. Viele Hochhäuser schwankten im Sturm. "Man fühlt sich wie auf einem Schiff", sagte der Bewohner eines Apartments im 35. Stock per Telefon.

Die versicherten Schäden in den USA könnten zwischen 20 und 40 Milliarden Dollar liegen, erklärte der Fachdienst Air Worldwide in einer aktualisierten Schätzung. Auch die Ratingagentur Moody's und der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück gehen von erheblichen Schäden für die Branche aus.

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Quelle: n-tv.de

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