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(Foto: dpa)

Köln bekommt nach 25 Jahren neuen Erzbischof: Kardinal Meisner ist im Ruhestand

Seit Joachim Meisner das größte Erzbistum des Landes regiert, hadern die Kölner mit ihrem Kardinal. Nun, nach fast exakt 25 Jahren, versetzt ihn Papst Franziskus in den Ruhestand.

Der Erzbischof des größten deutschen Bistums Köln, Kardinal Joachim Meisner, wurde in den Ruhestand versetzt. Zeitgleich um 12 Uhr verkündete die katholische Kirche in Köln und Rom, dass Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch des Kardinals angenommen habe.

Das Erzbistum wird nun zunächst vom dienstältesten Weihbischof Manfred Melzer geleitet. Innerhalb von acht Tagen wählt das Domkapitel einen Diözesanadministrator, der vorübergehend die Verwaltung des Erzbistums übernimmt. Anschließend beginnt das Domkapitel nach einem komplizierten Verfahren mit der Wahl des neuen Erzbischofs. Zu einem späteren Zeitpunkt – wohl um Ostern herum - werde das Kapitel seine Kandidaten für die Nachfolge Meisners benennen. Dem Vernehmen nach wollen die Wahlmänner vorher die Meinung kirchlicher Räte und Gremienvertreter einholen.

Die Reform-Initiative "Wir sind Kirche" bilanziert Meisners Amtszeit negativ. Ihr Sprecher Christian Weisner sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", der Erzbischof habe dem Ansehen der katholischen Kirche in Deutschland mehr geschadet als zum Glauben eingeladen. "Meisner stand für eine absolut linientreue und Rom-hörige Kirche und hat immer wieder den innerkirchlichen Richtungskampf angestachelt, wie zuletzt auch in der Auseinandersetzung um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst." Meisners Nachfolger werde es schwer haben, "nach dem autoritativen Stil des Kardinals wieder eine Linie des Dialogs mit den Klerikern und vor allem mit dem Kirchenvolk im Erzbistum Köln zu finden".

Meisner gilt als profiliertester Vertreter des konservativen Flügels der katholischen Kirche in Deutschland. Der gebürtige Schlesier hatte während seiner Amtszeit immer wieder Aufsehen erregt und auch Empörung ausgelöst, wenn er Abtreibungen zum Beispiel mit dem Holocaust verglich und Kunst ohne religiösen Bezug als "entartet" bezeichnete.

Viele Katholiken im Erzbistum wünschen sich einen weltoffenen Kirchenmann als Nachfolger. Erst vor einigen Monaten hatte eine Umfrage des Erzbistums ergeben, dass Meisners konservative Ansichten zu Ehe und Familie unter den Gläubigen überhaupt keinen Widerhall finden. Die Gläubigen sind demnach nahezu geschlossen gegenteiliger Ansicht, wenn es um Themen geht wie Scheidung, vorehelicher Sex, Verhütungsmittel oder homosexuelle Partnerschaften.

Der 1933 geborene Meisner, vormals Bischof von Berlin, war am 12. Februar 1989 als Erzbischof von Köln eingeführt worden. Seinen Abschied feiert er offiziell am 9. März. Dass Meisner den Papst um die Versetzung in den Ruhestand gebeten hatte, war seit Längerem bekannt. Im Erzbistum Köln leben über zwei Millionen Katholiken.

Quelle: n-tv.de

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