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George Kardinal Pell und Papst Benedikt XVI. beim Weltjugendtag 2008 in Sydney.
George Kardinal Pell und Papst Benedikt XVI. beim Weltjugendtag 2008 in Sydney.(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Rücktritt wirkt destabilisierend": Kardinal kritisiert Benedikt

Ausgerechnet am letzten Tag von Benedikt XVI. als amtierender Papst kritisiert der australische Kardinal Pell dessen Rücktritt als "Bruch mit der Tradition". Über Benedikt XVI. sagt der Erzbischof von Sydney, Regieren sei "nicht seine Stärke" gewesen. Pell gilt als möglicher nächster Papst.

Der ranghöchste australische Geistliche, George Kardinal Pell, hat die Entscheidung von Papst Benedikt XVI. zum Amtsverzicht kritisiert. Der 85-Jährige mache es damit seinen Nachfolgern schwer, weil "Menschen, die mit einem der kommenden Päpste nicht einverstanden sind, jetzt Kampagnen für ihren Rücktritt anstoßen können", sagte Pell im australischen Fernsehen. Benedikt XVI. sei sich "sehr bewusst" darüber, dass sein Rücktritt ein "Bruch mit der Tradition" sei und auf die Kirche "eher destabilisierend" wirke.

Kardinal Pell, der mit seinen 71 Jahren am Konklave zur Wahl eines Papstnachfolgers teilnehmen darf, kritisierte zudem, der scheidende deutsche Papst sei zwar ein "brillanter Lehrer", aber "Regieren war nicht seine Stärke". Die katholische Kirche brauche nun einen Nachfolger, "der sie führen und wieder ein bisschen enger zusammenbringen kann".

Nach Ansicht des Papst-Biografen Andreas Englisch ist Pell ein möglicher Benedikt-Nachfolger. Pell ist Erzbischof von Sydney und gilt als progressiv in sozialen Fragen, bei Glaubens- und Moralfragen ist er eher konservativ einzustufen.

Kritik auch von deutschem Kardinal

Benedikt XVI. hatte seinen Amtsverzicht vor gut zwei Wochen überraschend bekanntgegeben. Sein knapp achtjähriges Pontifikat endet an diesem Donnerstag um 20.00 Uhr, bereits um 17.00 Uhr will er aber per Hubschrauber den Vatikan verlassen, um sich für einige Wochen in die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo nahe Rom zu begeben.

Kritik am Rücktritt kam auch aus den Reihen der deutschen Kardinäle. Berlins Erzbischof Rainer Maria Woelki sagte, dieser Rücktritt habe das ganze Amt "entzaubert". Es handle sich um eine "Entmystifizierung des Papst-Amtes". Bisher seien alle Gläubigen damit aufgewachsen, dass ein katholisches Kirchenoberhaupt bis zu seinem Tod im Amt bleibe.

Deutsche Kardinäle ohne Festlegung

Die sechs wahlberechtigten deutschen Kardinäle werden ohne eine Vorfestlegung auf mögliche Favoriten in das Konklave zur Wahl des Nachfolgers von Papst Benedikt XVI. gehen. Wie der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, in der ARD sagte, seien auf der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe vergangene Woche in Trier keine Absprachen zur Papstwahl getroffen worden. "Wir haben selbstverständlich über die Wahl gesprochen, aber wir haben nun nicht über Namen miteinander gesprochen", sagte Zollitsch.

"Er muss in meinen Augen kein Europäer sein, aber kann auch ein Europäer sein", sagte der Freiburger Erzbischof zu Forderungen, dass nun zum ersten Mal ein Papst etwa aus Afrika oder Südamerika gewählt werden sollte. Wenn der richtige Mann gefunden werde, sei ganz egal, von welchem Kontinent er stamme, sagte Zollitsch.

Benedikt nimmt Abschied von Kardinälen

Unterdessen nahm Benedikt XVI. Abschied von den Kardinälen. Wenige Stunden vor dem Ende seiner Amtszeit traf er am Vormittag in der Sala Clementina des Apostolischen Palastes mit den Purpurträgern zusammen, die für die Vorbereitungen auf das im März anstehende Konklave bereits in Rom sind. Benedikt betrat unter dem Applaus der Kardinäle den Raum, der Dekan des Kardinalskollegiums, Angelo Sodano, bedankte sich in einer kurzen Ansprache bei Benedikt. Anschließend schüttelte er jedem einzelnen Kardinal die Hand und wechselte ein paar Worte mit ihnen.

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Quelle: n-tv.de

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