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US-Kardinal Roger Mahony ist wegen der Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen umstritten.
US-Kardinal Roger Mahony ist wegen der Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen umstritten.(Foto: picture alliance / dpa)

Verwicklung in Missbrauchsskandal: Kardinal soll nicht zur Papstwahl

Eine mehr als 20 Jahre zurückliegende Tat sorgt für neue Aufregung: Wegen der versuchten Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen fordern US-Katholiken den Ausschluss eines Kardinals von der Papstwahl. Dazu gezwungen werden kann der Geistliche jedoch nicht.

Eine Vereinigung von US-Katholiken will die Teilnahme des früheren Erzbischofs von Los Angeles, Kardinal Roger Mahony, an der Wahl des neuen Papstes verhindern. Mahony solle dem Konklave wegen seiner "Verwicklung in den Missbrauchsskandal der Kirche" fernbleiben, hieß es in einer im Internet einsehbaren Petition der Catholics United. Der Vatikan kann Mahony die Teilnahme an der Versammlung der Kardinäle allerdings nicht verbieten. 

Mahony ist 76 Jahre alt und einer der 117 wahlberechtigten Geistlichen, die nach dem für das Monatsende angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt XVI. bis Ostern einen Nachfolger bestimmen sollen.

Als Erzbischof von Los Angeles soll Mahony in den 1980er Jahren Vorwürfe des Missbrauchs gegen dutzende Priester seiner Diözese vertuscht haben. Anfang 2011 trat er aus Altersgründen von seinem Bischofsamt zurück. Im Januar entzog ihm sein Nachfolger José Gomez sämtliche kirchliche Aufgaben. Gomez unterstützt jedoch Mahonys Teilnahme am Konklave.

Die Organisation Catholics United argumentiert dagegen, das "vom Erzbischof von Los Angeles verhängte Verbot der Ausübung öffentlicher Ämter" solle für Mahony ein "Hinweis" darauf sein, dass er nicht an der nächsten Papstwahl teilnehmen sollte.

Römischer Kardinal pocht auf Einhaltung der Regeln

Kardinal Mahony habe "das Recht zur Teilnahme" an dem Konklave, sagte indes der römische Kardinal Velasio De Paolis, einer der prominentesten Kirchenrechtler, der Tageszeitung "La Repubblica". "Dies ist eine verwirrende Situation, aber die Regeln müssen eingehalten werden." Allenfalls könne Mahony mittels einer privaten Intervention "mit hoher Autorität" den Rat bekommen, "nicht teilzunehmen". Die in derartigen Fällen "gängige Praxis" sei die der "Überzeugung". Im Endeffekt werde es dem "Gewissen" Mahonys obliegen, die Entscheidung zu treffen.

Das Erzbistum Los Angeles erklärte sich 2007 bereit, an 500 Missbrauchsopfer insgesamt 660 Mio. Dollar (494 Mio. Euro) zu zahlen. Zugleich wurde die Veröffentlichung von Dokumenten über Geistliche zugesagt, die in Missbrauchsfälle verstrickt waren. In Zeitungsberichten wurden später vertrauliche Nachrichten zwischen Mahony und einem Berater enthüllt, in denen es um Möglichkeiten ging, wie pädophile Priester vor dem Zugriff der Polizei bewahrt werden könnten.

Quelle: n-tv.de

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