Panorama
(Foto: AP/dpa)

Nach Vorwürfen sexueller Belästigung: Kardinal tritt zurück

Kurz vor der Wahl eines neuen Papstes muss ein Mitglied des Kardinalskollegiums gehen. Der Erzbischof von Edinburgh tritt unter dem Druck von Vorwürfen "unangemessenen" Verhaltens zurück. Kardinal O'Brien soll mindestens einem Priesteranwärter zu nahe getreten sein.

Der ranghöchste Vertreter der Katholiken in Großbritannien, Keith Kardinal O'Brien, ist nach Vorwürfen "unangemessenen" Verhaltens gegenüber jungen Priestern zurückgetreten. Er legte das Amt des Erzbischofs von St. Andrews und Edinburgh nieder, teilte das Erzbistum mit.

Er werde auch nicht an der bevorstehenden Wahl des neuen Papstes teilnehmen, sagte O'Brien. Er behält nach seinem Rücktritt den Kardinalstitel, gibt seinen Erzbischofssitz in Schottland jedoch auf. Sein Verzicht auf die Teilnahme an dem Konklave bedeutet, dass Großbritannien jetzt bei der Wahl des neuen Papstes nicht vertreten sein wird.

Am Sonntag waren Vorwürfe gegen den 74-Jährigen laut geworden. Drei Priester seiner schottischen Diözese und ein ehemaliger Priester hatten sich an den Vatikan gewandt. In einem Fall hatte es geheißen, der Erzbischof sei einem Priesteranwärter seines Seminars nach Abendgebeten in "unangemessener" Weise nähergekommen. Einer der Beschwerdeführer gab an, er habe die Priesterwürde zurückgegeben, als O'Brien zum Bischof geweiht wurde. Nach einem Bericht der Sonntagszeitung "The Observer" geht es um Vorkommnisse vor 33 Jahren.

Erklärter Feind der Homo-Ehe

"Der Heilige Vater hat entschieden, dass mein Rücktritt mit dem heutigen Tag wirksam wird", teilte O'Brien in Edinburgh mit. Auf die jüngsten Vorwürfe ging er nicht ein. Sein Rücktrittsgesuch begründete O'Brien mit seiner Gesundheit. Im März hätte er nach üblicher Praxis in der katholischen Kirche ohnehin ein Gesuch einreichen müssen, ihn von seinen Pflichten zu entbinden, weil er dann 75 Jahre alt wird. Seinen Rückzug vom Konklave begründete er damit, dass er keine Medienaufmerksamkeit in Rom auf seine Person lenken wolle. Diese sollte Papst Benedikt und dessen Nachfolger gelten.

O'Brien hatte zuletzt mit der Forderung nach Aufhebung des Zölibats für Aufsehen gesorgt. Katholische Priester sollten selbst entscheiden dürfen, ob sie heiraten wollen oder nicht. Zuvor war er als scharfer Gegner von Reformen aufgetreten, etwa als erklärter Feind der Home-Ehe.

Die drei Priester hatten sich mit ihren Vorwürfen Anfang Februar an den vatikanischen Botschafter in Großbritannien, Antonio Mennini, gewandt, der sie nach Rom weiterreichte. Dies geschah offenbar, bevor Benedikt XVI. am 11. Februar seinen Rücktritt bekanntgab. O'Brien stellte sein Rücktrittsgesuch nach eigenen Angaben am 18. Februar.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen