Chirurgie besonders betroffenKassen finden viele Kunstfehler

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen begutachtet mehr als 12.500 mögliche Behandlungsfehler - und findet den Vorwurf in jedem dritten Fall bestätigt. Allerdings ist dies wohl nur die "Spitze des Eisbergs". In drei von vier bestätigten Fällen führt der Kunstfehler zu einem Gesundheitsschaden
Die Krankenkassen haben im vergangenen Jahr rund 4070 Behandlungsfehler in Kliniken und Arztpraxen festgestellt. Die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Kassen (MDK) begutachteten 12.686 entsprechende Vorwürfe, wie der MDK mitteilte. Damit bestätigte sich jeder dritte Vorwurf eines Behandlungsfehlers als berechtigt (32,1 Prozent).
Zwei Drittel der Vorwürfe richteten sich laut MDK gegen Krankenhäuser, rund ein Drittel gegen niedergelassene Ärzte. Am häufigsten wurde dabei der Chirurgie Fehler vorgeworfen. "Viele Vorwürfe bedeuten aber nicht automatisch auch viele Behandlungsfehler", erklärte Astrid Zobel vom MDK Bayern. Im Verhältnis zur Zahl der Vorwürfe würden die meisten Behandlungsfehler aber in der Pflege, in der Zahnmedizin sowie in der Gynäkologie und Geburtshilfe bestätigt. Dies erlaube aber keine Rückschlüsse auf die Behandlungsqualität.
Bei Krankheiten betrafen laut MDK die meisten Behandlungsfehler die Kniegelenks- und Hüftgelenksarthrose und Zahnkaries. Bei den Eingriffen kamen die meisten Fehler beim Hüftgelenksersatz vor. In drei von vier bestätigten Fällen führte der Kunstfehler zu einem Gesundheitsschaden.
"Nur die Spitze des Eisbergs"
"Jeder Behandlungsfehler ist einer zuviel", erklärte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU). Er sehe aber die Regierung durch das vergangene Woche in den Bundestag eingebrachte Patientenrechtegesetz "auf einem guten Weg". Ziel sei es nämlich, Behandlungsfehler so weit wie möglich zu vermeiden. Ein wichtiger Faktor dabei sei es, aus Fehlern zu lernen. "Deshalb wollen wir mit Risikomanagement- und Fehlermeldesystemen die Fehlerkultur zum festen Bestandteil des Behandlungsgeschehens machen", erklärte Zöller.
Die Grünen-Abgeordnete Maria Klein-Schmeink zeigte sich überzeugt, dass die vom MDK vorgelegten Zahlen zu Behandlungsfehlern "nur die Spitze des Eisbergs" seien. "Nach wie vor fehlt eine lückenlose Transparenz", erklärte die Sprecherin für Prävention und Patientenrechte. Es sei unverständlich, warum die Bundesregierung für die von Behandlungsfehlern Betroffenen keine wirklichen Erleichterungen im Patientenrechtegesetz vorsehe.