Panorama

Millionen-Deal mit der ARDKassierte Gottschalk fürs Däumchendrehen?

26.05.2015, 13:55 Uhr
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Kassierte Thomas Gottschalk von der ARD 2,7 Millionen Euro für nichts und wieder nichts? (Foto: imago stock&people)

Sein Vorabend-Talk "Gottschalk live" floppte. Schon nach 70 Sendungen war Schluss, Geld floss offenbar trotzdem weiter an den Star-Moderator. Wieviel genau, das belegen Dokumente, die dem Gebührenzahler gar nicht gefallen dürften.

Tom Buhrow steht unter Druck. Der Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR) muss erklären, warum die öffentlich-rechtliche Anstalt über zwei Millionen Euro an Star-Moderator Thomas Gottschalk gezahlt hat, nachdem die ARD seine Abend-Talkshow "Gottschalk live" wegen katastrophaler Zuschauerquoten abgesetzt hatte.

Der Filmverband Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) hatte die angebliche Transaktion offengelegt. Ein Brief an Buhrow wirft die zentrale Frage auf, ob von den fünf Millionen Euro Honorar für Gottschalk, tatsächlich 2,7 Millionen Euro ohne erkennbare Gegenleistung gezahlt wurden.

Gut 32.000 Euro soll Gottschalk für die Moderation seiner 30-minütigen Sendung "Gottschalk live" kassiert haben. Das geht aus einem "Letter of Intent" hervor, den der Mediendienst kress veröffentlichte. Demnach hat sich Gottschalk aber auch bei einem vorzeitigen Aus der Sendung das vollständige Honorar vertraglich zusichern lassen. "Als Kostenrahmen für ca. 144 Sendungen a 25 - 30 einschließlich der Pilotsendungen wird in Abhängigkeit von dem noch abzustimmenden Sendungskonzept ein Produktionskostenbudget von bis zu 7,4 Millionen Euro sowie ein Moderatorenhonorar einschließlich aller Nebenkosten von bis zu 4,6 Millionen Euro jeweils zzgl. Umsatzsteuer, angestrebt", heißt es wörtlich in dem mit "Vertraulich" gezeichneten Dokument. Auch der Brief an Tom Buhrow ist auf der Homepage des Mediendienstes einsehbar.

Quote schlecht, Sendung abgesetzt

Zur Erinnerung: "Gottschalk live" ging am 23. Januar 2012 erstmals auf Sendung, aber schon nach 70 Sendungen kam am 6. Juni 2012 das Aus. Die 30-minütige Show konnte die Quotenvorgaben der ARD-Granden nie erfüllen.

Neben der AG Dok kritisierte auch die Deutsche Journalisten-Union (dju) den Gottschalk-Deal. Den dju-Vorsitzenden Ulrich Janßen zitiert kress: "Die öffentlich-rechtlichen Sender täten gut daran, die Arbeit freier Journalisten angemessen zu bezahlen und die Honorar-Etats entsprechend auszustatten. Auch den Stellenabbau und andere Kürzungen bei den Festangestellten sollten sie stoppen, um die Qualität des Programms zu sichern und auszubauen. Prominenz ist schließlich kein Qualitätsgarant."

Buhrow war übrigens selber weder an der Finanztransaktion, noch an der Vertragsaufsetzung beteiligt. Er war damals als "Tagesthemen"-Moderator beim NDR in Hamburg aktiv. Der Vertrag kam unter seiner Vorgängerin Monika Piel und deren ARD-Kollegen zustande.

Quelle: ntv.de, dsi

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