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Die Flugzeugentführung auf Zypern ist glimpflich zu Ende gegangen.
Die Flugzeugentführung auf Zypern ist glimpflich zu Ende gegangen.(Foto: dpa)

Flugzeugentführung beendet: Kidnapper trug eine Bombenattrappe

Wenige Stunden nach der Entführung eines Flugzeugs in Zypern gibt der Täter auf. Um seinen Bauch trägt er einen selbstgebastelten Gurt, der wie ein Sprengstoffgürtel aussehen sollte. Die Behörden stufen ihn als psychisch labil ein.

Nach einem sechsstündigem Nervenkrieg ist die Entführung einer ägyptischen Passagiermaschine in Zypern unblutig zu Ende gegangen. Sicherheitskräfte nahmen den Entführer auf dem Flughafen von Larnaka fest. Der Airbus A320 der Gesellschaft Egyptair war am Morgen auf einem Inlandsflug von Alexandria nach Kairo entführt worden. Passagiere und Crew blieben unverletzt.

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Der Entführer hatte im Flugzeug mit der Zündung eines Sprengstoffgürtels gedroht. Dieser stellte sich jedoch als Bombenattrappe heraus. Nach Angaben des zyprischen Außenministers Ioannis Kassoulides habe der Kidnapper mehrere Handy-Hüllen miteinander verbunden, sie mitsamt Kabeln in eine Art Gürtel gesteckt und dies als Sprengstoffgürtel ausgegeben, sagte Kassoulides. "Wir hatten diesen Verdacht, aber wollten auf Nummer sicher gehen."

Wie ein Korrespondent berichtete, verließ ein Mann das Flugzeug und ging mit erhobenen Händen über die Piste in Richtung zweier Anti-Terror-Polizisten. Die Beamten hätten den Mann zu Boden geworfen, intensiv durchsucht und abgeführt.

Täter aus Kairo stammen

Bei dem Entführer soll es sich dem ägyptischen Staatsfernsehen zufolge um den in Kairo lebenden Mann namens Seif al-Din M. handeln. Der mutmaßliche Täter ist dem Sender zufolge Inhaber einer Firma und im Jahr 1957 geboren.

Der 59-Jährige sei aus dem Jura-Studium an der Universität geflogen und der Polizei wegen einer langen Liste von Straftaten bekannt, erklärte das Innenministerium in Kairo. Er habe unter anderem Raubtaten begangen. Staatliche ägyptische Medien veröffentlichten Fotos von M., auf denen ein Mann mittleren Alters mit Brille zu sehen ist, der einen weißen Gürtel mit dicken Taschen trägt, aus dem Drähte herausragen.

Der Pilot des Flugzeuges Omar al-Gammal, sagte, der Entführer habe abnormal gewirkt. Er habe den vermeintlichen Sprengstoffgürtel als ernsthafte Bedrohung behandeln müssen.

Aus zyprischen Regierungskreisen verlautete, der Entführer befand sich in einem seelischen Ausnahmezustand und habe seine frühere zyprische Ehefrau sehen wollen. Zudem soll der Mann politisches Asyl auf Zypern beantragt und die Freilassung von Gefangenen in Ägypten verlangt haben. Dies stünde in einem Brief, den er aus dem Fenster der Maschine warf und den die Polizei übersetzen ließ.

Passagier seilt sich aus Cockpitfenster ab

Dem Zugriff waren stundenlange Verhandlungen mit einem eilends am Flughafen gebildeten Krisenstab vorausgegangen. Der Entführer hatte bereits kurz nach der Landung einen Großteil der vorwiegend ägyptischen Passagiere freigelassen. An Bord der Maschine waren nach ägyptischen Behördenangaben 55 Passagiere, darunter 21 Ausländer.

Ab Mittag waren nach Angaben des ägyptischen Luftfahrtministers Scherif Fathi noch drei Passagiere und vier Crewmitglieder in der Gewalt des Entführers. Vier von ihnen konnten die Maschine kurz vor der Aufgabe des Entführers verlassen - ein Mann kletterte dabei spektakulär aus einem Cockpitfenster und seilte sich von dort ab.

Auch wenn die Behörden einen terroristischen Hintergrund der Entführung schnell ausschlossen, nahmen sie die Drohungen dennoch sehr ernst: Der Flughafen von Larnaka wurde vorübergehend geschlossen, alle Flüge wurden zum weiter westlich gelegenen Flughafen Paphos umgeleitet. Die Maschine wurde zu einem gesonderten Stellplatz geleitet.

Die Flugzeugentführung lässt weitere Fragen zur Sicherheit an ägyptischen Flughäfen aufkommen. Ende Oktober war eine russische Maschine kurz nach dem Start im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich über der Sinai-Halbinsel abgestürzt. Alle 224 Menschen an Bord kamen ums Leben. Russland führte den Absturz auf einen Sprengsatz zurück. Die Terrormiliz Islamischer Staat erklärte, sie habe den Absturz herbeigeführt.

Quelle: n-tv.de

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