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Umzugskarton voller Aktenordner: Peter Fitzek (r.) beantwortet vor Prozessbeginn die Fragen der Reporter.
Umzugskarton voller Aktenordner: Peter Fitzek (r.) beantwortet vor Prozessbeginn die Fragen der Reporter.(Foto: dpa)
Donnerstag, 20. Oktober 2016

"Ich tue mein Bestes": "König von Deutschland" weint vor Gericht

Es geht um eine stattliche Summe: 1,3 Millionen Euro soll der Angeklagte, der sich selbst als "König von Deutschland" bezeichnet, zur Seite geschafft haben. Der angebliche Monarch beteuert seine Unschuld - und bricht im Gerichtssaal in Tränen aus.

Der selbst ernannte "König von Deutschland" hat sich zum Auftakt des Prozesses um Untreue in Millionenhöhe als "Handlanger vom Schöpfer" bezeichnet. Er habe neue Strukturen für das Gemeinwohl schaffen, sich aber nicht bereichern wollen. Das Geld sei ihm aufgedrängt worden.

Stilecht mit gesticktem Wappen auf der Brust (Klicken zum Vergrößern): Der Angeklagte vertritt nach eigener Auffassung das "Königreich Deutschland".
Stilecht mit gesticktem Wappen auf der Brust (Klicken zum Vergrößern): Der Angeklagte vertritt nach eigener Auffassung das "Königreich Deutschland".(Foto: dpa)

"Ich tue mein Bestes", sagte der 51-jährige Peter Fitzek unter Tränen vor dem Landgericht Halle. Der Mann aus Wittenberg hat laut Staatsanwaltschaft 1,3 Millionen Euro verschwinden lassen. Das Geld sollen ihm Anleger anvertraut haben. Der Angeklagte wies den Vorwurf entschieden zurück. Insgesamt soll Fitzek laut Anklage mit insgesamt 1,7 Millionen Euro im Internet illegal Geldgeschäfte getätigt haben. Die Mittel dafür stammen demnach von knapp 600 Anlegern.

"Reichsbürger sind ewig Gestrige"

Durch die tödlichen Schüsse von Georgensgmünd bekommt der Prozess in den Augen vieler Beobachter besondere Brisanz: Denn die Behörden in Sachsen-Anhalt rechnen Fitzek der sogenannten Reichsbürger-Bewegung zu. "Reichsbürger" leugnen die Existenz der Bundesrepublik und erkennt deren Gesetze nicht an. Fitzek ernannte sich selbst zum "König von Deutschland".

In Halle ging Fitzek zu dieser fragwürdigen Geisteshaltung auf Distanz: Vor Beginn der Verhandlung wehrte er sich vehement gegen den Eindruck, Teil der "Reichsbürger"-Bewegung zu sein. "Mit solchen Leuten habe ich nichts zu tun", betonte er. "Reichsbürger sind ewig Gestrige", erklärte der Angeklagte vor zahlreichen Medienvertretern.

Mehr als drei Jahre Haft?

Ohne Haftstrafe kommt der angeblich "König" diesmal wohl nicht davon: Die Richterin wies Fitzek zum Prozessauftakt darauf hin, dass bei einem umfassenden Geständnis aus ihrer Sicht eine Verurteilung zu drei bis dreieinhalb Jahren Haft möglich wäre. Das Landgericht hat zunächst Termine bis Februar anberaumt. Fitzek muss das Verfahren auf der Anklagebank in Fußfesseln verfolgen.

Der Prozess in Halle ist nicht die erste Begegnung von "König" Fitzek mit der deutschen Justiz. Im Frühjahr hatte das Amtsgericht Wittenberg den Mann bereits zu sieben Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Der Richter sah es als erwiesen an, dass Fitzek im Jahr 2014 Autofahrten ohne gültige Fahrerlaubnis unternommen hatte.

Bei einer Kontrolle durch die Polizei hatte er zudem versucht, sich mit einem gefälschten Führerschein auszuweisen, wie eine Gerichtssprecherin sagte. Das Urteil war zunächst noch nicht rechtskräftig. Fitzek wollte Rechtsmittel dagegen einlegen.

Bei einem anderen Verfahren in Dessau-Roßlau musste sich Fitzek ebenfalls wegen Fahrten ohne Führerschein verantworten. Der gelernte Koch hatte 2012 auf dem Gelände eines ehemaligen Krankenhauses seinen Fantasiestaat ausgerufen. Seitdem gerät er immer wieder mit der Justiz in Konflikt.

Wer sind die "Reichsbürger"?

"Zur 'Reichsbürgerbewegung' zählen uneinheitliche Gruppen und Einzelakteure, die sich selbst als 'Reichsbürger' bezeichnen. Unter den Anhängern dieser Strömung befinden sich Verschwörungstheoretiker ebenso wie Querulanten und Geschäftemacher, aber auch politisch Motivierte. Sie alle eint die Behauptung, das Deutsche Reich bestehe fort, sowie die Ablehnung der Bundesrepublik Deutschland." (Quelle: Bayerisches Landesamt für Verfassungsschutz)

 

Quelle: n-tv.de

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