Dienstag, 22. Dezember 2009
Zurück aus der Karibik: Laura Dekker droht Heim
Ihre Flucht in die Karibik ist beendet: Laura Dekker, die unbedingt alleine um die Welt segeln will, ist wieder in ihrer Heimat. Nun fragen sich alle, wie es weitergehen soll mit dem pubertierenden Mädchen.Die 14-jährige "Möchtegern-Weltumseglerin" Laura Dekker ist nach ihrer erzwungenen Rückkehr aus der Karibik in Holland von der Polizei empfangen worden. Sie wurde unmittelbar nach der Landung ihres Flugzeugs aus Curaçao auf dem Amsterdamer Airport Schiphol verhört. Später werde sie in die Obhut des Jugendamtes übergeben, sagte ein Polizeisprecher. Derweil erhoben Lauras Großeltern schwere Vorwürfe gegen das Jugendamt. Es habe das Mädchen mit Repressalien in die Flucht getrieben, erklärten sie.
Laura Dekker hat ihren eigenen Kopf.
Reporter, die Laura auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol erwarteten, wurden enttäuscht: Sie bekamen Hollands berühmtes "Segelmädchen" vorerst nicht zu sehen. Zu der Vernehmung war auch Lauras Vater gebeten worden, bei dem sie bislang wohnte. Die Eltern sind geschieden. Das Mädchen war am Donnerstag von zuhause ausgerissen. Nach Angaben aus dem Familienkreis war sie frustriert darüber, dass ein Gericht Ende Oktober ihre geplante Alleinumseglung der Welt als jüngster Mensch untersagt hatte.
Am Sonntag wurde die junge Seglerin auf der zum niederländischen Königreich gehörenden Karibikinsel Sint Maarten festgenommen. Von dort aus musste sie am Montag in Begleitung eines Grenzschutzbeamten die Heimreise in die Niederlande antreten. Laura muss nun befürchten, dass die Behörden das Fürsorgerecht der geschiedenen Eltern noch weiter als bisher einschränken und ihr nicht mehr erlauben, bei ihrem Vater zu wohnen. In diesem Fall müsste Laura bis auf weiteres in ein Heim. Der Rechtsanwalt der Familie versucht, das zu verhindern.
Vertrauen verloren
Die Schuld an Lauras Verhalten hat nach Überzeugung der Großeltern väterlicherseits vor allem das Jugendamt. Die Behörde habe ihre Enkeltochter mit der Durchsetzung des Verbots ihrer geplanten Weltumseglung und den damit verbundenen Auflagen "mürbe gemacht", schrieben Dick und Riek Dekker in einem Beitrag für die Zeitung "de Volkskrant". "Seit sich das Jugendamt einmischte, haben wir zusehen müssen, wie sich Laura in wenigen Monaten von einem unternehmungslustigen und positiven Teenager in ein Mädchen verwandelte, das sich abschottet und kein Vertrauen mehr zu den Erwachsenen hat."
Die Polizei will nach eigenen Angaben von Laura vor allem wissen, auf welche Weise sie nach Sint Maarten gelangt ist und ob ihr jemand dabei geholfen hat. "In den Niederlanden wäre eine Minderjährige ohne Bescheinigung, dass sie allein reisen darf, niemals an der Passkontrolle vorbeigekommen", sagte ein Sprecher des Grenzschutzes. Solche Bestimmungen gebe es allerdings überall in der EU. Auch das Jugendamt verlangt eine lückenlose Klärung, wie es der 14-Jährigen gelingen konnte, in die Karibik zu fliegen, obwohl sie bereits seit Monaten unter behördlicher Aufsicht steht.
Laura war Ende Oktober vom Familiengericht in Utrecht vorerst bis zum 1. Juli 2010 unter die Vormundschaft des Amtes für Kinder- und Jugendschutz gestellt worden. Das Gericht hatte Lauras Eltern ausdrücklich untersagt, die 14-Jährige zu der geplanten Weltumseglung aufbrechen zu lassen. Als Hauptgrund gab eine Richterin an, dass ein so schwieriger Solo-Segeltörn derzeit noch "Lauras Gesundheit und ihre geistige Entwicklung gefährden" könne.
dpa
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