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Der Papst im Vatikan.
Der Papst im Vatikan.(Foto: dpa)

"Die Kirche nachhaltig geprägt": Letzter Jubel für den Papst

Joseph Ratzinger gibt sein Amt ab und wird noch einmal von allen Seiten gelobt. Sie werde noch lange an seine Worte denken, sagt etwa Kanzlerin Merkel. Von anderen Kirchenoberhäuptern wird der politische Kurs des Papstes gewürdigt. Einen neuen Titel hat Ratzinger auch schon: Er wird zum "größten Sohn Bayerns" ausgerufen.

Der Weltjugendtag 2005 in Köln war die erste offizielle Auslandsreise des Papstes.
Der Weltjugendtag 2005 in Köln war die erste offizielle Auslandsreise des Papstes.(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Wir deutschen Bischöfe danken dem Heiligen Vater für seinen Dienst auf dem Stuhl Petri und sind erfüllt von großem Respekt und von Bewunderung für seine Entscheidung", schreibt die Deutsche Bischofskonferenz, das höchste Gremium der katholischen Kirche in Deutschland in ihrer Reaktion auf den Papst-Rücktritt. Weltweit reagieren Politiker und Kirchenvertreter auf die Ankündigung Papst Benedikts XVI., sein Amt zum Ende des Monats niederzulegen. Der 85-Jährige sagte bei einer Vollversammlung der Kardinäle in einer auf lateinisch gehaltenen Rede, aufgrund seines Alters habe er nicht mehr "die Kraft", die katholische Kirche zu führen. Es ist das erste Mal seit Jahrhunderten, dass ein Papst von seinem Amt zurücktritt.

Die deutschen Bischöfe erinnern an die drei Deutschland-Besuche des gebürtigen Deutschen Joseph Ratzinger während seines Pontifikats: Zum Weltjugendtag 2005 war er in Köln, 2006 besuchte er seine Heimat Bayern und 2011 absolvierte er einen offiziellen Staatsbesuch mit Stationen in Berlin, Erfurt, dem Eichsfeld und Freiburg. Die Bischöfe sprechen von "unvergesslichen Momenten einer Pilgerreise, die die Kirche in Deutschland tief berührt hat." Der Vorsitzende Robert Zollitsch sagte: "Er wird uns fehlen." Aber es werde "viel von ihm bleiben, denn Theologie und Kirche hat er nachhaltig geprägt, als Brückenbauer, als Hirte seiner Herde, als Wissenschaftler und Lehrer".

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Bundeskanzlerin Angela Merkel zollte dem Papst höchsten Respekt für seinen Rücktritt und würdigte ihn als einen der bedeutendsten religiösen Denker der Gegenwart. In Zeitalter des immer längeren Lebens könnten viele Menschen nachvollziehen, dass sich auch der Papst mit den Bürden des Alterns auseinandersetzen müsse. Unvergessen bleibe seine Ansprache im September 2011 im Bundestag, sagte Merkel. "Er beschrieb darin unsere grundlegende Aufgabe als Politiker: dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren." Daran werde sie lange denken. Benedikt habe die Herzen der Gläubigen erreicht und Juden wie Muslimen die Hand gereicht.

Verdienste im Dialog der Religionen

2009 hatte Merkel in einem ungewöhnlichen Schritt den Papst kritisiert. Er hatte zuvor die Rücknahme der Exkommunikation von vier Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius bekanntgegeben, darunter Richard Williamson. Dieser Schritt hatte vor allem bei Juden weltweit Empörung ausgelöst. Merkel forderte damals eine Klarstellung. Wenn durch eine Entscheidung des Vatikans der Eindruck entstehe, dass der Holocaust geleugnet werden könne und es um grundsätzliche Fragen zum Umgang mit dem Judentum gehe, dürfe dies nicht ohne Folgen bleiben, sagte sie damals.

Israels Oberrabbiner Yona Metzger lobt die Verdienste Benedikts im Dialog zwischen den großen Religionen. "Während seiner Amtszeit gab es die besten Beziehungen zwischen der Kirche und dem Oberrabbinat. Wir hoffen, dass sich das fortsetzt", ließ Metzger über seinen Sprecher ausrichten. "Er verdient ein hohes Ansehen für den Ausbau der interreligiösen Verbindungen zwischen Judentum, Christentum und Islam." Metzger wünschte dem Papst "viel Gesundheit und ein langes Leben".

Papst-Kritiker Küng: Benedikt sicherte konservative Nachfolge.
Papst-Kritiker Küng: Benedikt sicherte konservative Nachfolge.(Foto: dpa)

Das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, Erzbischof Justin Welby äußerte sein Verständnis für den Rücktritt. "Wir haben heute Morgen mit schwerem Herzen aber großem Verständnis die Entscheidung des Papstes aufgenommen, die Bürden des Amtes als Bischof von Rom abzulegen, ein Amt, das er mit großer Würde, Einsicht und Mut ausgefüllt hat", sagte er. "Wir beten, dass Gott ihn im Ruhestand mit Gesundheit und Frieden beschenkt, und wir vertrauen die dem Heiligen Geist an, die nun die Verantwortung übernehmen, seinen Nachfolger zu wählen."

Lösung der Krise nicht in Sicht

Auch Bundespräsident Joachim Gauck trat zu einem Statement vor die Kameras und wünschte dem Papst einen gesegneten Lebensabend. "Sein Glaube, seine Weisheit und seine menschliche Bescheidenheit haben mich tief beeindruckt", so Gauck. Benedikt habe es verstanden, "hohe theologische Bildung" mit "einfacher Sprache" zu verbinden und habe so viele Menschen zum Glauben ermutigt. Zur deutschen Herkunft des Papstes sagte der Bundespräsident: "Er bliebt im Herzen immer mit seiner Heimat verbunden." Als "größten Sohn Bayerns" in der mehr als tausendjährigen Geschichte des Landes würdigte der langjährige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber den Papst.

Kritische Worte kommen von den Grünen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Volker Beck, kritisierte auf seine Facebook-Seite: "Das Pontifikat von Papst Benedikt XVI. war eine verpasste Chance." Seine Worte gegen Homosexuelle seien ein Angriff auf den säkularen Verfassungsstaat, auf die Menschenrechte und eine humanistisch orientierte Werteordnung gewesen.

Auch der Theologe und Papst-Kritiker Hans Küng übte Kritik. Benedikt XVI. habe in seiner Amtszeit so viele konservative Kardinäle berufen, dass unter ihnen kaum eine Person zu finden sei, "die die Kirche aus ihrer vielschichtigen Krise herausführen könnte". Der 84-Jährige betonte: "Zu hoffen ist aber, dass Ratzinger nicht Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers nimmt."

Quelle: n-tv.de

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