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Fragen und Antworten zum Skandal: Macht Pferdefleisch krank?

Lasagne, Bolognese, Tortelloni und Gulasch: Falsch etikettiertes Pferdefleisch scheint überall zu sein. Täglich kommen neue unappetitliche Details ans Licht. Verbraucher wurden getäuscht und sind dementsprechend verunsichert. Sind die Produkte gefährlich und darf Pferdefleisch überhaupt verkauft werden?

Darf Pferdefleisch überhaupt verkauft werden?

Ja. Grundsätzlich ist es zulässig, Fleisch von gesund geschlachteten Pferden zu vermarkten und zu verarbeiten. Pferd war früher ein ganz normales Nahrungsmittel, der Rheinische Sauerbraten wird traditionell aus dem Huftier zubereitet. Auch in Deutschland gibt es nach wie vor einige wenige Pferdemetzgereien. Im Branchenbuch sind rund 70 Rossschlachtereien eingetragen.

Ist Pferdefleisch billiger als Rindfleisch?

Nein. Legal gehandeltes Pferdefleisch kann nach Expertenmeinung nicht viel billiger sein als Rindfleisch. Allerdings spielt das Produkt auf dem Markt eine so geringe Rolle, dass selbst Branchenkenner bei der Frage nach dem genauen Preis für Pferdefleisch passen. Dem deutschen Fleischer-Verband (DFV) etwa liegen keine bundesweiten Zahlen dazu vor. Man könne sich aber nicht vorstellen, dass Pferdefleisch zu einem Bruchteil des Preises für Rind legal gehandelt wird, heißt es seitens des DFV. Die ohnehin wenigen Liebhaber des Produktes achteten daher mehr auf Qualität. Pferdefleisch werde als hochwertiges Lebensmittel angesehen und nicht verramscht.

Da die Preise aber regional schwanken können, ist es denkbar, dass ein Händler mit billigem Fleisch auch mal ein Schnäppchen machen könne. Dieser Verdacht liegt beim aktuellen Skandal nahe.

Ist es gefährlich, Pferdefleisch zu essen?

Nein. Grundsätzlich gilt Pferdefleisch als sehr gesund. In vielen Ländern ist es sogar eine Delikatesse. Problematisch ist aber, dass das illegal in Fertiggerichten verarbeitete Pferdefleisch belastet sein könnte. Die Arzeimittelkommission Deutscher Apotheker warnte vor dem Medikament Phenylbutazon, das in exportiertem Pferdefleisch aus Großbritannien entdeckt wurde. Als Nebenwirkungen seien schwere allergische Reaktionen oder Blutbildschäden möglich.

Im vergangenen Jahr wurde zudem deutlich häufiger vor Pferdefleisch gewarnt als vor anderen Fleischarten. Das EU-Schnellwarnsystem RASFF, welches Lebensmittelwarnungen aus ganz Europa sammelt, veröffentlichte 2012 insgesamt 30 Warnungen zu Pferdefleisch. So wurden zum Beispiel zu hohe Cadmiumwerte nachgewiesen. Zudem können Pferde, wie auch Schweine und Wildschweine, an Trichinellose erkranken, eine parasitäre Erkrankung, die beispielsweise über nicht ausreichend erhitztes Fleisch auf den Menschen übertragen werden kann. In Frankreich und Italien gab es in den vergangenen zwanzig Jahren trotz EU-weit vorgeschriebenen Kontrollen immer wieder durch Pferdefleisch übertragene Trichinellosefälle.

Was sind das für Pferde, die beim Pferdemetzger landen?

In der Europäischen Union müssen Pferde seit 2000 eine Art Personalausweis, einen so genannten "Equidenpass", tragen. Er weist aus, ob es sich bei dem Tier um ein Lebensmittelpferd oder ein Nichtlebensmittelpferd handelt. Der Pass muss innerhalb der ersten sechs Lebensmonate ausgestellt werden. Wird das versäumt, darf das Tier nicht mehr geschlachtet werden. Es ist jederzeit möglich, den Passeintrag von "Lebensmittelpferd" auf "Nichtlebensmittelpferd" zu ändern, umgekehrt ist dies jedoch ausdrücklich verboten. Bevor ein Fleischer das Tier schlachten kann, muss er sicherstellen, dass das Pferd tatsächlich eingetragenes Schlachtvieh ist. Außerdem muss der Besitzer schriftlich bestätigen, dass das Tier zwölf Monate vor seinem Tod keine Medikamente erhalten hat.

Dennoch werden in Pferdefleisch nach Angaben von Verbraucherschützern häufig Medikamente wie das Asthma-Mittel Clenbuterol oder das Rheuma-Medikament Phenylbutazon gefunden, die in Lebensmitteln nicht erlaubt sind, Medikamente, die aber häufig bei Pferden therapeutisch oder als Dopingmittel benutzt werden. Nach Ansicht der Verbraucherschützer zeigt dies, dass die bestehende Regelung zur Trennung von Pferden in Lebensmittel- und Nichtlebensmitteltiere nicht funktioniert.

Wie wird das Fleisch gekennzeichnet?

Bei verpackten Lebensmitteln muss in der Verkehrsbezeichnung oder in der Zutatenliste die Tierart angegeben werden, von der das verwendete Fleisch stammt. Wird also in der Lasagne Pferdefleisch verwendet ohne entsprechende Angabe, ist das "Rosstäuscherei". Dagegen ist der Begriff "Rossbratwurst" eindeutig. Hamburger bzw. Beefburger werden nach den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuches für Fleisch und Fleischwaren aus Rindfleisch hergestellt, bei dem die Sehnen entfernt wurden. Schweine- oder Pferdefleisch zu verwenden, wäre also in diesem Fall nicht zulässig und eine Irreführung.

Wie viele Pferde werden in Deutschland geschlachtet?

In Deutschland kommt Pferdefleisch eher selten auf den Teller. 2011 wurden in der Bundesrepublik nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 11.200 Pferde geschlachtet. Meist spezialisierte Rossschlachter Produkte aus dem Fleisch von Schlachtpferden an, seit einer Gesetzesänderung in den 90er Jahren sind auch andere Fleischereien dazu berechtigt. Pferdefleisch wird vor allem als Grillwurst, Gulasch oder Roulade konsumiert. Auch für den Rheinischen Sauerbraten wird in der authentischen Zubereitung nicht Rindfleisch, sondern das zartere und fettärmere Pferdefleisch verwendet.

Im vergangenen Jahr aß jeder Bundesbürger durchschnittlich 100 Gramm Pferdefleisch. Zum Vergleich: Insgesamt verzehrten die Deutschen durchschnittlich 89 Kilogramm Fleisch. Italien liegt europaweit mit 900 Gramm jährlichem Pro-Kopf-Verbrauch noch vor traditionellen Pferdefleischländern wie Belgien und Frankreich.

Was kann der Verbraucher tun?

Die Kunden können beim täglichen Einkauf mit dem Griff ins Regal abstimmen. Preis oder Qualität? Laut einer Umfrage für das Verbraucherministerium ist 89 Prozent der Deutschen "sehr wichtig" oder "wichtig", dass Lebensmittel aus tiergerechter Haltung stammen. Es folgen regionale Herkunft (67 Prozent) und der Preis (66 Prozent).

Die Verbraucher seien bereit, für Qualität mehr Geld zu bezahlen, sagt Handelsexperte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Aber dies müsse auch erkennbar sein. Bestes Beispiel seien Eier, bei denen Haltung am Boden und im Freiland dank Kennzeichnung inzwischen absolut dominiere. Wenn keine Unterschiede in Produktion und Qualität zu erkennen seien, werde der Preis aber schnell zum ausschlaggebenden Argument. Allerdings müssten auch billige Lebensmittel einwandfrei sein. "Den Umkehrschluss, teurer ist immer besser, kann man auch nicht so stehen lassen."

Solange es keine regionale Kennzeichnungspflicht und bessere Etiketten gibt, hilft also nur gesundes Misstrauen. Meistens sind regional erzeugte Produkte besser. Generell gilt: Wer Billigware kauft, hat ein höheres Risiko, schlechtere Qualität zu bekommen. Es gibt aber auch billige Lebensmittel in guter Qualität und umgekehrt.

Quelle: n-tv.de

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