Panorama

Prozess um dreifachen Kindsmord"Maskenmann" steht vor Gericht

10.10.2011, 12:01 Uhr
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Eine Phantomzeichnung des "Maskenmanns". (Foto: picture alliance / dpa)

Drei Kinder hat Martin N. auf dem Gewissen. Mit einer Maske getarnt hatte der Pädagoge die Jungen aus Internaten und Zeltlagern entführt und getötet. Nun beginnt in Stade der Prozess gegen den 40-Jährigen. Dabei geht es auch um rund 40 Missbrauchsfälle - und um Polizei-Pannen bei den Ermittlungen gegen den Mann.

In Stade hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder und Kinderschänder Martin N. begonnen. Der 40-jährige gebürtige Bremer habe aus niedrigen Beweggründen getötet, um andere Straftaten zu vertuschen, sagte der Staatsanwalt bei der Anklageverlesung vor dem Landgericht.

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In einem Gefangenentransporter bringt die Polizei Martin N. zum Landgericht Stade. (Foto: dapd)

Der Pädagoge hatte kurz nach seiner Festnahme in Hamburg gestanden, zwischen 1992 und 2001 drei Jungen in Norddeutschland entführt und später ermordet sowie rund 40 missbraucht zu haben. Die Hälfte der sexuellen Übergriffe ist inzwischen aber verjährt. Angeklagt ist er wegen insgesamt 23 Straftaten. Martin N. erschien mit einem langen Bart und teilweise ergrautem Haar im Gerichtssaal und verfolgte die Ausführungen der Staatsanwaltschaft weitgehend regungslos.

Maske als Tarnung

Viele Jahre hatte die Polizei vergeblich nach dem als "Maskenmann" bekanntgewordenen Serientäter gesucht. Dieser hatte sich getarnt mit einer Maske nachts in Kinderzimmer, Schullandheime und Zeltlager geschlichen und sich an Jungen vergangen. Drei seiner Opfer entführte und tötete er. Den 13-jährigen Stefan holte er 1992 aus einem Internat in Scheeßel (Kreis Rotenburg), den achtjährigen Dennis R. 1995 aus einem Zeltlager bei Schleswig und den neunjährigen Dennis K. aus einem Schullandheim nahe Bremerhaven.

Die Eltern der drei getöteten Jungen und ein Missbrauchsopfer treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Sie erschien am ersten Verhandlungstag im Gerichtssaal. Bis Anfang Dezember hat die Kammer zehn weitere Termine angesetzt.

Staatsanwaltschaft wischt Zweifel beiseite

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Großer Auflauf vor dem Eingang zum Gerichtsgebäude. (Foto: dapd)

Möglichen Pannen bei den Ermittlungen maß die Staatsanwaltschaft Stade nur eine geringe Bedeutung zu. "Wir sind bestens aufgestellt", meinte Behördensprecher Kai Thomas Breas. Sollten tatsächlich Akten nicht mehr vorhanden sein, sei das "völlig nebensächlich".

Der NDR hatte berichtet, Polizei und Staatsanwaltschaft hätten in Bremen und Bremervörde Akten vernichtet, obwohl die entsprechenden Taten zu dem Zeitpunkt noch nicht verjährt gewesen seien. Außerdem habe die Bremer Polizei eine öffentliche Warnung der Bevölkerung abgelehnt, die Eltern in Bremen gefordert hatten, nachdem dort in kurzer Zeit siebenmal Jungen im Stadtteil Lehe missbraucht worden waren. Breas konnte konkret zu diesen Vorwürfen keine Stellungnahme abgeben und verwies auf die Ermittler in Bremen und Bremervörde.

Quelle: dpa