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Alles nur Zufall? Extremismusforscherin sieht Nazi-Codes in Edeka Spot.
Alles nur Zufall? Extremismusforscherin sieht Nazi-Codes in Edeka Spot.(Foto: Youtube/#zeitgeschehen edeka)

MU–SS 420 und SO-LL 3849: Nazi-Symbole im Edeka-Spot?

Edeka hat mit seinem Werbespot #Zeitgeschehen einen Nerv getroffen. Es geht um zwei Autokennzeichen, geheime Codes und einen brisanten Verdacht.

2014 tanzte Friedrich Lichtenstein zur Adventszeit in #Supergeil durch den Lebensmittelriesen Edeka. 2015 berührte ein einsamer Großvater die Gemüter. Und auch in diesem Jahr hat Edeka mit seinem Weihnachtswerbespot #Zeitgeschehen einen Nerv getroffen. Allerdings einen höchst empfindlichen. Grund für den Ärger sind zwei auf den ersten Blick eher harmlos erscheinende Autokennzeichen.

"Muss noch dies, muss noch das, muss noch jenes und irgendwas. Muss noch hier, muss noch da, muss noch viel viel mehr, blablabla", heißt es zu Beginn des eineinhalbminütigen Werbespots. Die besten Plätzchen backen, die Winterreifen draufmachen und die Weihnachtsdeko auf dem Dach befestigen - die To-do-Liste scheint unendlich. Nur die Kinder sind traurig. So muss ein kleines Mädchen vor der Schule warten, weil ihre Mutter noch Geschenke kaufen war. Das Auto, das schließlich vorfährt, hat das Kennzeichen MU–SS 420.

Kritiker sehen in der Buchstaben- und Zahlenkombination eine Anlehnung an die NS-Zeit. "SS" steht für die sogenannte Schutzstaffel von Adolf Hitler. In Deutschland ist es verboten, diese Buchstabenfolge auf Nummernschildern zu verwenden. "Da das verboten ist, ist es nicht vertretbar, das in einem Werbespot zu nutzen, auch wenn es sich um ein fiktives Kennzeichen handelt", sagt Sabine Bamberger-Stemmann, Chefin der Landeszentrale für politische Bildung in Hamburg, im Interview mit dem "Manager Magazin". Zudem erkennt Bamberger-Stemmann in der Zahlenfolge 420 einen klaren Zusammenhang der Zahl mit Hitlers Geburtstag am 20. April.

Alles nur Zufall?

In dem Clip taucht noch ein zweiter Wagen auf, der das Kennzeichen SO-LL 3849 trägt. Bei der Zahl 84 handele es sich laut Bamberger-Stemmann um einen Code für "Heil Deutschland". "Sie ist umrahmt von den Zahlen 3 und 9. Die 39 steht für 'Christliche Identität'. Dies bedeutet in rechten Kreisen im Umkehrschluss Antisemitismus", stellt die Extremismusexpertin fest.

Alles nur ein Missgeschick der beauftragten Werbeagentur Jung von Matt/Alster? Keineswegs, glaubt zumindest Bamberger-Stemmann. Aufgrund der Vielzahl der Codes, die auch in rechtsextremen Kreisen verwendet würden, sei ein Fauxpax auszuschließen.

Während sich die Macher des Spots noch bedeckt halten, reagierte Edeka inzwischen. "Bei dem Autokennzeichen MU-SS handelt es sich um ein Fantasiekennzeichen, angelehnt an den Titelsong in unserem Spot. Wir bedauern es, wenn hier ein falscher Eindruck erweckt wurde. Dies lag keinesfalls in unserer Absicht", sagte ein Sprecher gegenüber "Horizont".

Quelle: n-tv.de

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