Wieder TrittbrettfahrerNichts gefunden
Nach dem Blutbad im schwäbischen Winnenden halten Trittbrettfahrer die Polizei in Baden-Württemberg in Atem. Auch heute musste wieder eine Schule nach einer Amoklauf-Drohung in einem Internet-Chatroom geschlossen werden.
Nach dem Blutbad im schwäbischen Winnenden halten Trittbrettfahrer die Polizei in Baden-Württemberg in Atem. Auch am Freitag musste wieder eine Schule nach einer Amoklauf-Drohung in einem Internet-Chatroom geschlossen werden. Schüler und Lehrer der Realschule in Ilsfeld in der Nähe von Heilbronn seien gar nicht erst zum Unterricht in das Gebäude gelassen worden, sagte ein Polizeisprecher. Bei der Durchsuchung der Schule sei aber nichts gefunden worden.
Die Polizei hatte schon gleich nach dem Amoklauf in Winnenden, bei dem der 17-jährige Tim K. 15 Menschen und dann sich selbst erschoss, erklärt, in den kommenden Tagen sei mit Drohungen von Trittbrettfahrern zu rechnen.
Mehrere Trittbrettfahrer, eine Festnahme
Es habe seitdem zahlreiche Amok- oder Bombendrohungen gegeben, berichtete Landespolizeipräsident Erwin Hetger in Winnenden. In Freiburg wurde eine Schule nach einer Bombendrohung geräumt. In Schramberg nahm die Polizei einen 16-Jährigen fest, nachdem er einen Amoklauf an seiner Berufsschule angekündigt hatte.
Weitere Drohungen gab es laut Hetger in Pforzheim, im Raum Stuttgart, in Ulm, Metzingen und Esslingen. Alle Schulen würden verstärkt von der Polizei beobachtet. Kultusminister Helmut Rau (CDU) warnte, Amok-Drohungen seien keine "Dumme-Jungen-Streiche".
16-Jähriger festgenommen
Der 16-Jährige aus Schramberg hatte noch am Tag des Amoklaufs in Winnenden einen Brief an einen Mitschüler geschrieben und angekündigt, er werde an seiner Berufsschule Amok laufen. Er sei am Donnerstagmorgen festgenommen worden und habe die Tat gestanden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass der Schüler nicht wirklich zu dem Amoklauf entschlossen war. Der Schüler hatte nach ersten Ermittlungen im Internet eine Schilderung des Amoklaufs im Jahr 2002 an einem Gymnasium in Erfurt heruntergeladen und als Vorlage für seine Drohung genommen.
Als einfachen Scherz hat ein 20-Jähriger seine Amokdrohung gegen eine Schule in Esslingen gerechtfertigt. Die Polizei nahm den Mann fest, kurz nachdem er die Drohung im Internet veröffentlicht hatte. Die Gefahr eines Amoklaufs hatte an der Grund- und Hauptschule zuvor einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Gegen den 20-Jährigen wurde Haftbefehl beantragt. Er müsse mit strafrechtlichen Folgen rechnen und wohl auch für den Großeinsatz der Polizei an der Schule aufkommen, teilte die Behörde mit.
In Ulm sicherten Polizisten eine Schule, nachdem ein 18-Jähriger gegenüber Mitschülern von seiner "Todesliste" gesprochen hatte. Nach ersten Ermittlungen stufte die Polizei den Vorgang als Wichtigtuerei ein. Auch in Pforzheim versetzte ein Trittbrettfahrer die Polizei in Alarmbereitschaft. Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate kündigte ein Unbekannter einen Amoklauf an der Alfons-Kern-Schule an. Wurde die Berufsschule im vergangenen November noch geräumt, so sicherten Polizisten und Zivilbeamte am Donnerstag das Gebäude. "Wir sind wachsam", versicherte ein Sprecher.
Kurzer Prozess in Halberstadt
In Halberstadt (Sachsen-Anhalt) machte das Amtsgericht einen Tag nach dem Amoklauf von Winnenden kurzen Prozess mit einem Trittbrettfahrer und verurteilte einen 22-Jährigen zu fünf Monaten Haft auf Bewährung. Der junge Mann hatte am selben Tag per Notruf einen Amoklauf an seiner Berufsschule angedroht, um wegen des Polizeieinsatzes schulfrei zu bekommen.
Nur sieben Stunden später fand er sich auf der Anklagebank wieder, weil die Polizei den Anrufer schnell ermittelte und die Justiz sich zu einem beschleunigten Verfahren entschloss. Das Amtsgericht verurteilte den 22-Jährigen unter anderem wegen Vortäuschens einer Straftat und Missbrauchs des Notrufs, wie ein Sprecher mitteilte. Das Urteil ist rechtskräftig.
Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten verurteilte ebenfalls am Donnerstag einen 21-Jährigen, der vor einem Jahr im Internet mit einem Amoklauf an seiner früheren Schule gedroht hatte. Der junge Mann muss nun für eine Woche in den Jugendarrest. In der Gerichtsverhandlung sprach er von einem dummen Scherz, mit dem er sich bei Internet-Bekannten habe profilieren wollen. Das Gericht verwies in der Urteilsbegründung darauf, dass mit solchen Drohungen auf einer Internetseite für Schüler nicht zu scherzen sei. Sie verbreiteten Angst und Schrecken.