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(Foto: mein-grundeinkommen.de)

Berliner verlost Grundeinkommen: Nichts muss, aber alles kann

Wenn es um das bedingungslose Grundeinkommen geht, werden die Menschen erstaunlich emotional. Ein Internet-Projekt beflügelt die Debatte über Sinn und Unsinn neu - auch weil es so erfolgreich ist.

Jeden Monat 1000 Euro. 12.000 Euro für ein Jahr. Ohne etwas dafür tun zu müssen. Ohne Bedingungen, ohne moralischen Anspruch und ohne Rechenschaft ablegen zu müssen. Für 19 Menschen wurde das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) hierzulande bereits Realität. Dank des Berliners Michael Bohmeyer, der mit seiner Initiative "Mein Grundeinkommen" dafür sorgt, dass andere nichts mehr tun müssen, aber alles tun können.

Nun wurden erstmals zwei bedingungslose Grundeinkommen im Tandem-Paket verlost. "Wir sind der Meinung, dass sich die Wirkung des Grundeinkommens besonders entfaltet, wenn auch das Umfeld der Gewinner ein Grundeinkommen bezieht", erklärte der Berliner die Idee dahinter. Man könne sich austauschen und gegenseitig beflügeln, wie man das Geld und die neu gewonnene Zeit sinnvoll nutzen kann, so Bohmeyer.

Seit einem Jahr verlost die Initiative solche bedingungslose Grundeinkommen, allerdings bislang immer in der Single-Variante.

"Ein Jahr Hängematte? Ist okay!"

Finanziert wird das Projekt via Crowdfunding. Über 25.000 private Geldgeber haben sich bisher beteiligt. Und es werden immer mehr. Um ein BGE zu gewinnen, muss man aber nicht selbst einzahlen. Die Aktion funktioniert allein nach dem Prinzip der Solidarität. Bohmeyer betont, dass damit keine kommerziellen Zwecke verfolgt werden.

"Wenn jemand das Bedürfnis hat, ein Jahr in der Hängematte zu liegen, dann ist das okay", sagt der Kommunikationswissenschaftler. "Vielleicht schöpft er dadurch neue Kraft, Kreativität. Ich will es nur wissen." Dem Berliner geht es um Erkenntnisgewinn. Er will zeigen, welche Wirkung ein BGE auf Menschen hat. Mit seiner Kampagne hat Bohmeyer einen politischen Testballon geschaffen, der im Kleinen das simuliert, was unsere Gesellschaft irgendwann auch im Großen verändern soll.

BGE - nur eine Frage der Zeit

Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens ist nicht neu. Doch erst seit einigen Jahren ist die Idee wirklich populär. Als die Greifswalderin Susanne Wiest 2009 eine Online-Petition für ein Grundeinkommen einreichte, unterschrieben so viele, dass der Server des Bundestags zusammenbrach. In der Schweiz bekam eine ähnliche Volksinitiative mehr Stimmen als jedes andere Anliegen seit 1891, entschieden wird 2016.

Kritiker argumentieren oft, dass eine bedingungslose Grundversorgung den Menschen zur Faulheit verleiten würde. Befürworter hingegen gehen vom Gegenteil aus. Wenn man nicht mehr um seine Existenz bangen muss, kann man die Arbeit verrichten, die einem etwas zurückgibt, die zur Persönlichkeit passt, auch wenn sie vielleicht weniger abwirft.

Für Bohmeyer ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das BGE die bisherigen Sozialleistungen ersetzt. Die jungen Erwachsenen der sogenannten "Generation Y" lebe bereits Werte, die mit dem Grundeinkommen verstärkt würden. Wenn diese Generation im Bundestag ankommt, wird es kommen, prophezeit Bohmeyer. Und bis dahin geht er seinen eingeschlagenen Weg weiter, auch ohne Hilfe von Vater Staat. Wann immer 12.000 Euro zusammenkommen, verlost er das Geld.

Quelle: n-tv.de

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