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Das Södersjukhuset-Krankenhaus ist das größte Krankenhaus der schwedischen Hauptstadt.
Das Södersjukhuset-Krankenhaus ist das größte Krankenhaus der schwedischen Hauptstadt.(Foto: WikimediaCommons / Holger Ellgaard)

Hohe Dunkelziffer in Schweden: Notstation für vergewaltigte Männer eröffnet

Männer, die Opfer sexueller Gewalt werden - dieses Bild passt immer noch nicht in viele Köpfe. Doch die Realität sieht anders aus. In Schweden eröffnet die erste Notfallstation für Männer, die vergewaltigt wurden.

Im Stockholmer Södersjukhuset-Krankenhaus hat die erste Notfallstation für vergewaltigte Männer eröffnet. Wie das schwedische Portal "The Local" berichtet, werde die Station ab Oktober Männer versorgen, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Auf einer Station für vergewaltigte Frauen versorgt das Krankenhaus bisher bereits zwischen 600 und 700 weibliche Patienten pro Jahr.

In Schweden habe es 2014 rund 370 Fälle von sexueller Gewalt gegen Männer gegeben, berichtet das Schwedische Zentrum für Kriminalitätsprävention. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weitaus höher liegen. "Generell existiert der Fehlglaube, Männer könnten nicht vergewaltigt werden", sagt die zuständige Ärztin Lotti Helström. Die seelischen und körperlichen Schäden wären in diesen Fällen meist sogar gravierender als bei weiblichen Opfern, so Helström. Das Risiko, nach der Tat an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken sei wesentlich höher.

In den allermeisten Fällen würden männliche Opfer von männlichen Tätern vergewaltigt. Die Erfahrungen könnten zu schwerwiegenden Störungen der "sexuellen Identität" führen, erklärt die Ärztin. Die Tabuisierung der Taten sei bei Männern noch weitaus stärker ausgeprägt, als dies bei Frauen der Fall ist.

Schweden hat laut "The Local" die meisten Vergewaltigungsfälle innerhalb der Staaten der EU. Die drastischen Zahlen haben in den vergangenen Jahren eine breite politische Debatte über das Thema angestoßen.

Quelle: n-tv.de

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