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Ebola verunsichert die USA: Obama will "aggressiver" vorgehen

Die mysteriösen Ebola-Fälle in Texas lösen in den USA tiefgreifende Verunsicherung aus. Noch immer sind die Übertragungswege ungeklärt. Sicherheitshalber verspricht Präsident Obama der US-Öffentlichkeit energischere Maßnahmen. Zugleich warnt er vor einer weltweiten Ausbreitung.

US-Präsident Barack Obama hat die Gefahr eines umfassenden Ebola-Ausbruchs in den USA als gering eingeschätzt, zugleich aber vor einer weltweiten Ausbreitung der lebensgefährlichen Epidemie gewarnt. Sollte die Virus-Erkrankung in Afrika außer Kontrolle geraten, könne sie sich über den Flugreiseverkehr schnell auf der ganzen Erde verbreiten.

"Wir nehmen das auf höchster Regierungsebene sehr ernst", sagte Obama nach einem Treffen mit dem Chef der US-Seuchenkontrollbehörde CDC, Tom Frieden, und seinen Top-Beratern beim Thema Gesundheit. In den USA soll ab sofort eine schnelle Eingreiftruppe der CDC dafür sorgen, dass auch schlecht vorbereitete Krankenhäuser bei neuen Ebola-Fällen richtig handeln.

Isolieren, testen, abwarten

Diese Teams sollen so schnell wie möglich zu betroffenen Krankenhäusern geschickt werden, um vor Ort für eine Einhaltung der Sicherheitsvorschriften zu sorgen. "Diese Protokolle funktionieren", sagte Obama. Mitarbeiter an einigen Kliniken seien nur nicht ausreichend geschult und müssten deshalb den Prozess deshalb Schritt für Schritt mit Experten durchlaufen. Angesichts eines zweiten Ebola-Falls in Texas kündigte Obama an, die US-Regierung werde künftig "viel aggressiver" bei neuen Erkrankungen vorgehen.

Zugleich drängte Obama die internationale Gemeinschaft erneut zur Hilfe für die am stärksten von der Epidemie betroffenen westafrikanischen Länder Liberia, Sierra Leone und Guinea. Wenn nicht auf internationaler Ebene wirksam gegen die Ausbreitung des Virus vorgegangen werde, könne das "zu Problemen führen", warnte er. Letztlich sei die Hilfe für Westafrika eine "Investition in unsere eigene öffentliche Gesundheit".

Die Europäer könnten mehr tun: Obama erklärt die Westafrika#Hilfe zur "Investition in die eigene öffentliche Gesundheit".
Die Europäer könnten mehr tun: Obama erklärt die Westafrika#Hilfe zur "Investition in die eigene öffentliche Gesundheit".(Foto: REUTERS)

Der US-Präsident vertritt die Auffassung, dass insbesondere die europäischen Länder mehr zur Eindämmung der Ebola-Epidemie betragen könnten. In einer Videokonferenz redete Obama Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande sowie den Regierungschefs Großbritanniens und Italiens, David Cameron und Matteo Renzi, ins Gewissen. Laut Präsidentensprecher Josh Earnest machte er deutlich, dass er von den großen EU-Ländern "bedeutendere" Hilfszusagen erwarte.

UN-Sicherheitsrat alarmiert

Die Furcht vor einer Pandemie treibt die Großmächte mittlerweile auch auf der Ebene der Vereinten Nationen zu einer ungewöhnlich geschlossenen Haltung: In New York rief der UN-Sicherheitsrat die internationale Gemeinschaft zu mehr Engagement im Kampf gegen Ebola auf. Die Welt müsse ihre Hilfen für Westafrika "beschleunigen und dramatisch ausweiten", hieß es in der einstimmig verabschiedeten Erklärung des Gremiums. Die 15 Mitgliedstaaten - darunter Russland, China und Südkorea - beklagten, dass die bisherige Antwort angesichts des "Ausmaßes des Ausbruchs" ungenügend sei.

Konkret stellte der Sicherheitsrat großen Bedarf an mobilen Laboren, Feldlazaretten, Ausbildungszentren für medizinisches Personal sowie Ausrüstungsgegenständen und Medikamenten fest. Zugleich warnten die Mitgliedstaaten davor, die besonders betroffenen Länder in Westafrika zu isolieren. Reise- und Handelsrouten müssten offen bleiben. Nach neuen Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben in diesem Jahr bereits fast 4500 Menschen an Ebola, die meisten von ihnen in Liberia, Guinea und Sierra Leone.

"Diese Protokolle funktionieren": Der Fahrer des Ambulanzwagens, der die zweite texanische Ebola-Patientin zum Überführungsflug in eine besser ausgestattete Klinik in Atlanta brachte.
"Diese Protokolle funktionieren": Der Fahrer des Ambulanzwagens, der die zweite texanische Ebola-Patientin zum Überführungsflug in eine besser ausgestattete Klinik in Atlanta brachte.(Foto: REUTERS)
Zweiter Ebola-Fall in Texas

Zuvor hatte ein neuer Ebola-Fall in den USA die Furcht vor einer Ausbreitung der tödlichen Seuche geschürt. Wie zur Wochenmitte bekannt wurde, hat sich offenbar eine zweite Krankenschwester in Texas mit dem Virus angesteckt. Wie genau es trotz Sicherheitsvorkehrungen zu dieser weiteren Infektion kommen konnte, versuchen Gesundheitsexperten und Virologen derzeit noch zu ergründen.

Spekuliert wird, dass es möglicherweise bei der Ausschleusung der Pflegekräfte aus dem Quarantänebereich zu einem unabsichtlichen Kontakt mit kontaminierter Schutzkleidung kam. Beide Ebola-Fälle gehörten den Behörden zufolge zu den Betreuern des Ebola-Patienten Thomas Eric Duncan, der sich in Liberia infiziert hatte und eine Woche zuvor in Dallas gestorben war.

Flugreise im Fieber?

Die zweite Infektion binnen weniger Tage stellt Epidemie-Experten vor einer besonders schwierige Aufgabe: Die betroffene Krankenschwester hatte kurz vor dem Ausbruch der Krankheit noch eine Flugreise unternommen.

Daher müssen Mitarbeiter der US-Seuchenkontrollbehörde CDC nun nach insgesamt 132 Personen fahnden, die sich mit der erkrankten Pflegekraft an Bord der Maschine aufgehalten hatten. Sie alle müssen sich in medizinische Obhut begeben, wo sie schnellstmöglich isoliert werden, um die Ergebnisse verschiedener Labortests abzuwarten.

Der erste Fall einer Ansteckung mit dem Ebola-Virus in den USA war am Wochenende bekannt geworden, der zweite folgte Mitte der Woche. Beide Krankenschwestern waren im Texas Health Presbyterian Hospital tätig. Die Klinik ist mittlerweile wegen angeblich mangelnder Sicherheitsstandards massiv in die Kritik geraten. Die Behörden haben die zweite Ebola-Patientin sicherheitshalber in ein offenbar besser ausgestattetes Krankenhaus nach Atlanta im US-Bundesstaat Georgia gebracht. Dort wird sie nun an der Emory-Universitätsklinik unter Quarantäne gehalten.

Quelle: n-tv.de

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