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Oswaldo Payá starb bei einem Autounfall.
Oswaldo Payá starb bei einem Autounfall.(Foto: REUTERS)
Montag, 23. Juli 2012

Er wollte Kuba reformieren: Oswaldo Payá ist tot

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Bei einem Autounfall stirbt der Mann, der vor 10 Jahren an der Spitze einer Reformbewegung stand, die aus Kuba eine Demokratie machen wollte. Obwohl er dabei die Gesetze einhielt, wurden die Aktivisten verhaftet.

Oswaldo Payá, einer der bekanntesten kubanischen Dissidenten, ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Der Unfall ereignete sich in der Nähe der Stadt Bayamo im Osten der Karibikinsel, wo der 60-Jährige mit drei Männern in einem Auto unterwegs war. Einer weiterer von ihnen, der Dissident Harold Cepero, kam ebenfalls ums Leben, wie die kubanischen Behörden bestätigten. Zwei weitere Mitfahrer, ein Spanier und ein Schwede, wurden nach Angaben der kubanischen Behörden leicht verletzt. Laut offizieller Mitteilung war das Auto gegen einen Baum geprallt.

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Payá, Vorsitzender der Oppositionsgruppe Christliche Befreiungsbewegung, war vor gut zehn Jahren mit dem sogenannten Projekt Varela international bekanntgeworden. Er und seine Mitstreiter versuchten damals, eine Bestimmung der kubanischen Verfassung zu nutzen, die den Bürgern ein Initiativrecht bei der Gesetzgebung gewährt. Sie sammelten Unterschriften für ihr Projekt, mit dem sie Kuba von einer Ein-Parteien-Diktatur in eine pluralistische Demokratie verwandeln wollten.

"Wichtigster Oppositionsführer in Kuba"

Im Mai 2002 konnte Payá dem kubanischen Volkskongress 11.020 Unterschriften vorlegen, also mehr als die erforderlichen 10.000. Doch das Volksbegehren wurde zurückgewiesen und Dutzende Koordinatoren des Varela-Projektes verhaftet. Revolutionsführer Fidel Castro ließ stattdessen die sozialistische Staatsform in der kubanischen Verfassung für alle Zeiten für "unantastbar" erklären. Im selben Jahr erhielt Payá den "Sacharow-Preis für Gedankenfreiheit" des Europäischen Parlamentes. Später wurde er auch mehrfach als Kandidat für den Erste Namen sickern durch genannt.

Der Vorsitzende der oppositionellen kubanischen Menschenrechtskommission, Elizardo Sánchez, bezeichnete den Tod Payás als einen Verlust für die demokratische Bewegung. "Er war ohne Zweifel der wichtigste Führer der Opposition in Kuba", sagte Sánchez. Schon als junger Mann war Payá mit dem kommunistischen System in Konflikt geraten und wegen seines christlichen Engagements in ein Arbeitslager gesperrt worden. "Als die Demonstranten in Paris Kuba als Insel der Freiheit feierten, saßen wir im Lager", sagte Payá 2002.

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Quelle: n-tv.de

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