Panorama
Wo Rindfleisch drauf steht, ist mitunter Pferdefleisch drin.
Wo Rindfleisch drauf steht, ist mitunter Pferdefleisch drin.(Foto: REUTERS)

Viele weitere Funde: Pferdefleisch gab es auch bei Aldi

Mit dem Handelsriesen Kaiser's Tengelmann muss eine weitere Supermarktkette einräumen, dass Tiefkühl-Lasagne statt Rind- auch Pferdfleisch enthält. Betroffen ist die Eigenmarke A&P, die in Frankreich produziert wird. Bei Aldi Süd gab es Pferd in Gulasch und Ravioli. Auch bei Lidl gibt es Funde, allerdings bislang nur in Österreich.

Video

Der Lebensmittel-Discounter Aldi Süd nimmt zwei Fertiggerichte aus den Regalen, nachdem eigene Analysen Pferdefleisch nachgewiesen haben. Bei den betroffenen Produkten handele es sich um "Ravioli, 800 g Dose (Sorte Bolognese)" und um "Gulasch, 540 g Dose (Sorte Rind)", der allerdings nur in Nordrhein-Westfalen verkauft wurde. Kunden könnten die betroffenen Produkte in den Filialen von Aldi Süd gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgegeben.

Die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann geht fest davon aus, dass Tiefkühl-Lasagne der Eigenmarke A&P neben Rindfleisch auch Pferdefleisch enthalten hat. Der Hersteller Comigel aus Frankreich habe seine Kunden offiziell informiert, dass die von ihm für seine Kunden hergestellten Fertiggerichte "durchgängig Anteile von Pferdefleisch enthalten", erklärte ein Sprecher von Kaiser's Tengelmann.

Deswegen gehe auch Kaiser's Tengelmann davon aus, dass seine A&P-Lasagne "Pferdefleisch enthalten hat", obwohl das Unternehmen selbst noch nicht über eigene Testergebnisse verfüge, erklärte Luig. Kaiser's Tengelmann wolle "auf jeden Fall Schadensersatzansprüche geltend machen". Das Unternehmen fühle sich vom Lieferanten Comigel "getäuscht und betrogen".

Kaiser's Tengelmann hatte am 6. Februar vorsorglich die Fertiglasagne der Eigenmarke A&P aus dem Sortiment genommen. Dies war zum Beginn dieser Woche bekannt geworden. In dieser Woche nahmen die Supermarktketten Real und Edeka Tiefkühllasagne aus den Regalen, weil in Proben Anteile von Pferdefleisch festgestellt wurden.

Lidl-Produkte in Österreich mit Pferdefleisch

Auch Österreich ist von dem Skandal jetzt betroffen. In den dortigen Filialen der Discounterkette Lidl sind in dem Produkt "Combino Tortelloni Rindfleisch" Anteile von Pferdefleisch gefunden worden, wie die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit im Auftrag des österreichischen Gesundheitsministeriums mitteilte. Wie der Internetseite von Lidl zu entnehmen ist, gehören Tortelloni der Eigenmarke Combino mit Rindfleisch auch zum Sortiment in Deutschland. Lidl Deutschland war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Mit dem Leipziger Unternehmen Konsum reagiert indessen eine weitere Handelskette und nimmt verdächtige Tiefkühl-Lasagne vorsorglich aus dem Sortiment. "Wir haben das als Vorsichtsmaßnahme getan", sagte Vorstandschefin Petra Schumann. Konsum ist ein eigenständiges Unternehmen und bezieht seine Ware unter anderem von Edeka. Kunden, die in den Konsum-Läden die "Lasagne Bolognese Gut&Günstig" gekauft haben, könnten sie jederzeit in einer der rund 70 Filialen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt zurückgeben. Der Kaufpreis werde erstattet.

Streit um Rolle von Spanghero im Skandal

In Frankreich wehrt sich derweil die französische Firma Spanghero gegen den Verdacht, ihre Fleischprodukte falsch deklariert zu haben. "Ich weiß nicht, wer hinter all dem steckt, aber ich kann ihnen versichern, wir sind es nicht", sagte der Chef Barthelemy Aguerre dem Sender Europe 1. Frankreichs Verbraucherschutzminister Benoit Hamon wirft dem Unternehmen vor, wissentlich Pferdefleisch aus Rumänien verarbeitet und als Rindfleisch deklariert zu haben. Der Spanghero-Chef kündigte dagegen an, die Unschuld seiner Firma zu beweisen. "Ich glaube, die Regierung hat vorschnell gehandelt."

Minister Hamon hatte dagegen erklärt, der Firma könne nicht entgangen sein, dass das aus Rumänien importierte Fleisch viel billiger als Rindfleisch gewesen sei. Zudem gebe es keine Hinweise darauf, dass der rumänische Exporteur das Fleisch falsch deklariert habe.

Gentest sollen kommen

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels verwehrte sich gegen Kritik an der Branche, die Kunden zu spät informiert zu haben. Die Firmen hätten angesichts erster Verdachtsfälle die "Produkte vorsorglich aus dem Verkauf genommen", sagte Präsident Friedhelm Dornseifer. "Umgehend wurde mit der Produktanalyse begonnen. Nachdem positive Testergebnisse vorlagen, haben sie die Öffentlichkeit informiert."

Der Lebensmittelhandel sei "seiner Sorgfaltspflicht umgehend und über die gesetzlichen Vorgaben hinaus nachgekommen", betonte Dornseifer. BVL-Pressesprecher Christian Böttcher erläuterte: "So lange wir nicht wissen, was los ist, ziehen wir Produkte zurück. Wir informieren aber erst, wenn wir sicher wissen, um was es sich handelt."

Auf Initiative der EU-Kommission wollen die EU-Staaten über die Einführung europaweiter Tests von Rindfleischprodukten entscheiden. Mit Gentests sollen die Aufsichtsbehörden feststellen, ob es sich bei den Proben um falsch deklariertes Pferdefleisch handelt. Außerdem soll Pferdefleisch auf Rückstände des Medikaments Phenylbutazon untersucht werden. Das Mittel wird bei Pferden gegen Entzündungen oder zum Doping eingesetzt, darf aber nicht in Nahrungsmitteln enthalten sein. Wenn die Ländervertreter sie bei ihrem Treffen beschließen, könnten die Untersuchungen im März beginnen.

Dennoch sind Verbraucherschützer alarmiert. Sie fordern ein Schnellwarnsystem, das Konsumenten vor Täuschungen schützen soll. Eine entsprechende Plattform wäre national und europaweit sinnvoll, sagte Verbraucherschutz-Chef Gerd Billen dem "Handelsblatt". Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner forderte, Lebensmittelkontrolle, Polizei und Justiz müssten "mit aller Härte durchgreifen".

Aigner ist empört

Die bisherigen Vorschläge der EU-Kommission seien lediglich eine kurzfristige Maßnahme, die es den Behörden ermögliche, Fakten für ein Gesamtbild der Situation zusammenzutragen, sagte Billen, Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband, weiter. "Dann muss die EU auch langfristig die Weichen stellen, um die Lebensmittelüberwachung in Europa zu verbessern." Es dürfe nicht nur dann "beherzt" gehandelt werden, wenn gesundheitliche Beeinträchtigungen zu befürchten seien. Auch Täuschungen verstießen gegen geltendes Recht und müssten von der Lebensmittelüberwachung "energisch" verfolgt werden.

Billen forderte in der "Passauer Neuen Presse" zudem, dass Lebensmittelfirmen europaweit ihre Zulieferer stärker kontrollieren sollten. "Die Lebensmittelüberwachung muss besser werden - nicht nur in Deutschland, sondern im gesamten Europa", sagte Billen. Die Unternehmen sollten stärker kontrollieren müssen, "was genau sie von ihren Zulieferern erhalten, und die Lieferkette per Knopfdruck lückenlos dokumentieren können", fügte er hinzu.

Ministerin Aigner sprach in der "Bild"-Zeitung von einem "handfesten Betrugsskandal, der seinen Ursprung außerhalb Deutschlands hat". Der starke Wettbewerb im europäischen Lebensmittelmarkt sei keine Entschuldigung für den Pferdefleischskandal. "Die Verbraucher müssen sich jederzeit darauf verlassen können, dass ihre Lebensmittel sicher sind und richtig gekennzeichnet - egal, ob sie preisgünstig im Supermarkt einkaufen oder teuer im Feinkostladen."

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen