Hartes Zeugnis für PharmabranchePillen ohne Mehrwert

Ständig kommen neue Arzneimittel auf den Markt. Einen Nutzen haben die meisten neuen Medikamente aber nur für der Pharmaindustrie – den Patienten bringen sie wenig Linderung oder Heilung. Ob sie sogar Schäden verursachen, wird die Zukunft zeigen.
Nur eines von 23 neu auf den deutschen Markt gekommenen Arzneimitteln bringt den Patienten zweifelsfrei mehr als ältere Präparate, hat der Innovationsreports 2013 der Techniker Krankenkasse ergeben. Der Großteil der neuen Medikamente ist ein Flop, sie haben laut Studienleiter Gerd Glaeske keinen Zusatznutzen.
Bei dem einzigen Präparat mit unbestrittenem Mehrwert handelt es sich um Brilique zur Verhinderung von Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Acht weitere Mittel sind fraglich - der Zusatznutzen sei kaum merkbar. Der ganze Rest zeige keine relevante Verbesserung, darunter zum Beispiel Multaq bei Vorhofflimmern, Prolia gegen Osteoporose, Sycrest gegen manische Phasen oder Urorec bei Prostata-Vergrößerung.
"Ich glaube nicht, dass wir eine Produktivitätskrise haben", sagt Glaeske, "wir haben eine Innovationskrise." Das soll wohl heißen: Die Pharmakonzerne bringen ständig neue Produkte auf den Markt, die den Patienten nichts nützen.
Angesichts der Ausgaben der gesetzlichen Kassen für diese Arzneimittel von knapp 145 Millionen Euro könnten 68 Millionen Euro eingespart werden - ohne schlechtere Versorgung für die Patienten, sagte der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas.
Langfristige Risiken sind unabwägbar
Riskant sei, dass Ärzte die Medikamente auch massenhaft Patienten verordneten, bei denen dadurch gar keine Therapieverbesserung zu erwarten sei. "Nicht jedes Medikament nutzt für jeden", sagte Baas. "Wenn sie den Falschen gegeben werden, können sie in der Tat schaden. Das gilt umso mehr für Medikamente, die nicht einmal einen Zusatznutzen haben."
Glaeske betonte, dass sich bei vielen Medikamenten erst nach längerer Anwendung zeige, ob sie die Gefahr teils erheblicher Nebenwirkungen brächten. Damit die Risiken klar erkannt werden, müssten die Medikamente zu einem späteren Zeitpunkt offiziell bewertet werden.