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Reichsbürger gehen davon aus, dass das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 noch existiert.
Reichsbürger gehen davon aus, dass das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 noch existiert.(Foto: picture alliance / Patrick Seege)
Donnerstag, 14. September 2017

Reichsbürger baut Dekowaffen um: Polizei nimmt Waffenhändler fest

Ein mutmaßlicher Reichsbürger und drei seiner Komplizen sollen in Berlin und Brandenburg Dekorationswaffen zu scharfen Schusswaffen umgebaut und damit gehandelt haben. Die Polizei nimmt die Männer fest. Und setzt sie wieder auf freien Fuß.

In Berlin und Brandenburg ist die Polizei gegen einen mutmaßlichen Reichsbürger sowie drei weitere Männer wegen illegalen Waffenhandels vorgegangen. Die Beamten durchsuchten ein Geschäft in Berlin-Schöneberg sowie vier Wohnungen in Berlin und Wandlitz, wie die Berliner Polizei mitteilte. An den Durchsuchungen waren Spezialeinsatzkräfte beteiligt, es wurden mehrere scharfe Waffen und Tausende Schuss Munition sowie Werkzeug zum Umbau von Waffen beschlagnahmt.

Insgesamt wurden vier Männer im Alter von 36 bis 73 Jahren vorübergehend festgenommen - unter ihnen ein 53-Jähriger, der der sogenannten Reichsbürgerszene zugeordnet wird. Den Beschuldigten werden Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen. Sie sollen Dekorationswaffen zu scharfen Schusswaffen umgebaut und damit sowie mit vollautomatischen Maschinenpistolen und Munition.gehandelt haben.

Alle Tatverdächtigen wurden nach den polizeilichen Maßnahmen in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Berlin entlassen. Die weiteren Ermittlungen führt der Polizeiliche Staatsschutz, berichtet die "BZ".

Amokläufer von München benutzte eine umgebaute Dekowaffe

Die in etliche Kleinstgruppen zersplitterten Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik und damit auch staatliche Autoritäten wie die Polizei oder Gerichte nicht an. Sie gehen davon aus, dass das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 noch existiert. Ein Teil der Szene vertritt nach Behördenangaben rechtsextremistische Positionen. Deutschlandweit zählten laut Bundesamt für Verfassungsschutz im vergangenen Jahr etwa zehntausend Menschen zur Szene der sogenannten Reichsbürger und Selbstverwalter.

Als Dekowaffen bezeichnet man ehemals scharfe Waffen, die unbrauchbar gemacht wurden. Im Juli 2016 benutzte der Amokläufer von München bei seiner Tat eine wieder schussfähig gemachte Dekowaffe. Auch die Attentäter, die im Januar 2015 in der Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" in Paris zwölf Menschen erschossen haben, benutzten umgebaute Kalaschnikows. In einigen Ländern werden Waffen nur mit einem dünnen Stahlstift blockiert, bevor sie legal verkauft werden können. Laut "FAZ" sind selbst Menschen, die ansonsten nichts mit Schusswaffen zu tun haben, in der Lage in nur etwa eine Stunde solche Dekowaffen wieder funktionsfähig zu machen.

Quelle: n-tv.de

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