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Nachtübung über Schleswig-Holstein: Polizeihubschrauber stürzt ab

Tragisches Flugunglück nördlich von Hamburg: Ein Hubschrauber der Bundespolizei fällt mit drei Besatzungsmitgliedern an Bord vom Himmel. Die Maschine schlägt neben einer Straße und einem Fußballplatz auf. Zwei Menschen verlieren ihr Leben.

Beim Absturz eines Hubschraubers vom Typ Eurocopter 135 der Bundespolizei sind am Abend in Bimöhlen in Schleswig-Holstein zwei der insgesamt drei Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Nach ersten Erkenntnissen überlebte ein weiterer Insassen den Absturz schwer verletzt. Er wurde zur weiteren Versorgung in ein Krankenhaus gebracht.

Bewährt im Alltagseinsatz: Ein EC-135 der Bundespolizei (Archivbild).
Bewährt im Alltagseinsatz: Ein EC-135 der Bundespolizei (Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)

Der Absturz ereignete sich gegen 20.00 Uhr, wie ein Sprecher der Bundespolizei mitteilte. Hergang und Unglücksursache liegen noch vollkommen im Dunkeln. Die Bergungsarbeiten vor Ort dauerten bis zum späten Abend noch an.

Erste Bilder von der Absturzstelle zeigten ein völlig zerstörtes Wrack. Der Rumpf ist durch die Wucht des Aufpralls deformiert, die Rotorblätter sind abgeknickt. Die Überreste des Helikopters liegen leicht schräg auf der Seite. Die Maschine fiel offenbar nahezu senkrecht bei stehendem Hauptrotor vom Himmel. Die beiden Toten steckten zunächst noch im Wrack fest, sagte eine Polizeisprecherin.

Rätselhafter Funkspruch

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei befand sich der zweimotorige Hubschrauber auf einem Nacht-Übungsflug. Informationen der "Kieler Nachrichten" zufolge soll der Pilot kurz vor dem Absturz noch versucht haben, einen Funkspruch abzusetzen. Seine Worte seien allerdings nicht mehr verständlich gewesen.

Der Hubschrauber ging am Ortsrand von Bimöhlen über unbebautem Gelände nieder und schlug etwa 20 Meter neben der Ortsverbindungsstraße auf einem Acker auf. Nur einige Hundert Meter entfernt liegt nach Angaben der Polizei ein Fußballplatz, wo zum Zeitpunkt des Absturzes noch gespielt wurde.

Scheinwerfer der Feuerwehr leuchten die Absturzstelle aus: Die Überreste des Hubschraubers liegen unter der Plane.
Scheinwerfer der Feuerwehr leuchten die Absturzstelle aus: Die Überreste des Hubschraubers liegen unter der Plane.(Foto: dpa)

Am späten Abend wurde das Wrack mit einer Plane abgedeckt - auch um an der Unfallstelle wichtige Beweismittel für die Unfallermittler zu sichern. Nur der Schriftzug Bundespolizei war an einer Stelle noch zu sehen. Die mit Scheinwerfern ausgeleuchtete Unglücksstelle wurde mit Flatterband abgesperrt. In der Nähe standen Notarztwagen, Feuerwehrfahrzeuge und ein Kranwagen bereit.

Polizeiflieger aus Fuhlendorf

Bimöhlen liegt nördlich von Hamburg an der A7 rund 15 Kilometer vor Neumünster. Gebäude oder Unbeteiligte wurden nach ersten Erkenntnissen nicht in Mitleidenschaft gezogen. Der Hubschrauber gehörte zur nahegelegenen "Bundespolizei-Fliegerstaffel Fuhlendorf" am Standort Fuhlendorf bei Brad Bramstedt in Schleswig-Holstein. Lokalen Medienberichten zufolge war die Maschine dort zuvor auch gestartet. Ob sie sich zum Zeitpunkt des Unglücks bereits auf dem Heimflug befand, ist noch unklar.

Bei der Bundespolizei sind früheren Angaben zufolge bundesweit 65 Hubschrauber verschiedener Typen "regelmäßig im polizeilichen Einsatz". Dazu kommen 16 Hubschrauber für den Rettungsdienst sowie sechs Maschinen für Schulungszwecke. Wie das "Hamburger Abendblatt" schreibt, ist Fuhlendorf einer der insgesamt fünf Flieger-Standorte der Bundespolizei in Deutschland. "Von dort aus starten die Beamten zu Missionen wie der Grenzsicherheit auf See, Bahnsicherheit, Umweltschutz und Such- sowie Rettungsaktionen."

Standard-Hubschrauber für Luftretter

Der Hubschraubertyp EC 135 wird bei Airbus Helicopters mittlerweile unter der Bezeichnung H135 produziert. Laut Herstellerangaben wurden bislang rund 1100 Maschinen dieses Typs ausgeliefert, die bei knapp 300 verschiedenen Betreibern in etwa 60 Ländern rund um die Erde im Einsatz sind.

Der von zwei Aggregaten angetriebenen Hubschraubertyp wird unter anderem für die Luftrettung, Polizeiaufgaben und die Verkehrsüberwachung sowie - je nach Ausstattung und Betreiber - auch für Bergungs-, Transport- und Lastenflüge eingesetzt. Leer wiegt die gut zwölf Meter lange und dreieinhalb Meter hohe Maschine rund eineinhalb Tonnen. Bei einer Reisegeschwindigkeit von rund 230 Kilometern in der Stunde kann der H135 ohne Tankpause eine Strecke von gut 630 Kilometern zurücklegen.

Für Airbus ist der Helikopter ein wichtiges Aushängeschild: Im Spezialsegment der Rettungshubschrauber kommt das Modell H135 früheren Angaben zufolge auf einen Marktanteil von rund 25 Prozent weltweit.

Quelle: n-tv.de

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