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Whisky statt Champagner: Queen tauft Flugzeugträger

Von Martin Morcinek

In einer Werft hoch im Norden nimmt die britische Monarchin an einer uralten Marinetradition teil. Das größte Kriegsschiff der britischen Flotte fährt künftig unter dem Namen "Queen Elizabeth". Der Koloss soll der Seemacht Großbritannien zu neuer Größe verhelfen.

Auf dem Weg zur Taufe: Der Duke of Edinburgh, Prinz Philip (l.) und die Monarchin lassen sich von einem hochrangigen Marine-Offiziellen über die Werftanlagen in Rosyth führen.
Auf dem Weg zur Taufe: Der Duke of Edinburgh, Prinz Philip (l.) und die Monarchin lassen sich von einem hochrangigen Marine-Offiziellen über die Werftanlagen in Rosyth führen.(Foto: AP)

Das britische Staatsoberhaupt, Königin Elizabeth II., hat im schottischen Rosyth bei Edinburgh einen Flugzeugträger der neuesten Generation auf ihren eigenen Namen getauft. Am Rumpf des 65.000 Tonnen schweren und 900 Fuß (knapp 275 Meter) langen Typschiffs "HMS Queen Elizabeth" zerschellte bei der traditionellen Schiffstaufe eine Flasche Whisky.

Der neue Flugzeugträger ist das erste Kriegsschiff der sogenannten "Queen Elizabeth"-Klasse. Zusammen mit dem noch im Bau befindlichen Schwesterschiff "Prince of Wales" kostet das Projekt den britischen Steuerzahler mehr als 6 Milliarden Pfund (rund 7,5 Milliarden Euro).

Die "Queen Elizabeth" soll ab 2020 Dienst tun. Das Schiff ist nach Worten der Königin das größte Schiff, das jemals in Großbritannien gebaut wurde. Eine Entscheidung darüber, ob das zweite Schiff ebenfalls in Dienst gestellt oder verkauft werden soll, ist noch nicht gefallen. Selbst innerhalb der britischen Kriegsmarine gilt die Flugzeugträger-Frage als heißes Eisen.

Zweifel in Marinekreisen

Im Kern geht es um die Frage, ob das teure Neubauprojekt und das gesamte Flugzeugträgerprogramm militärisch überhaupt sinnvoll sind - oder ob es nicht preisgünstigere Alternativen gegeben hätte. Kenner der britischen Verhältnisse gehen davon aus, dass bei dem Auftrag zum Bau eines neuen britischen Flugzeugträgers auch wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Argumente eine Rolle gespielt haben dürfte.

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Aus der Sicht des Steuerzahlers passt ein milliardenschweres Rüstungsvorhaben nicht zur Haushaltslage in London: Die Regierung von Premierminister David Cameron hatte 2010 erhebliche Sparmaßnahmen eingeleitet, wovon auch der Verteidigungshaushalt betroffen war. Derzeit steht der britischen Marine mit der "HMS Illustrious" nur noch ein Flugzeugträger der älteren "Invincible"-Klasse zur Verfügung, zwei weitere wurden in den vergangenen Jahren ausgemustert, verschrottet oder verkauft.

Die dazugehörigen Senkrechtstarter vom Typ "Seaharrier", die von Flugzeugträgern oder Behelfsflugplätzen im Feld starten können, wurden aus Spargründen ebenfalls abgeschafft. 48 neue Jets des Typs F-35 sind bestellt, aber noch nicht eingetroffen. Hersteller dieser Maschinen ist der Rüstungskonzern Lockheed Martin. Das US-Unternehmen kämpft beim Bau der F-35 seit Jahren mit teils gravierenden Verzögerungen und technischen Entwicklungsschwierigkeiten.

Teure US-Jets für "Queen Elizabeth"

Die F-35 "Lightning II" ist als Mehrzweckkampfflugzeug mit Stealth-Eigenschaften ausgelegt und verfügt je nach Modellvariante auch über Senkrechtstartfähigkeiten. In den USA soll die Lightning II eine ganze Reihe bewährter Maschinen ersetzen, darunter Luftüberlegenheitsjäger ebenso wie das Erdkampfflugzeug A-10 "Thunderbolt". Eine spezielle Version ist für die harten Betriebsbedingungen auf Flugzeugträgern ausgelegt. Maschinen diesen Typs sollen auch auf der "Queen Elizabeth" zum Einsatz kommen. Aufgrund der ungewöhnlich breitgefächerten Anforderungen, der zahlreichen Verzögerungen und der enormen Entwicklungskosten gilt die F-35 schon jetzt als das teuerste Kampfflugzeug aller Zeiten.

Entsprechend reserviert nahmen britische Rüstungsexperten die Entscheidung auf, den neuen Stolz der britischen Marine mit eben diesen Kampfjets aus US-Produktion auszustatten. Skeptiker halten den Einkauf futuristischer Allzweckflieger ohnehin für voreilig investiertes Geld. Der technische Fortschritt könnte nach Ansicht von Militärexperten schon bald auch die Marinefliegerei für immer verändern. Die US Navy experimentiert schon längst mit unbemannten Fluggeräten zur Aufrüstung ihrer Trägerflotte. Drohnen gelten als sehr viel billiger und ausdauernder als bemannte Hightech-Jets.

Doch auch so dürfte die Wirtschaft des Königreichs massiv von dem Großauftrag aus dem britischen Verteidigungsministerium profitieren. Die Werftanlagen der eigens gegründeten Carrier Alliance (deutsch etwa: "Träger-Bündnis") liegen am Meeresarm Firth of Forth und sind so groß, dass sie selbst aus dem All noch gut zu erkennen sind. Beteiligt an dieser Schiffbauallianz sind die Werftensparte des britischen Rüstungsriesen BAE Systems, die französische Thales Group und der Marinebereich des britischen Industriedienstleisters Babcock International. Einzelne Komponenten, wie etwa Rumpfteile oder der Brückenaufbau, wurden an verschiedenen Werftenstandorten Großbritanniens gefertigt und erst zum Zusammenbau nach Schottland geliefert.

Vieles an dem neuen Kriegsschiff ist symbolisch aufgeladen: "Die HMS Queen Elizabeth wird ein nationales Instrument der Macht und der nationalen Autorität werden", erklärte zum Erste Lord der Admiralität George Zambellas in seiner Ansprache. "Das heißt, sie wird ein nationales Symbol sein, dass das Große in Großbritannien und das königliche in der Royal Navy bewahren wird." Passend zu dieser aus deutscher Sicht ungewöhnlich starken Betonung der Nationalstaatlichkeit fiel auch die Wahl der Taufflüssigkeit aus.

In einem bemerkenswerten Bruch mit uralten Seefahrertraditionen zerschellte zur Taufe am Rumpf des Riesenschiffs nicht die üblichen Flasche Champagner. Die Protokollbeamten der britischen Marine hatten stattdessen eine Flasche schottischen Whisky ausgewählt. Britischen Medienberichten handelte es sich dabei um einen Single Malt aus der westlich vorgelagerten Insel Islay. Die Bedeutung ist offensichtlich: Die neue Flugzeugträgergeneration soll als Symbol für das ganze Vereinte Königreich dienen und damit auch nach Innen wirken.

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Quelle: n-tv.de

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