Panorama

Doppelstockwagen überprüftRad-Riss bei Regionalbahn

22.07.2009, 20:20 Uhr

Nach den Problemen bei der Berliner S-Bahn ist jetzt auch bei einer Regionalbahn in Brandenburg ein Radschaden entdeckt worden. Nun überprüft das Eisenbahn-Bundesamt auch Doppelstockwagen der Deutschen Bahn.

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Ultraschallprüfungen an einem Radsatz einer S-Bahn. Damit können zerstörungsfrei Risse rechtzeitig erkannt werden. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Auf Bahnkunden kommen möglicherweise bald weitere Einschränkungen zu - diesmal im Regionalverkehr. Nachdem es zuletzt die Vorgaben für die Sicherheit Berliner S-Bahnen drastisch verschärft hat, überprüft das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) nun auch Doppelstockwagen der Deutschen Bahn.

Ausweitungen nicht ausgeschlossen

Hintergrund sei ein Riss in einem Rad, der in einem der doppelstöckigen Züge Ende vergangener Woche festgestellt worden sei, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes der "Süddeutschen Zeitung". Ein Verwaltungsverfahren sei bereits eingeleitet. "Wir sind jetzt in der Sachverhaltsprüfung", erklärte die Sprecherin. Ob und wann die Behörde Auflagen erlasse, sei noch unklar. "Auch Ausweitungen sind nicht ausgeschlossen", sagte die Sprecherin.

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In der S-Bahn_Werkstatt am Wannsee in Berlin werden mit einer Unterflurradsatzdrehmaschine abgenutzte Radsätze im eingebauten Zustand neuprofiliert. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Betroffen sind bisher die Doppelstockwagen der Baureihe 747.3. Wie die Bahn mitteilte, war der Riss bei einer routinemäßigen Bremskontrolle entdeckt worden. Daraufhin habe man die Eisenbahn-Aufsicht informiert. Der Doppelstockwagen sei sofort ausgesetzt worden. Er werde nun genau untersucht, so die Bahn.

Die in Berlin erscheinende "Junge Welt" berichtet, der Riss an der Radscheibe sei in Wünsdorf bei der planmäßigen Ausfahrt des Zuges bemerkt worden. Dies hätte bei voller Fahrt zu einer Katastrophe führen können, berichtete das Blatt unter Berufung auf Aussagen von Eisenbahnern.

EBA will auch Wartungsintervalle prüfen

Laut EBA soll sich die Prüfung auch auf die Einhaltung der vom Hersteller empfohlenen Wartungsintervalle erstrecken. Nach Angaben der Bahn werden die betroffenen Wagen alle 3000 Kilometer untersucht.

Die Züge, die ursprünglich über die DDR-eigene Deutschen Reichsbahn in den Besitz der Bahn gelangten, waren in den neunziger Jahren aufwändig umgebaut und saniert worden. Sie sind bundesweit im Einsatz. Ende 2011 sollen die Züge ausgemustert werden. Nach SZ-Informationen berief die Bahn für Freitag eine Aufsichtsratssitzung der Tochterfirma DB Regio ein. Sie betreibt die Regionalzüge.

Notfahrplan bei der Berliner S-Bahn

In Berlin kann die S-Bahn derzeit nur ein Drittel ihres Wagenparks einsetzen, weil Räder und Achsen etlicher Züge überprüft und teils ausgewechselt werden müssen. Bis 10. August gilt ein Notfahrplan. Etwa ein Jahr nach dem Bruch einer ICE-Achse in Köln hat die dortige Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen kürzlich eingestellt. Ursache sei ein Materialfehler gewesen, der Bahn sei kein strafrechtlicher Vorwurf zu machen. Der bundeseigene Konzern untersucht seit dem Vorfall aber alle Achsen des Typs ICE 3 zehnmal häufiger als zuvor. Geprüft werden Schadenersatzforderungen gegen die Hersteller.

Quelle: hdr/dpa/AFP