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Die Geschäftsräume von "Lovoo" in Dresden sind am Morgen von der Polizei durchsucht worden.
Die Geschäftsräume von "Lovoo" in Dresden sind am Morgen von der Polizei durchsucht worden.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 08. Juni 2016

Haftbefehle wegen Fake-Profilen: Razzia bei Dating-Portal Lovoo

Seit Monaten steht das Dating-Portal Lovoo unter Verdacht, im großen Stil Fake-Profile von Frauen erstellt zu haben, um die männlichen Kunden eine Fülle von möglichen neuen Kontakten vorzugaukeln - nun gibt es die ersten Haftbefehle.

Wegen Betrugsverdachts hat die Polizei die Dresdner Geschäftsräume des Dating-Portals Lovoo durchsucht. Das Unternehmen stehe im Verdacht, in großem Stil gefälschte weibliche Profile eingesetzt zu haben, um kontakt- und zahlungswillige männliche Kunden anzulocken, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden. Zwei Verdächtige seien verhaftet worden - nach "MDR"-Informationen handelt es sich um zwei der drei Geschäftsführer. Ihnen und neun weiteren Lovoo-Mitarbeitern wird gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen.

Lovoo soll in großem Stil gefälschte weibliche Profile eingesetzt haben. Der Schaden geht in den Millionenbereich. Foto: Lovoo
Lovoo soll in großem Stil gefälschte weibliche Profile eingesetzt haben. Der Schaden geht in den Millionenbereich. Foto: Lovoo(Foto: dpa)

Ein dritter Haftbefehl liege vor, sei aber noch nicht vollstreckt worden, wie es hieß. Allein in Dresden durchsuchten Ermittler 13 Objekte. Beamte in Zivil trugen am Hauptsitz des Online-Unternehmens in einer großen Dresdner Einkaufsstraße Kartons aus den Büros. Vor dem Gebäude standen Einsatzwagen. Zwei weitere Durchsuchungen gab es in Berlin, eine in Nürnberg. Zahlreiche Unterlagen sowie Computer, Datenspeicher und Mobilfunktechnik seien sichergestellt worden, hieß es. Rund 200 Beamte waren im Einsatz.

Ziel sei nicht die Abschaltung des Online-Portals, "sondern die Verhinderung krimineller Handlungen zu Lasten der Nutzer", so die Staatsanwaltschaft. Dennoch war die Website am Nachmittag zunächst nicht mehr zu erreichen. Wie der MDR berichtete, seien einige Mitarbeiter von der Präsenz bewaffneter Polizisten in den Büroräumen derart überrascht worden, dass sie einen Schock erlitten und in Tränen ausbrachen.

Falsche Profile lockten in Kostenfalle

Lovoo bietet seinen Nutzern über eine App die Möglichkeit, interessen- und standortbezogen andere Leute kennenzulernen. Die Dienste sind nur teilweise kostenpflichtig. Laut Staatsanwaltschaft wurden Nutzer durch die gezielte Anlage falscher Profile dazu verleitet, kostenpflichtige Leistungen zu buchen. Laut Lovoo wird die App von mehr als 50 Millionen Menschen weltweit genutzt. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als "das am schnellsten wachsende Netzwerk zum Kennenlernen neuer Menschen". Es beschäftigt knapp 200 Mitarbeiter.

Die Betrugsvorwürfe waren im September vergangenen Jahres bekanntgeworden. Die Fachzeitschrift "c't" hatte berichtet, dass ihr zugespielte Daten auf eine groß angelegte Fälschung weiblicher Nutzerprofile bei Lovoo schließen lasse.

Quelle: n-tv.de

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